Der Bereich um den Blumberger Stadtteil Hondingen kommt für ein Atomendlager nicht in Betracht. Das war die wichtigste Aussage von Jochen Erbacher von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover bei einem Vortrag in Hondingen.
Blumberg-Hondingen - Als Grund nannte Erbacher, dass die Opalinustonschicht in Hondingen bereits in circa 80 bis 100 Metern Tiefe beginnt und der Bereich somit für ein Atommüllendlager sicher ausscheidet.
Mehr als 20 Zuhörer waren am Freitagnachmittag zu der Informationsveranstaltung in das Gemeinschaftshaus Hondingen gekommen, zu der Ortsvorsteher Rolf Schwenk eingeladen hatte. Referiert wurde über eine geplante Probebohrung im Hondinger Göthental im September. Bei dem Vortrag, der 174 Millionen Jahre Erdgeschichte umfasste, stellte Erbacher sein Projekt der "Sequenzstratigraphie im Aalenium Süddeutschlands" – kurz SEPIA – vor.
Mehrere Bohrungen in Opalinustonschichten
Das Projekt wird in Zusammenarbeit zwischen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover und der Universität Heidelberg durchgeführt. Der Erstkontakt führte über Blumbergs Bürgermeister Markus Keller, gefolgt von Gesprächen mit den Eigentümern und Pächtern des vorgesehenen Bohrortes. Nachdem bereits in den vergangenen Jahren in Lauchheim bei Aalen sowie in Metzingen Probebohrungen stattfanden, wurde nun Hondingen als südlichster Punkt auserkoren.
Grund dafür ist, dass die Schicht des Opalinuston, ein festes Tongestein, in Hondingen relativ nahe an der Erdoberfläche beginnt und somit keine große Bohrtiefe notwendig sei. Die Bohrungen sollen nicht der Suche nach einem Endlager für Atommüll dienen, sondern vielmehr helfen, die geologische Entstehung von Opalinustonschichten wissenschaftlich besser zu verstehen, was auch der Grund für Bohrungen an verschiedenen Orten sei.
Interessierte sind am Bohrort willkommen
Beginn für die Probebohrung in Hondingen soll am 21. September sein, nachdem nun kürzlich eine Spezialfirma aus Vaihingen den Auftrag erhalten hat. Es wird drei Bohrungen in einer Tiefe zwischen 180 und 250 Metern geben.
Hohe Priorität hat Professor Erbacher zufolge insbesondere das Aufklären der Öffentlichkeit über die Bohrungen. Hierzu dient neben dem Vortrag am Freitag eine Infotafel am Bohrort, auf der Einzelheiten erklärt werden. Außerdem steht das Forschungsteam für Fragen zur Verfügung, wobei auch ausdrücklich Interessierte am Bohrort willkommen seien, wie es hieß. Professor Erbacher berichtete auch von Schulklassen und Gemeinderäten, welche die früheren Bohrorte besichtigten.
Hilfreich für die Forscher sind die Bohrkerne, die genauen Aufschluss über die Gesteinsschichten geben. Interessant werden auch Erkenntnisse über das Entstehen der Schichten durch Ablagerungen von Sand und Ton infolge des Absinken des damaligen Meeresspiegels sein. Nach Abschluss und Auswerten der Probebohrung werden die Daten öffentlich verfügbar sein. Zudem werden die Bohrkerne nach der Auswertung im nationalen Bohrkernlager eingelagert.
Zum Schluss beantwortete Erbacher noch einige Fragen der Zuhörer und freute sich über das große Interesse.
Gehalten wurde der Vortrag von Jochen Erbacher. Der von der Schwäbischen Alb stammende Professor ist an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover tätig. 1966 in Bodelshausen bei Hechingen geboren, schloss er an der Universität Tübingen sein Studium der Geologie ab und promovierte dort auch später entsprechend in dieser Fachrichtung. In Hannover spezialisierte er sich zunächst auf Meeresgeologie und ist nun bundesweit für die Bundesanstalt tätig.