Der Komet Ison ist der Sonne zu nah gekommen – ob er zerbrochen oder verdampft ist, ist aber noch ungewiss Foto: dpa

Wissenschaftler wie Werner Curdt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau (Niedersachsen) versuchen derzeit das Schicksal des Kometen Ison zu klären.

Der Komet Ison jagte mit höllischer Geschwindigkeit auf die Sonne zu – und kam ihr so nah, dass er wohl verglüht ist. Oder auch nicht - da sind sich die Experten uneins. Gewissheit wird es erst in den kommenden Tagen geben.

Katlenburg-Lindau - Wissenschaftler wie Werner Curdt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau (Niedersachsen) versuchen derzeit das Schicksal des Kometen Ison zu klären. Ob der Schweifstern den für Donnerstag vorausberechneten Vorbeiflug an der Sonne überstanden hat, sei weiter unklar, sagte eine Sprecherin des Max-Planck-Institutes für Sonnensystemforschung am Freitag.

Ein Kometenexperte der Europäischen Weltraumorganisation Esa hält es für wahrscheinlich, dass der Schweifstern Ison während der Annäherung an die Sonne zerstört wurde. „In der Nähe der Sonne hat man nichts gesehen. Wenn er überlebt hätte, hätte man ihn eigentlich sehen müssen“, sagte Gerhard Schwehm am Freitag unter Berufung auf Aufnahmen der Beobachtungssatelliten Proba-2 und SDO. „Ison ist wahrscheinlich durch die Sonne zerlegt worden.“ Was auf den jüngsten Bildern der Raumsonde Soho noch zu sehen sei, könnte vor allem Staub sein.

Die Max-Planck-Forscher in Niedersachsen sind vorsichtiger. Sie gehen davon aus, dass der Kometenkern zumindest während des Vorbeifluges noch existiert hat. Wenn dieser nicht zerstört wurde, ist in den kommenden Wochen ein Lichtspektakel zu erwarten, das sogar mit bloßem Auge zu sehen sein könnte.
 
Am Donnerstagabend um 19.37 Uhr hatte Ison auf seiner Bahn durch das All mit nur gut einer Million Kilometer Abstand seine größte Annäherung an die Sonne. Zu diesem Zeitpunkt müsse der Komet noch einen Kern gehabt haben, meint Hermann Böhnhardt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) im südniedersächsischen Katlenburg-Lindau. Denn Ison habe Gas und Staub gespuckt. „Wir wissen aber nicht, ob der Kometenkern auch jetzt intakt ist“, erläuterte MPS-Sprecherin Birgit Krummheuer. Dies liege an der zeitverzögerten Auswertung der Daten von Raumsonden.
 
Der Staubschweif des Kometen sei inzwischen zweigeteilt, sagte Astronom Böhnhardt. Ein Teil des Schweifes bestehe aus Staubteilchen, die deutlich vor der Sonnenpassage emittiert wurden. Der andere Teil enthalte dagegen Material, dass erst während des Vorbeiflugs ausgestoßen wurde. „Das deutet darauf hin, dass zu diesem Zeitpunkt zumindest noch ein Teil des Kerns existierte und aktiv war.“ Kometenkerne bestehen aus Eis und Gestein.
 
Endgültige Gewissheit über das Schicksal von Ison erwartet Schwehm Anfang Dezember. „Wenn wir in zehn Tagen noch etwas beobachten können, hat er doch überlebt“, erklärte der Esa-Wissenschaftler. Auf der Nordhalbkugel müsste der Schweifstern dann sogar mit bloßem Auge oder Feldstecher zu beobachten sein.

Am Donnerstagabend hatten die Forscher Signale von Ison empfangen und Bilder des Kometenschweifes aufgenommen. Ob es aber noch den ursprünglich aus Gestein und Eis bestehenden Kometenkern gibt, ist ungewiss. Er könnte auch zerbrochen oder verdampft sein.

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