Klären über die Asiatische Hornisse auf und hoffen auf Mithilfe der Bürger bei der Nestsuche: Felix Binder und Miriam Wahr. Foto: Eva-Maria Huber

Sie nennen sich Velutina Army und kämpfen auch in Villingen-Schwenningen in Schutzanzügen und mit Lanzen für die heimischen Insekten und gegen die Asiatische Hornisse.

Dort, wo Miriam Wahr, Expertin für Hornissenarten und Army-Kollege Felix Binder, mit der Redaktion über die eingeschleppte Hornissenart sprechen, in einem Café in der Villinger Innenstadt, wurden zwar noch keine Nester gesichtet.

 

Doch Meldestellen, die seit 2023 die Tiere aufnehmen, und Karten zeigen eine fast explosionsartige Vermehrung, auch in den Höhenlagen und damit auch im Schwarzwald. Zudem ist die Dunkelziffer groß.

Wahr und Binder geht es nicht nur um die Bekämpfung, sondern auch um eine flächendeckende Meldung und Registrierung der Tiere.

Unser Gespräch kreist nicht nur um die Verbreitung der Hornissenart, die vermutlich 2004 über eine Warensendung aus China nach Südwestfrankreich eingeschleppt und in Deutschland erstmals 2014 nachgewiesen wurde, sondern auch um die Gefahren für Umwelt und Mensch.

„Wir müssen mit den Tieren leben“, umschreiben die Insektenschutzbeauftragten für den Landkreis, Ralf und Ellen Claasen, ihren Ansatz, „und ihren rasanten Anstieg stoppen.“

Info am 9. Mai

Wichtig sei aber auch anderes: Aufklärung und Fakten statt Panikmache. Aus diesem Grund lädt der Imkerverein Villingen am Freitag, 9. Mai, zu einer Information im Umweltzentrum in Schwenningen ein, Beginn ist um 17.30 Uhr.

Mit einer Fehlinformation räumen Wahr und Binder gleich zu Beginn des Gesprächs auf: Die Bekämpfung der invasiven Hornissenart, die vor allem in Nestnähe bei Störung gefährlich werden kann, sei nicht nur ein Thema der Imkervereine. „Das geht uns alle an.“

„Es braucht alle“

Ein Sekundärnest kann mehrere Tausend Tiere beherbergen und pro Saison rund 11,3 Kilogramm Insektenmasse, zum größten Teil Bestäuber, als Beute verbrauchen. Die sich rapide vermehrenden Tiere seien eine große Gefahr für die Biodiversität, zumal die Asiatischen Hornissen auch Bienen fressen. Um deren exponentiellen Anstieg zu bremsen, „braucht es jetzt alle“. Behörden wie Bürger, die bei der Nest-Suche unterstützen können. Wie einfach jeder einen Beitrag dazu leisten kann, erfährt man bei der Veranstaltung.

Noch gut in Erinnerung ist die Aktion der Claasens auf dem Gelände der Bertholdschule in Villingen, als in einer Baumkrone ein großes Hornissen-Nest von Experten in Schutzanzügen entfernt wurde.

Wenn Nest entdeckt wird

Doch was tun, wenn sich im Frühjahr ein Anfangsnest in einem geschützten Bereich an Gebäuden oder im Garten ansiedelt oder später ein Nest hoch in einem Baum entdeckt wird? „Auf keinen Fall selbst versuchen, die Nester zu entfernen“, warnen Wahr und Binder und verweisen auf klinische Daten aus Nordwestspanien, die zeigen, dass die Asiatische Hornisse ein immer häufigerer Auslöser schwerer allergischer Reaktionen nach Stichverletzungen ist.

Doch nicht nur die hohe Reproduktionsleistung, die schnelle Ausbreitung und die oft schwer zugänglichen (Sekundär)nester erschweren Claasen, Wahr und Binder die Arbeit, sondern auch manche Umweltverbände. Diese, so Miriam Wahr, rufen zwar dazu auf, Insekten (generell) zu melden und auch Fotos zu schicken, geben aber die Meldungen der invasiven Hornissenart nicht an die offiziellen Meldestellen weiter. „Und das bringt uns nicht weiter, mit unseren Kommunikationsversuchen beißen wir jedoch auf Granit.“

Zudem arbeiten viele Nest-Entferner ehrenamtlich. Schutzanzüge und Werkzeug wie Lanzen werden in den meisten Kreisen nicht finanziert und müssen von den Ehrenamtlichen selbst angeschafft werden.

Sollen auf privatem Gelände Nester entfernt werden, müssen die Eigentümer das selbst bezahlen. Mit dem Ergebnis, dass viele Nester nicht bekämpft werden, oder manche versuchen das Nest auf eigene Faust zu entfernen. „Das ist die schlechteste aller Lösungen“, kommen Wahr und Binder noch einmal auf das erhöhte Risiko solcher Aktionen.

Wer sich informieren oder asiatische Hornissen und deren Nester gesichtet haben will, kann diese Webseite aufrufen https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/natur-und-landschaft/asiatische-hornisse-melden.