Die alte Turn- und Festhalle in der Gauselfinger Schulstraße. Hier kam es zu dem Vorfall, der die Anlieger in Angst und Schrecken versetzte. Im Gemeinderat wurde das jetzt diskutiert – öffentlich und nichtöffentlich. Foto: Erika Rapthel-Kieser

Die Ausschreitungen durch Asylbewerber in Gauselfingen hat der Burladinger Gemeinderat öffentlich und nichtöffentlich hitzig diskutiert. Das sagt die Ortsvorsteherin Silvia Roos.

Die Einsatzkräfte seien sehr schnell und mit genügend Präsenz eingeschritten, lobte Bürgermeister Davide Licht, nachdem der Gauselfinger Ortschaftsrat und Gemeinderat Michael Eisele,CDU, das Thema des Massenaufruhrs und des Vorwurfs der versuchten Tötung unter dem Tagesordnungspunkt Verschiedenes deutlich ansprach.

 

Die Einwohner rund um die alte Sporthalle beim Feuerwehrhaus, in der Asylbewerber und auch Ukrainer untergebracht seien, hätten jetzt Angst, stellte Eisele klar. Denn dass ein Mensch mit seinem Auto gezielt auf zwei andere zufahre, sie womöglich mit Absicht totfahren will, dann flüchte und hernach zusammen mit anderen Menschen, die sich sich mit Stöcken und Werkzeug bewaffnet hätten auf die Bauarbeiter losgehen will, sodass es fast zu einer Masschenschlägerei direkt vor der eigenen Haustüre komme, all das sei wirklich furchteinflößend, so beschrieb Eisele die Gefühlslage der Mitbürger in Gauselfingen.

Das Gastrecht ist verwirkt

Die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte pflichteten ihm bei und auch Bürgermeister Davide Licht nahm kein Blatt vor den Mund: „Wer zu uns kommt, unser Gastrecht und einen Schutzstatus genießt, der hat hier nichts mehr zu suchen, wenn er sich so benimmt.“ Licht versicherte, dass das Ordnungsamt und sein Leiter Martin Paulus, der Chef der Ortspolizeibehörde, sich umgehend eingeschaltet und viele Gespräche geführt hätten.

Joachim Steyer, Fraktionsvorsitzender der Burladinger AfD, wollte wissen, wieso nur der 21-jährige Haupttäter – laut Polizeibericht ein ukrainischer Staatsangehöriger – verhaftet wurde und in U-Haft sitzt, während sein 20-jähriger Beifahrer und mutmaßlichen Mittäter nach wenigen Stunden schon wieder auf freien Fuß gesetzt wurde.

Beide waren laut Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Reutlingen am vergangenen Mittwoch in der Gauselfinger Schulstraße mit einem Peugeot viel zu schnell an den Bauarbeitern vorbeigefahren, die dort Erdverkabelungsarbeiten verrichteten. So jedenfalls bestätigten es die Zeugen gegenüber der Polizei.

Dass die Arbeiter den rasanten Fahrer mit Handgesten zum Tempodrosseln bringen wollten, nahm der ihnen wohl übel. Er machte, so weit die Ermittlungen bisher, kehrt und versuchte die Bauarbeiter umzufahren. Beide konnten sich mit einem Sprung zur Seite retten und blieben unverletzt.

Bewaffnet und mit anderen kehrten sie zurück

Der Wagen des jungen Ukrainers schanzte über die Baustelle und blieb liegen, Täter und Mittäter flüchteten zunächst, kehrten aber wieder zurück. Der 21-Jährige soll seinen Wagenheber aus dem Peugeot genommen „und damit auf einen 30 Jahre alten Arbeiter eingeschlagen haben, während sein 20-jähriger Begleiter offenbar einen weiteren Arbeiter mit Faustschlägen traktierte“, sagt die Polizei.

Der Schlag mit dem Wagenheber konnte durch den 30-Jährigen abgewehrt werden. Er trug Handverletzungen davon, die in einem Klinikum medizinisch versorgt werden mussten. Sein Kollege blieb unverletzt, heißt es.

Die Sache aber noch nicht beendet. Die beiden jungen Männer wohnten, so wurde es bei der Gemeinderatssitzung kolportiert, im Asylbewerberwohnheim in der alten Festhalle. Dort holten sie sich ganz offensichtlich Verstärkung und kehrten zur Baustelle mit weiteren Personen zurück. Die Gruppe war nach Angaben der Polizei bewaffnet mit Schaufeln und Eisenstangen.

„Nur durch die akustisch wahrnehmbare Anfahrt der zwischenzeitlich alarmierten Einsatzkräfte wurde eine offenbar unmittelbar bevorstehende Auseinandersetzung zwischen der auf etwa ein Dutzend Personen gewachsenen Gruppe um die Beschuldigten und der Arbeiterkolonne vereitelt“, heißt es von Seiten des Polizeipräsidiums.

Die Ermittlungen dauern an, versicherte Licht, allerdings könne er im Moment nicht mehr dazu sagen, als dass alles seinen ordentlichen Gang, so wie in einem Rechtsstaat üblich und erforderlich, gehe.

Das sagt die Ortsvorsteherin Silvia Roos

Immer alles getan
Ortsvorsteherin Silvia Roos äußerte sich nach langer öffentlicher und nichtöffentlicher Sitzung anderntags in einem Gespräch mit unserer Redaktion. „Ich will nicht, dass da der Eindruck entsteht, die Verwaltung und Bürgermeister Davide Licht wären da untätig“, sagte sie. Das Gegenteil sei der Fall. Licht und Paulus hätten immer alles getan, um Schwierigkeiten schon im Vorfeld zu vermeiden und wenn doch welche aufgetaucht seien schnell reagiert.