Die Stadt Hechingen plant ein weiteres ökologisches Vorzeigeprojekt: Das Schulgelände des Gymnasiums soll naturnah umgestaltet werden – für eine knappe Million Euro.
Das Geld ist extrem knapp in der Hechinger Stadtkasse. Und trotzdem tun sich manchmal Chancen für Wünschenswertes auf, wenn die Rathausmannschaft nur findig genug nach Fördermöglichkeiten fahndet.
Das gilt aktuell für den 2,2 Millionen Euro teuren Radwegbau im Feilbachtal (wo die Stadt mit bis zu 91 Prozent an Zuschussgeldern rechnen darf), aber auch für ein weiteres Sanierungsprojekt, das jetzt erstmals dem Gemeinderat vorgestellt wurde: die Entsiegelung und naturnahe Gestaltung des Gymnasium-Schulgeländes.
Der durchaus stolze Kostenpunkt für dieses Projekt liegt bei 957.000 Euro – ein Betrag, den sich die Stadt niemals aus eigener Kasse leisten würde. Weil aber Gabriele Lamparter, die Leiterin des städtischen Eigenbetriebs Entsorgung, einen passenden Fördertopf ausgegraben hat, sollen nicht mehr als 191.000 Euro bei der Stadt (genauer: beim Eigenbetrieb) hängenbleiben. 80 Prozent der Gesamtkosten übernimmt das „Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz“, das das Bundesumweltministerium aufgelegt hat und als KfW-Förderprogramm abwickelt.
Schulhof soll schöner werden
Wie viel schöner das Schulgelände des Gymnasiums in der Heiligkreuzstraße werden kann, das zeigten die Fachplanerinnen Meike Paasch (selbstständig aus Lindau) und Ela Muche vom Sigmaringer Büro Kovacic Ingenieure dem Gemeinderat in dessen jüngster Sitzung auf. Ihr ehrgeiziger Plan läuft darauf hinaus, auf dem 2,5 Hektar großen Schulgelände 1850 Quadratmeter Asphaltfläche zu entsiegeln und 8000 Quadratmeter Rasenfläche in naturnahes Grün umzuwandeln.
Der Effekt wäre zum einen, dass aus einer Asphaltwüste und aus Rasenflächen, die kaum Lebensraum für Pflanzen und Tiere bieten, artenreiche Grünflächen werden, die Bienen, Schmetterlinge, Singvögel und Igel anlocken und auch der Schulgemeinschaft die Chance geben, an ihrem Lernort Natur zu erleben. Ganz nebenbei würde – was wiederum Gabriele Lamparter freut – das städtische Kanalnetz ein gutes Stück weniger mit Regenwasser belastet. Vergleichbar mit dem in der Zollernstraße verfolgten „Schwammstadtkonzept“ sei dies ein weiterer Ansatz, „um keine größeren, teuren Kanäle bauen oder Regenüberlaufbecken aufdimensionieren zu müssen“, sagte die Chefin des Eigenbetriebs Entsorgung.
„Mitmachbaustellen“ geplant
Die Planerinnen zeigten, wie unter tatkräftiger Beteiligung von Schülern, Eltern und Lehrern Pflanzbeete angelegt und Biodiversitätsprojekte umgesetzt werden können. „Mitmachbaustellen“, wie sie bei ähnlichen Vorhaben andernorts stattgefunden hätten, seien auch für Hechingen ein Ziel. Aber auch in den Planungsprozess soll die Schulgemeinschaft einbezogen werden.
Abbruch der Turnhalle mit dabei
Teil des Programmes wäre auch die Erneuerung der Gymnasiumstraße samt der dortigen Parkplätze und der Versorgungsleitungen für den Altbau der Schule. Der längst überfällige Abbruch der alten Turnhalle könnte ebenfalls im selben Zuge angegangen werden – wobei dafür freilich zusätzliche städtische Finanzmittel in den Haushaltsplan 2027 eingestellt werden müssten.
„Wir sind froh, dass wir etwas ökologisch Sinnvolles machen und den Schulhof umgestalten können“, resümierte Bürgermeister Philipp Hahn. „Man kann nur begeistert sein“, sagte SPD-Stadträtin Margret Simoneit, schob aber die Sorge nach: „Bleibt denn dann noch Platz zum Rennen für die Kinder?“ Planerin Maike Paasch antwortete, der Beteiligungsprozess stelle sicher, dass auch die Wünsche der Schülerinnen und Schüler aufgenommen werden. Allerdings, so hielt sie Margret Simoneit entgegen: „Naturerlebnisräume können den Wunsch nach Rennen auch abmildern.“ Nicht allein „Rennen und Schreien“ würden dazu beitragen, „dass Kinder entspannt in den Unterricht kommen“.
CDU-Fraktionschef Stefan Hipp erkannte ein „sehr interessantes Projekt“ und würdigte, wie kreativ Gabriele Lamparter einen 80-prozentigen Fördertopf aufgetan habe. Die „Asphaltwüste“ am Gymnasium kenne jeder. Eine Verschönerung sei dringend nötig. Das Projekt biete eine gute Gelegenheit zur baulichen Weiterentwicklung rund ums Gymnasium, sei ökologisch nützlich und auch pädagogisch „eine tolle Sache“, wenn es gelinge, die Schülerinnen und Schüler zu integrieren. „Sehr überzeugend“ nannte das Konzept der SPD-Fraktionssprecher Jürgen Fischer. „Super“ fände er es, wenn es tatsächlich gelingen würde, im selben Zuge den Abbruch der alten Turnhalle hinzubekommen. Es sei höchste Zeit, „diesen Schandfleck mal zu eliminieren“.
Der weitere Zeitplan
Wie geht es nun weiter? Im weiteren Verlauf des Jahres sollen die Pläne konkretisiert und mit den beteiligten Behörden abgestimmt werden. Ab Sommer 2027 soll es Schritt für Schritt mit der Umgestaltung der einzelnen Flächen losgehen. Die benötigten städtischen Eigenmittel werden über den 2027er-Etat des Eigenbetriebs Entsorgung bereitgestellt.