Justierung der bis zu 30 Meter langen High-Tech-Lanze Foto: Gudrun Gehr

Die Imker Dirk Begger und Georg Arzet beseitigen Nester der invasiven asiatischen Hornisse in Raitbach, Kürnberg, Sattelhof und Fahrnau.

Am frühen Samstagmorgen startete die ganz spezielle Tour, mit mehrfachen Aufträgen zur Beseitigung von Hornissennestern in Raitbach, Kürnberg, Sattelhof und Fahrnau im Gepäck: Dirk Begger und Georg Arzet sind leidenschaftliche Imker des Imkervereins Schopfheim und haben bereits selbst mehrfache Einbußen bei ihren Bienenvölkern durch die invasive Art der „Vespa Velutina Nigrithorax“ zu beklagen. Das Insekt ist etwas kleiner als eine europäische Hornisse, hat einen dunklen Hinterleib mit orangefarbenem Ende.

 
Georg Arzet (links) und Dirk Begger bereiten die Ausrüstung vor. Foto: Gudrun Gehr

Wenn sie sich bedroht fühlt, sticht sie auch Menschen. Die Insekten vermehren sich seit 2014 rasant aus Richtung Westen entlang des Oberrheins, wie eine Karte mit gemeldeten Fällen bei der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) anzeigt. Erstmals wurde sie am Oberrhein im Bereich von Karlsruhe registriert. Die Verbreitung der invasiven Art erfolgt in östlicher Richtung mit rund 80 Kilometern pro Jahr.

Hornissen lauern vor dem Bienenstock auf ihre Opfer

Häufig wird beobachtet, dass sich jagende Hornissen in der Nähe von Bienenstöcken aufhalten, um gezielt an- und abfliegende Bienen zu erbeuten. Auf dem Speisezettel der asiatischen Hornisse steht das eiweißhaltige Brustgewebe der Bienen zur Nahrung für ihre Larven, das sie in ihr Nest mitnehmen – der Rest des Bienenkörpers wird verschmäht. Sie gefährdet die gesamte Flora und Fauna mit wirtschaftlichen Einbußen im Obst- und Weinbau. Gerne knabbert die invasive Art Weintrauben an, sie mag auch kohlenhydratreiche Nahrungsquellen wie reifes Obst oder Baumsäfte.

Asiatische Hornisse als unterschätzte Gefahr

Nunmehr machten sich die beiden Imker in ehrenamtlichem Auftrag bereits zum zweiten Mal auf Tour: Nach ersten erfolgreichen Einsätzen vor einigen Tagen an der Wiese bei Langenau, in Raitbach und Schopfheim standen nun weitere Meldungen von Grundstücksbesitzern auf der Agenda. Ab Spätsommer zieht die Hornissenart in die sogenannten „Sekundärnester“ in hohe Baumwipfellagen um. Nach kurzer Suche fand sich das Hornissennest in rund 20 Metern Höhe in den Baumwipfeln auf einer Wiese „Im Loh“ in Langenau.

Eine Hornisse nach der Aktivkohle-Behandlung Foto: Gudrun Gehr

Die Ausmaße des Nests können auf rund 80 mal 60 Zentimeter geschätzt werden, das kreisrunde Nest wirkte wie ein überdimensionierter Luftballon. Trotz der Temperaturen von knapp über dem Gefrierpunkt waren herumfliegende Hornissen erkennbar, die Brutpflege von Jungköniginnen und Männchen erfolgt nach den Feststellungen bis zum Winter. Imker Begger sagte: „Jedes Nest enthält rund 200 Königinnen, die im Frühjahr neue Völker gründen“. Lediglich eine wochenlange und heftige Kälteperiode – die es kaum mehr gibt – könne die Brutpflege im Nest stoppen.

Fünf Ausrüstungen im Land vorhanden

Gestartet wurde mit einer Ausrüstung, die vom Landesverband der Imker per „Überlassungsvertrag“ ausgeliehen werden musste. Dirk Begger erzählte im Gespräch mit unserer Zeitung: „Der Landesverband besitzt insgesamt fünf Ausrüstungspakete, die nunmehr überall nachgefragt werden“. Ein Paket beinhaltet eine bis zu 30 Meter lange, ausziehbare Vollkarbon-Lanze. Mit dieser kann Aktivkohle in das Hornissennest injiziert werden. Beide Imker haben Schulungen des Landesverbandes hinter sich und sind zwischenzeitlich geübt im Umgang mit der sperrigen Stange.

Die High-Tech-Lanze kostet rund 4500 Euro, die restliche Ausrüstung nochmals 1500 Euro. Begger und Arzet gehen davon aus, dass der Imkerverein Schopfheim eine solche Komplett-Ausrüstung erwerben möchte, die Kostenfrage ist noch nicht geklärt, die Vereinskasse würde insoweit an ihre Grenzen gelangen. Ein kommunaler Zuschuss wird wohl beantragt.

Die Leihausrüstung wird erheblich nachgefragt, Bedarf hierfür gibt es in Baden-Württemberg massiv: Zehn Nester in Schopfheim und Umgebung wurden bislang beseitigt, zehn weitere stehen zur Zerstörung an, die Dunkelziffer dürfte erheblich sein. Das Zerstören eines Nestes durch zwei Personen kann - je nach Terrainbeschaffenheit - bis zu zwei Stunden in Anspruch nehmen.

In den Waben befinden sich noch Larven. Foto: Gudrun Gehr

Professionell gingen die beiden Imker vor. Zügig war mit der Stange das Nest erreicht. Die meisten Insekten wurden durch den Stoß mit Aktivkohle betäubt. Die Kohle verschloss die Sauerstoffzufuhr. Mit einer Säge wurde das Nest zerstört, das in Einzelteilen herunterfiel. In den blätterteigartigen, robusten Waben befanden sich zahlreiche Larven von Jungköniginnen.

Verschiedene Bekämpfungsmethoden

Die Imker wussten von weiteren Maßnahmen zur Beseitigung der Nester: Beispielsweise erfolgt die Bekämpfung in den USA mit Drohnen und Flammenwerfern. Das Bekämpfen mit der Lanze sei günstiger und schneller als das Absaugen über einen Hubsteiger, mit dem man ohnehin mit der Ausrüstung nicht in jedes Terrain gelangen könne. Teilweise erfolgt die Bekämpfung auch mit heißen Dämpfen.

Das Nest „Im Loh“ war nach rund einer Stunde Arbeit beseitigt. Die Reste der Waben wurden eingesammelt, sie werden von den Imkern vernichtet.

Beseitigung ist Aufgabe der Grundstückseigentümer

Vor Kurzem wurde das Beseitigen der Nester der asiatischen Hornisse vom Bundesumweltministerium zur Privatsache der Grundstückseigentümer erklärt. Die gewerbliche Beseitigung eines Nestes dürfte Kosten von rund 200 Euro verursachen. Biologische Feinde der Schädlinge gibt es hier nicht. Dirk Begger sagte: „Lediglich die asiatische Riesenhornisse verspeist die hier ansässig gewordenen invasiven Hornissen. Aber die sind doppelt so groß, diese möchte man hier wahrhaftig nicht haben“. Die beiden Imker engagieren sich ehrenamtlich aus Idealismus – ob dies jedoch weiterhin beim Auffinden einer großen Anzahl von Nestern durchzuhalten ist, ist nicht voraussehbar.

Dirk Begger sagte: „Hier haben wir das Resultat der Globalisierung“. Er als Fachmann geht davon aus, dass sich das Problem wohl nicht mehr beseitigen ließe. Mit viel Engagement aller Beteiligten könnte vielleicht noch eine Eindämmung erfolgen.

Meldeplattform: www.bienenkunde.uni-hohenheim.de/ (bitte Foto mitschicken), Info an www.imkerverein-schopfheimev.de.