Andreae: Regierung lässt lokale Stromanbieter im Regen stehen / Grünen-Politikerin legt Umfrageergebnisse vor

Von Arne Hahn Berlin. "Die Bundesregierung handelt mit der Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke grob fahrlässig. Über die Hälfte der lokalen Stromversorger befürchten bereits negative wirtschaftliche Folgen", berichtet Kerstin Andreae, wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag.

Sie weiß, wovon sie spricht: Andreae hat 793 Stadtwerke angeschrieben und zu den Auswirkungen der Laufzeitverlängerung befragt. Die Antworten fallen ernüchternd aus: "Jeder dritte lokale Energieversorger erwartet durch die Laufzeitverlängerung steigende Preise. Das nutzt weder der Umwelt noch der Wirtschaft", so die Politikerin.

Offenbar seien die baden-württembergischen Stadtwerke wegen hoher Investitionen in Erneuerbare Energien und in Anlagen mit Kraft-Wärme-Kupplung (KWK) deutlich stärker betroffen als die antwortenden Stadtwerke im Bundesdurchschnitt: "Zwei Drittel der lokalen Stromversorger aus Baden-Württemberg erwarten starke bis sehr starke wirtschaftliche Auswirkungen auf ihr Stadtwerk", so Andreae. Die antwortenden Stadtwerke aus Baden-Württemberg hatten in den nächsten drei Jahren 1,5 Mrd. Euro Investitionen in Erneuerbare Energien und KWK geplant, die jetzt neu gerechnet werden müssen. 42 Prozent der lokalen Energieversorger erwarten laut der Umfrage "deutlich bis sehr deutlich steigende Preise" durch die Laufzeitverlängerung.

In 58 Prozent der baden-württembergischen Kommunen, in denen Stadtwerke an der Abfrage teilgenommen haben, sei ein lokales Klimaschutzkonzept vorhanden. "Ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz, der nun von der Bundesregierung massiv behindert wird", betont die Politikerin, denn: "Rund 40 Prozent der teilnehmenden Stadtwerke rechnen mit starken bis sehr starken Rückwirkungen auf die Erfüllung ihre lokalen Klimaschutzziele".

Für die Grünen-Politikerin aus dem Wahlkreis Freiburg ist deshalb nicht erst seit der Auswertung ihrer Umfrage klar: "Mit der Entscheidung, die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern, lässt die Bundesregierung alternative Energieversorger wie Stadtwerke im Regen stehen."