Martin Fritz war einer der ersten, der Karriere im Schiltacher Athletenverein „Deutsche Eiche“ machte und den Verein entschieden prägte.
Einst gehörte der Athletenverein „Deutsche Eiche“ zu den erfolgreichsten Botschaftern Schiltachs, doch die Aufzeichnungen des Clubs für Ringer, Gewichtheber und Leichtathleten tauchten erst vor kurzem beim Aufräumen im früheren Schulhaus Hinterlehengericht auf.
Zwischen den Papieren lernt man eine Schiltacher Persönlichkeit neu kennen: Martin Fritz, 1952 bis 1970 SPD-Bürgermeister, war bei der 1906 gegründeten „Deutschen Eiche“ bis 1933 treibende Kraft und Chronist.
Frühes Wirken
Zu erzählen ist vom frühen Wirken des 1899 geborenen jungen Arbeiters.
Erstmals tritt er 1923 auf, sogar mit seinem Austritt. Als der schwelende Streit um einen Trainer eskaliert, zieht er Konsequenzen. Doch bereits wenige Wochen später überzeugt der Clubvorsitzende ihn zur Rückkehr, auch gleich wieder als Vorstandsmitglied.
Vereinsinteressen sind voranzustellen. Sogar die zunächst von dem Sozialdemokraten abgelehnte Teilnahme an der Weihe des Kriegerkreuzes vom Militärverein 1925 „aus gewissen Gründen“ zieht Fritz im Sinne der Kameraden wieder zurück. Er beweist eigenen Kopf, geht Konflikten nicht aus dem Weg, prangert Missstände oder fehlendes Vertrauen an. Mehrfach schließt Fritz aufgerissene Lücken. Ab 1926 dient er folglich als Geschäftsführer.
Steter Unruhe stehen erstaunliche Erfolge gegenüber. 1922 reklamiert man eine führende Stelle unter Schiltachs Sportlern. 1925 kann eine Riege mit Martin Fritz an der Deutschen Athletenmeisterschaft in Stuttgart teilnehmen, auch weil die nötigen Fahrtgelder als Spenden eingehen.
Nationaler Rekordhalter
Mit Fritz Mast bringt der Verein einen deutschen Jugendmeister, mit Fritz Haberer gar einen nationalen Rekordhalter im Hammerwurf hervor.
Alles, obwohl der Verein der jungen Männer mit 19 Toten bei 55 Mitgliedern den anteilsmäßig höchsten Blutzoll aller Schiltacher Vereine im Ersten Weltkrieg zahlt. So erinnert Fritz, der auch selbst kurz vor Schluss noch dienen musste.
Der inzwischen 2. Vorsitzende Fritz versucht 1930 die Geschäftsführung abzugeben. Erfolglos, wie sich zeigt – er ist unverzichtbar. Beispielsweise organisiert er für die Arbeitslosen 1931 „eine kleine Unterstützung“.
Zur Hauptversammlung am 15. Januar 1933 streiten „erregte Gemüter“. Der „heiße Kampf“ um einen Vorstand mündet in die Wahl von Martin Fritz. Danach wird die Sitzung abgebrochen. Die restliche Tagesordnung bleibt unerledigt.
Im Zuge der NS-Gleichschaltung folgt bereits zehn Wochen später eine „Neuwahl“ voller Merkwürdigkeiten. Sechs neue Mitglieder werden begrüßt und – das lässt aufmerken, „nach vorangegangener heftiger Debatte“ werden sowohl der neue Vorsitzende als auch der Schriftführer aus ihrem Kreis gewählt. Ein weiteres Neumitglied fordert das Ende der „persönlichen Feindseligkeiten“. Über Martin Fritz findet sich kein Wort des Dankes nach Jahren intensiven Einsatzes.
Bald wird der Verein mit 27 weiteren Neuaufnahmen, auffallend ältere, passive Mitglieder, ein neues Gesicht bekommen. „Vaterländischer Sportsgeist“ ist nun gefordert. Trotz der Versprechen bleiben Diskussionen und Personalwechsel der „Deutschen Eiche“ erhalten.
Start nach Weltkrieg
Jetzt werden jedoch Andersdenkende gleich als „Vereinsschädlinge“ abgestraft.
Mit Kriegsbeginn endet der Athletenverein, kehrt 1950 zurück. Eine tragende Rolle beim Neustart trägt Martin Fritz. Wieder als 2. Vorsitzender lässt er sich in die Pflicht nehmen. 1966 übernimmt er nochmals für zwei Jahre den Vereinsvorsitz. Ob er je eine Entschuldigung für seine Behandlung im Nationalsozialismus erfuhr? Aufgezeichnet ist dazu nichts.
Martin Fritz war engagiert und streitbar im Rathaus – diese Unterlagen zeigen, dass er seine Fähigkeiten bereits in jungen Sportlerjahren zeigte.