Elena Ralli, Astrophysikerin und Doktorandin an der Hochschule für Musik in Freiburg, bringt bei einem Konzertabend ihre beiden Leidenschaften zusammen zu bringen.
„Nein“, so Elena Ralli, „als Astrophysikerin bezeichne ich mich nicht so gern.“ Dabei hat die junge Griechin in Athen in diesem Fach ihren ersten Hochschulabschluss erlangt, bevor sie zum Musikstudium nach Freiburg gekommen ist. Seit einem Jahr arbeitet sie dort an einem Konzertabend, der ihre Liebe zu den Sternen und zur Musik unter einen Hut bringen wird. Dabei helfen ihr nicht nur sechs Schlagzeuger, sondern auch der „Pulsar 0329+54“, das Ensemble Recherche und das Team des Radioteleskops in Dwingeloo (Niederlande).
Der „Pulsar 0329+54“ war ein Stern, der größer als unsere Sonne war und rund 5300 Lichtjahre von unserem Sonnensystem in unserer Galaxie entfernt unterwegs ist. Am Ende seines Sternenlebens fiel er in sich zusammen zu einem kleinen, rotierenden Himmelskörper mit nur noch 20 Kilometern Durchmesser und einem starken Gravitationsfeld.
Radioteleskop macht den Himmelskörper hörbar
Das Kunstwort Pulsar – zusammengesetzt aus den englischen Wörtern „pulsating“ und „star“ – bezeichnet ziemlich genau, was so einen Himmelskörper ausmacht: Er sendet rhythmisch pulsierende Wellen aus. Radiowellen. Diese kann man mithilfe eines Radioteleskops hörbar machen: Das gleichmäßige „tak, tak, tak“ erinnert an einen Geigerzähler. „Der Rhythmus ist sehr gleichmäßig, aber er schwillt an und ab. Manchmal ist er auch kaum wahrnehmbar“, erklärt Ralli.
Am Freitag, 14. November, wenn um 19 Uhr unter Rallis Ägide der Konzertabend „Étoiles à neutrons“ („Neutronensterne“) an der Hochschule für Musik über die Bühne geht, wird der einstige Stern hörbar sein: „Der Pulsar wird pulsieren“, betont Ralli, die auch am Experimentalstudio des SWR in Freiburg als angehende Klangregisseurin arbeitet.
Lange hat sie an diesem Abend getüftelt: „Wir verteilen sechs Schlagzeuge im Raum, dazu gibt es Lichtinstallationen von allen Seiten“, so Ralli. Das Publikum wird von Musik regelrecht „umzingelt“.
Und dann muss noch die Liveübertragung aus den Niederlanden klappen. Das Radioteleskop in Dwingeloo wird von enthusiastischen Amateur-Astronomen betrieben und war nicht für wissenschaftliche Zwecke gebucht, als Ralli auf der Suche nach dem passenden Teleskop für ihre Pläne war.
Gespielt wird bei dem Konzert Musik von Gérard Grisey (1946–1998), einem französischen Komponisten, der 1991 für sein rund einstündiges Werk „Le Noir de l’Étoile“ („Die Schwärze des Sterns“) bei einer Aufführung in Brüssel erstmals die Geräusche des Pulsars „live“ einsetzte. Seither, so Ralli, führe man das Stück in der Regel mit aufgezeichneten Klängen aus dem All auf. Die Live-Aufführung in Freiburg sei deswegen eine ganz besondere Sache.
Sechs Schlagzeuger der Hochschule sind dabei
Neben sechs Musikern aus der Schlagzeugklasse von Musikprofessor Håkon Stene wirkt das international renommierte Ensemble Recherche aus Freiburg mit und setzt mit „Talea“ ein weiteres Werk Griseys um.
Für Ralli ist der Konzertabend Teil ihrer Doktorarbeit. Für die Freiburger ist er hingegen eine Gelegenheit für ein außergewöhnliches Musikerlebnis bei freiem Eintritt. „Wir wollen neue Musik so auf die Bühne bringen, dass jeder sie erleben kann“, erklärt die Musikerin. Zusammen mit der Lichtregie, die sich an der Live-Aufführung Griseys in Brüssel orientiert und die der Musik im Raum folgen wird, sei der Abend Herausforderung und Spektakel gleichermaßen.
Der Konzertabend in der Hochschule für Musik
Das Konzert
„Étoiles à neutrons“ mit Werken von Gérard Grisey unter der Leitung von Elena Ralli findet am Freitag, 14. November, um 19 Uhr im Wolfgang-Hoffmann-Saal der Hochschule für Musik in Freiburg statt, der Eintritt ist frei.