Was macht die Süße aus? Viele Produkt enthalten heute Süßstoffe. Foto: Imago/Vira Simon

Der Süßstoff Aspartam ist in die Kritik geraten. Doch wie sieht es generell mit Zuckeralternativen aus? Sind sie unbedenklich? Oder sollte man besser darauf verzichten?

Ob Limonaden, Joghurts, Konfitüren, Kaugummis, Bonbons, Fischsalate, Obst- und Sauerkonserven – in einer immer breiteren Palette an Lebensmitteln sind Süßstoffe enthalten. Kürzlich hat die Internationale Krebsforschungsagentur, die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört, den Süßstoff Aspartam als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft. Die Alarmglocken schrillten.

 

Gleichzeitig hat aber der WHO-Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe Entwarnung gegeben – und die bisher zulässige Tagesdosis von 40 Milligramm Aspartam pro Kilo Körpergewicht bestätigt. Diesen Grenzwert erreicht ein 70 Kilo schwerer Mensch, nachdem er beispielsweise „zehn bis 14 Dosen stark aspartamhaltige Diätlimo“ getrunken hat, so die WHO. Trotzdem stellt sich nun die Frage: Sind Süßstoffe unbedenklich? Und gibt es Produkte, die besser geeignet sind als andere?

Maßvoller Konsum von Aspartam

Da Aspartam im Darm in „harmlose Spaltprodukte“ aufgetrennt werde, bestehe „keine große Wahrscheinlichkeit für einen Zusammenhang zwischen der Zufuhr und einem Krebsrisiko“, sagt Stefan Kabisch von der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin der Charité in Berlin. Auch Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) hält maßvollen Konsum für unbedenklich – das gelte für Aspartam wie für alle anderen Süßstoffe: „Sie machen und halten nicht per se schlank. Aber vor allem bei Getränken können sie helfen, Kalorien zu sparen.“ Der Verzehr könne uns zwar an den süßen Geschmack gewöhnen. Dass Süßstoffe appetitanregend wirken, wie oft behauptet wird, sei hingegen wissenschaftlich nicht bewiesen: „Anders sieht das bei Zucker aus. Er lässt den Insulinspiegel sehr schnell ansteigen.“

Für Zucker sei zudem belegt, dass er „neben Karies auch Adipositas und Typ-2-Diabetes fördert und somit zum Krebsrisiko beiträgt“, betont Stefan Kabisch. Ein Umstieg von Süßstoffen auf Zucker im großen Stil hält er daher nicht für sinnvoll. Im Gegenteil: „Er könnte sicherlich Krankheitsrisiken verstärken.“ Trotzdem sei dringend mehr Forschung zu Süßstoffen nötig. Zu diesem Schluss kam Anfang des Jahres auch das Bundesinstitut für Risikobewertung. Die Datenlage sei bislang zu gering, um abschließend zu beurteilen, ob Süßstoffe neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson fördern können.

Doch welche Süßungsmittel gibt es überhaupt? Die Vielfalt ist inzwischen groß. Neben Aspartam, ein seit 1979 in Europa zugelassenes, synthetisch hergestelltes weißes Pulver, das pro Gramm nur etwa vier Kilokalorien enthält und 200-mal süßer ist als Zucker, gibt es unter anderem Saccharin. Er ist der Süßstoff, der weltweit am meisten hergestellt wird – und der älteste, denn er wurde bereits 1878 durch Zufall entdeckt. Seine Süßkraft ist bis zu 550-mal so groß wie die von Zucker. Allerdings hat er einen leicht bitteren bis metallischen Beigeschmack. Daher kommt Saccharin häufig mit weiteren Süßstoffen oder Zuckeraustauschstoffen zum Einsatz.

Zu den Zuckeraustauschstoffen gehören unter anderem Xylit und Erythrit, die bei Low-Carb-Ernährung gern verwendet werden. Beide Produkte sind hitzebeständig, eignen sich daher gut zum Kochen und Backen. Und sie werden auf natürlicher Basis hergestellt. Xylit meist durch Fermentation aus dem Holzzucker von Birken, Erythrit, das als besonders gut verträglich gilt, aus der Stärke von Mais.

Süßen ohne Blutzuckeranstieg

Beide haben deutlich weniger Kalorien als Zucker und fördern keinen Karies. Die Süßkraft von Xylit entspricht etwa der von Zucker. Erythrit ist weniger süß. Beide Stoffe werden zudem ohne Insulin verstoffwechselt, verursachen also keinen Blutzuckeranstieg. „Sie können jedoch in größeren Mengen, etwa ab 20 bis 30 Gramm pro Tag, abführend wirken“, warnt die DGE-Expertin Antje Gahl. Zudem sollten Menschen mit Reizdarm vorsichtig sein.

Stevia-Extrakt wiederum ist seit 2011 als Süßungsmittel in der Europäischen Union zugelassen. Der Rohstoff ist zwar die gleichnamige süß schmeckende Pflanze, die in Südamerika wächst. Durch den intensiven Herstellungsprozess ist der Süßstoff Stevia aber ein Industrieprodukt. Er ist süßer als Zucker, enthält jedoch nahezu keine Kalorien und wirkt sich kaum auf den Blutzucker aus. Stevia hat jedoch einen lakritzartigen, leicht bitteren Geschmack.

Agavendicksaft, Ahornsirup, Birnenkraut und Apfelsüße klingen nach gesunden Alternativen – sie bestehen aber letztlich größtenteils aus Zucker. „Gleiches gilt für Honig“, so Antje Gahl. Er enthalte, wie die anderen oben genannten Süßmittel, zwar minimal mehr Mineralstoffe und Enzyme: „Ernährungsphysiologisch ist Honig aber Zucker gleichzusetzen.“ Zudem sind diese Alternativen vergleichsweise teuer.

Insgesamt lässt sich sagen, dass alle Süßstoffe – Stand jetzt – unbedenklich sind. Trotzdem sollte man sie, wie Zucker, laut Experten nur in Maßen zu sich nehmen. Und wer sich überlege, ob er besser Softdrinks mit Zucker oder mit Süßstoff trinkt, solle am besten auf eine dritte Variante setzen, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Gahl: „Auf Wasser!“ – vor allem im Hochsommer.