Auf diesem undatierten Foto, das von der Nasa zur Verfügung gestellt wurde, blickt Kommandant Reid Wiseman während der Artemis-II-Mission auf dem Weg zum Mond aus einem Fenster an Bord des Orion-Raumschiffs Integrity auf die Erde. Foto: Imago/ZUMA Press Wire

Die Astronauten der Artemis-II-Mission haben den Mond aus einer Perspektive gesehen, wie sie nie zuvor ein Mensch auf den Erdtrabanten hatte. Von der Erde aus sieht der Mond immer gleich aus. Doch die „Dark Side of the Moon“ hat eine ganz andere Gestalt.

 Die Astronauten der amerikanischen Artemis-II-Mission haben den Mond aus einer Perspektive gesehen, wie sie nie zuvor ein Mensch auf den Erdtrabanten hatte.

 

Dies berichteten die Crew-Mitglieder am Sonntag (5. April) per Video, zu diesem Moment hatte ihr Raumschiff etwa zwei Drittel der Reise Richtung Mond zurückgelegt.

Das Mare Orientale mit seinen drei Ringen entstand durch den Einschlag eines 64-Kilometer Asteroiden. Foto: © Ernest Wright/ Nasa/GSFC Scientific Visualization Studio

Die Nasa veröffentlichte ein von den Astronauten gemachtes Foto, auf dem das sogenannte Mare Orientale (Orientale-Becken) des Mondes zu sehen ist. „Diese Mission markiert das erste Mal, dass das gesamte Becken mit bloßem Auge sichtbar ist“, erklärt die US-Raumfahrtbehörde.

Mare Orientale

Das Mare Orientale (östliches Meer) ist ein Mare des Erdmondes. Es ist der lavagefüllte Zentralbereich einer kreisförmigen Tiefebene. Als Mare (lateinisch: Meer) werden dunkle Tiefebenen des Mondes bezeichnet, die bei Betrachtung mit bloßem Auge das auffälligste Merkmal der Oberfläche bilden.

Am 21. November 2022 nahm die Crew der Artemis-I-Mission die von Kratern übersäte Oberfläche des Mondes auf. Foto: Imago/ZUMA Wire/Nasa

Das Mare Orientale befindet sich entgegen seinem Namen im äußersten Westen, auf der Rückseite des Mondes, an der Grenze zur Vorderseite. Fotos von Mond-Orbitern zeigen eine riesige, vierfach umgebende Ringstruktur von 300 bis 1000 Kilometern im Durchmesser, deren mittlere Ringe von zwei kreisförmigen, bis zu 5 Kilometer hohen Gebirgsketten gebildet werden.

Das große Becken mit dem lavaüberfluteten Mittelteil ist nach dem Südpol-Aitken-Becken und dem Mare Imbrium das drittgrößte Einschlagbecken des Mondes.

Insgesamt nehmen die Mare 16,9 Prozent der Mondoberfläche ein, wobei die Verteilung sehr ungleichmäßig ist: Auf der Vorderseite umfassen sie 31,2 Prozent, auf der Rückseite nur 2,6 Prozent.

Nahaufnahm der lunaren Kraterlandschaft durch die Artemis-I-Crew. Foto: Imago/ZUMA Wire/Nasa

Grand Canyon des Mondes

„Wir konnten zum ersten Mal die Rückseite des Mondes sehen, und es war einfach spektakulär“, sagt US-Astronautin Christina Koch. Der dabei fotografierte Orientale-Krater wird auch als „Grand Canyon“ des Mondes bezeichnet.

„Es ist ein ganz besonderes Kratergebiet, und bis heute hatte es tatsächlich noch kein Mensch gesehen“, so Koch. „Wir hatten das Privileg, es zu sehen“, die gesamte Crew sei darüber begeistert gewesen.

Aufnahme des Mondes am 21. November 2021 durch die Artemis-I-Besatzung. Foto: Imago/Abacapress

320.000 Kilometerr bis zur Erde, 120.000 Kilometer bis zum Mond

Als die Astronauten am frühen Sonntagmorgen – nach dem vierten Tag ihrer zehntägigen Mission – zu Bett gingen, befanden sie sich laut Nasa mehr als 320.000 Kilometer von der Erde und rund 132.000 Kilometer vom Mond entfernt.

2. April 2026: Nasa Artemis II Space Launch System rocket mit dem Orion spacecraft blasts startet. Foto: Imago/ZUMA Press Wire
Start der Artemis-II-Mission vom Kennedy Space Center. Foto: Imago/ZUMA Press Wire
Die Triebwerke werden auf Merritt Island in Florida gezündet. Foto: Imago/ZUMA Press Wire
Reise zur Drak Side of the Moon. Foto: Imago/ZUMA Press Wire
Die Grafik zeigt die Reise der Artemis-II-Crew von der rde zum Mond und zurück. Foto: Imago/Anadolu Agency

Der nächste wichtige Meilenstein wird in der Nacht zum Montag (6. April) erwartet. Dann soll die Orion-Raumkapsel in die „Einflusssphäre des Mondes“ eintreten, wo die Schwerkraft des Mondes stärker auf das Raumschiff wirkt als die der Erde.

Wenn alles planmäßig läuft, umkreisen die Astronauten den Mond und stellen dabei einen neuen Rekord auf, indem sie sich dabei weiter von der Erde entfernen als je ein Mensch zuvor.

Dieses Bild aus einem von der Nasa zur Verfügung gestellten Video zeigt die Artemis II-Besatzung (v. li. n. re.), den kanadischen Astronauten und Missionsspezialisten Jeremy Hansen, Commander Reid Wiseman, Missionsspezialistin Christina Koch und Pilot Victor Glover, wie sie per Videokonferenz mit der NASA-Missionskontrolle sprechen, während sie auf dem Weg zum Mond sind. Foto: Uncredited/Nasa/dpa

Dark Side of the Moon

Der Mond zeigt der Erde immer das gleiche Gesicht. Das Erstaunliche dabei: Die permanent der Erde zugewandte Seite sieht völlig anders aus als die erdabgewandte Seite.

2. April 2026: Nasa Astronaut und Artemis-II-Commander Reid Wiseman fotografiert die Erde aus dem Fenster der Orion-Raumkapsel. Foto: Imago/ZUMA Press

Die eklatanten Unterschiede der beiden Mond-Hemisphären gehören zu den großen Rätseln der lunaren Geologie. Die abgewandte Mondseite hat eine dicke, sehr alte Kruste und wird von Hochebenen beherrscht. Die der Erde zugewandte Seite dagegen ist durch große Mare aus dunkler, erstarrter Lava und eine eher dünne Kruste gekennzeichnet. (mit AFP/dpa-Agenturmaterial)