In unserer neuen Serie „Athleten stellen ihre Sportart vor“ geht es zum Auftakt um die 400 Meter Hürden. Mit seinen 17 Jahren ist Jannis Gartmann vom TV Weilstetten eines der größten Leichtathletik-Talente im Zollernalbkreis.
„Die 400 Meter Hürden sind sehr anstrengend, weil man eigentlich Vollgas rennt. Das lässt sich aber nicht über die gesamte Runde durchhalten, am Ende muss man kämpfen. Da ist es sehr wichtig, dass man vom Kopf auch mental stark ist“, leitet Jannis Gartmann das Gespräch mit unserer Redaktion ein.
Nervosität vor einem Wettkampf ist für den jungen Hürdenspezialisten immer wieder ein Thema. „Das ist schon fast ein bisschen Angst, weil man abliefern will und weiß, dass es auf den letzten Metern eklig wird“, erzählt Gartmann.
Checkpoints im Kopf
Mit dem Startschuss verschwindet dieses Kopfkino jedoch. „Viele Leute sagen, dass sie 400 Meter flach schlimmer einschätzen, weil sie finden, dass man sich mental das von Hürde zu Hürde vorstellen kann und so Checkpoints im Kopf setzt. Ich finde jedoch die 400 Meter Hürden schlimmer, weil man halt irgendwann nicht mehr kann und dann muss man noch über eine Hürde drüber.“
Die richtige Technik
Zehn Hürden insgesamt sind bei der 400 Meter-Strecke zu überwinden. Das hat dann viel mit der richtigen Technik zu tun. Jannis Gartmann tut sich da relativ leicht, da er 1,88 Meter groß ist. „Für mich ist es wichtig, dass ich gut loslaufe. Man hat ja von Hürde zu Hürde seinen bestimmten Rhythmus. Wenn man da zur ersten Hürde mit dem falschen Bein hinkommt, dann muss man den ganzen Rhythmus nochmal verändern. Das sollte alles automatisch ablaufen.“
Abi und Overdistance
Das muss man sich natürlich im Training hart erarbeiten. Der angehende Abiturient berichtet: „Wir laufen im Training auch manchmal 500 Meter, um Overdistance zu machen. Was wir oft machen ist auch kürzer laufen und das öfter, sodass man da einfach ins Laktat reinkommt.“
Training mit Jan Schenk
Und es gibt viele Trainingseinheiten. Montag ist Stützpunkttraining in Albstadt angesagt, einmal die Woche geht er zur Landestrainerin nach Stuttgart. „Dann habe ich noch einen Krafttrainer und meinen Weilstetter Trainer, der auch meine Trainingspläne schreibt. Und ich trainiere noch gerne mit Jan Schenk vom TSV Geislingen, der auch so lange Läufe machen muss und es schon mehr Spaß macht, als wenn man alleine läuft.“
Jannis Gartmann macht die Geschwindigkeit über die großen Schritte. „Früher war ich über die 50 Meter schnell, aber gegenüber den 100 Metersprintern habe keine so schnellen und frequenten Schritte.“
Zweite Liebe ist der Hochsprung
Seine Anfänge beim TV Weilstetten waren vom Hochsprung geprägt. Sein Ziel war es als Teenager einmal zu den deutschen Meisterschaften zu kommen. „Beim Hochsprung habe ich die Norm ganz knapp nicht geschafft. Ich denke, von der Höhe hätte ich es schaffen können, doch immer wenn es an die finale Höhe gegangen ist, war ich vom Kopf zu nervös und dann ging es nicht mehr.“
So sattelte Jannis Gartmann zunächst auf die 300 Meter Hürden um. Bei den deutschen Meisterschaften U16 wurde er prompt Vierter. „Dadurch kam ich in den Kader rein und konnte meinen Trainingsumfang erhöhen.“
2004 war ein Topjahr
2024 war ein absolutes Topjahr für den Weilstetter. Den schnellen Fortschritt kann er sich auch gut erklären: „Nach jedem Lauf wusste ich, was genau falsch war. Mein Problem war auch immer, dass ich nicht mit so einer richtigen Taktik gelaufen bin. Andere Läufer wussten genau wie viele Schritte sie an die erste Hürde machen, wann kommt das Bein oder das andere und welcher Rhythmus. Ich bin halt losgelaufen und habe ausprobiert. Erst im Finale der U18 bei den deutschen Meisterschaften hatte ich das erste Mal so richtig das Gefühl, das hat gut geklappt, das hat richtig gut funktioniert und da hatte ich dann auch eine Taktik, die ich gelaufen bin und das hat man dann auch gemerkt.“ Jannis Gartmann lief eine Topzeit und holte sich die Bronzemedaille.
Mit 17 im Nationalkader
Direkte Vorbilder hat Jannis Gartmann keine. Generell schaut er sich die besten Hürdenläufer der Welt an und schaut sich auch mal das ein oder andere ab. Laufschuhe sind auch ein Thema. Bei Jannis Gartmann sind sie weiß und blau und haben eine Carbonplatte für höhere Geschwindigkeit. Jüngst wurde er in den Nationalkader berufen, was beim TV Weilstetten seit den 1980er Jahren mit Stefan Haigis im Zehnkampf niemandem mehr gelungen war.