Miriam Wahr, Expertin für Asiatische Hornissen, weiß, wie mit den aggressiven Insekten umzugehen ist. Foto: Eva-Maria Huber

Die Asiatische Hornisse siedelt sich dieses Jahr wohl auch in Villingen-Schwenningen an. Die Expertin Miriam Wahr zeigt Gefahren auf und gibt Tipps für den Umgang.

Bengalenkatze Fine ist die erste, die sich für das kleine Behältnis interessiert, das Miriam Wahr auf den Tisch stellt und an einen Salzstreuer erinnert. Nur dass darin keine weiße Würze lagert, sondern eine präparierte Asiatische Hornisse.

 

Mit der unter Schutz stehenden heimischen Hornisse hat sie so gut wie nichts gemein, weder Aussehen, Lebenserwartung noch Charaktereigenschaften. Beim Gespräch unserer Redaktion mit Miriam Wahr wird flugs klar: Das deutlich kleinere Insekt, statt viereinhalb nur dreieinhalb Zentimeter – die fiese Schwester der großen Hornisse, wenn es um die Königin geht. Verwechslungsgefahr, zumindest in puncto Aussehen, besteht allenfalls mit der mittleren Wespe.

Die 43-Jährige hat noch mehr Leichen, nicht im Keller, sondern in einem separaten Fach der Tiefkühltruhe: Fünf tiefgefrorene zierliche Wesen, fast schwarz, mit „gelben Kniestrümpfen“. Vor zwei Jahren begann sie, sich für die Tiere zu interessieren, arbeitet als Beraterin für die Untere Naturschutzbehörde und entfernt auch Nester, zudem engagiert sie sich beim Imkerverein Villingen. Und damit sind wir auch gleich beim ersten Punkt, den die Asiatische Hornisse zum Unsympathen macht.

Anders als die heimische Hornisse schwirrt die Asiatische bereits im Januar aus und ist fast das ganze Jahr über unterwegs. Gerne auch an den Einfluglöchern der Bienenbauten. Dort schnappt sie sich die fleißigen Insekten, trennt Köpfchen und Beinchen ab, um den Rumpf ihrer Brut zu servieren. Mit dem fatalen Ergebnis, dass die verängstigten Tiere sich kaum noch aus dem Bau trauen und in eine Art Schreckstarre fallen. „Was das für die Bestäubung bedeutet, brauche ich wohl nicht zu erklären.“

Bedrohung für Bienen

Zudem hat sie auch keine Skrupel, den Bienen den Honig aus deren Waben wegzuschnappen. Auf ein Nest gehen etwa elf Kilogramm Insekten als Nahrung, die sich die Asiatische Hornisse aufspießt.

Die Katze beäugt neugierig eine präparierte Asiatische Hornisse. Foto: Eva-Maria Huber

„Und damit ist sie eine Bedrohung für die heimische Insektenwelt und damit auch die Biodiversität.“ Denn nicht nur Honigbienen stehen auf ihrem Speiseplan, über 1400 verschiedene Insektenarten konnten in den Mägen der Hornissenlarven identifiziert werden.

Tiere bereits bei Tennenbronn und Blumberg ausgemacht

Seit Jahren werden Asiatische Hornissen auch im Süden Baden-Württembergs gesichtet, Tiere wurden bereits bei Tennenbronn und Blumberg ausgemacht. „Sie werden nun VS anpeilen“, spielt Wahr darauf an, dass die Hornissen sich jährlich um etwa 40 Kilometer flächig ausdehnen.

Eine Gefahr nicht nur für Insekten generell, sondern auch für Menschen. Und die kommt nicht im Alleingang, wie Miriam Wahr erklärt: Wer zu nah, weniger als fünf Meter, an ein Nest in Augenhöhe kommt, riskiert massive Stichverletzungen. „Die Tiere spüren bereits leichte Erschütterungen und werden dann aktiv.“ Während die heimischen Exemplare meist wieder umdrehen, jagen bis zu 1000 Exemplare den menschlichen Störenfrieden hinterher und stechen zu.

Was Fortpflanzung angeht, könnten die Tiere rekordverdächtig ein: Aus einem Nest gehen fünf bis 20 Nester hervor, statt eines wie bei den unter Schutz stehenden heimischen Hornissen. Statt von maximal 800 Tieren pro Nest wie bei dem heimischen Insekt „sprechen wir von bis zu 3000 pro Nest“, zeigt Wahr auf. Mittlerweile gehen in Galicien bereits 75 Prozent aller Stichverletzungen auf das Konto der eingeschleppten Hornissenart.

Noch keine Lösung in Sicht

„Das Problem ist da, die Lösung fehlt“, so ihre Bilanz zu dem ihrer Meinung nach fehlenden Krisenmanagement-Plan: Wer beseitigt die Nester, wer trägt die Kosten? 2023 beschäftigte sich die 43-Jährige das erste Mal intensiv mit den Tieren über einen Youtube-Beitrag. Die Faszination für das Insekt war da, der Respekt auch. Die Asiatische Hornisse sei in Europa zum ersten Mal 2004 in Südfrankreich nachgewiesen worden, zehn Jahre später im badischen Waghäusel. Mittlerweile sei diese Insektenart nicht nur in Blumberg und Tennenbronn gesichtet worden, sondern auch in Schramberg.

Villingen-Schwenningen ist sozusagen umkreist. Wir können davon ausgehen, dass in diesem Jahr die ersten Nester auch bei uns auftauchen.“ Wenige Tage nach dem Gespräch kommt die Info: „Sie ist in Bräunlingen angekommen.“

Meldung von Nestern und Tieren

Unterschlupf der Hornissen
Vorsicht sei geboten, so Expertin Miriam Wahr, beim Heckenschnitt, da die Tiere gerne im Gehölz bauen. Beliebt seien auch die anthrazitfarbigen Auffangkästen für Gartenbedarf, Rolladenkästen und selbst Grills, deren nicht ganz geschlossener Deckel Schlupflöcher für die zierlichen Hornissen bilden. Überdachte Balkone, Schuppen und Dachböden kommen ebenso in Frage. Was tun, wenn ein braunes Nest mit seitlichen Einstiegslöchern gesichtet wird? „Bloß nicht selbst versuchen, das Nest zu entfernen“, warnt Wahr, Foto aus sicherer Entfernung machen und Flugrichtung notieren. Nester und Einzeltiere müssen mit Foto bei der LUBW unter https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/natur-und-landschaft/asiatische-hornisse-melden gemeldet werden. Dort findet man auch die Fundortkarte. Der Imkerverein Villingen oder Miriam Wahr, E-Mail miriwahr@googlemail.com, können auch kontaktiert werden.