Die Brücke soll über die Bahngleise führen. Foto: Eyckeler

Die „Brücke Hürsten“ in Engstlatt soll für Entlastung sorgen. Ein Anwohner sieht allerdings eine enorme Belastung für die heimische Schlingnatter.

Die Verbindung in Form einer Brücke zu den Wohngebieten „Hürsten“ und „Hertenwasen“ über die Bahngleise in Engstlatt soll kommen. Doch aus der Bevölkerung regt sich Widerstand aus unserer Leserschaft. Ein Kritikpunkt: der Umgang mit dem Artenschutz.

 

Die Brücke über die Bahngleise südwestlich des Bahnhofs soll eine Entlastung für den Verkehr ins Neubaugebiet bieten. Ein Leser sieht darin vielmehr „planerischen Unsinn“. Wem die Brücke nütze, fragte sich der Leser und gab sich selbst die Antwort: „Vermutlich allein den Bewohnern des neuen Baugebiets und den Verwaltungsspitzen von Engstlatt und Balingen. Von einer Entlastung für die Allgemeinheit kann keine Rede sein.“

Als besonders skandalös beschreibt dieser auch den Umgang mit der streng geschützten Schlingnatter im betroffenen Bereich. Ein aufgestellte Reptilienschutzzaun wirke da wie eine reine Beruhigungstaktik, meint er und wirft der Stadt hier schwere Versäumnisse vor.

Intensive Abstimmung mit Naturschutzbehörde

Die Verwaltung hält dagegen: „Das Vorkommen von Reptilien – etwa Zauneidechse und Schlingnatter – war nicht auszuschließen, deshalb wurde seitens der Unteren Naturschutzbehörde eine ökologische Baubegleitung gefordert, welche entsprechende Vermeidungs- und Vergrämungsmaßnahmen plant und umsetzt.“

Dieses Vorgehen und die Umsetzung der Maßnahmen wurde laut Angaben von Stadtsprecher Dennis Schmidt mit der Unteren Naturschutzbehörde intensiv abgestimmt.

„Die Umsiedlung der vorgefundenen Reptilien – Blindschleichen – und die Errichtung des Reptilienzauns entspricht der gängigen Herangehensweise und eignet sich zur Vermeidung von artenschutzrechtlichen Verbotstatbeständen“, heißt es.

Regierungspräsidium sieht keine Verstöße

Auch das Regierungspräsidium Tübingen als Höhere Naturschutzbehörde teilt laut der Verwaltung die Einschätzung, dass keine Anhaltspunkte vorlägen, dass es zu artenschutzrechtlichen Verstößen kam oder kommen werde.

Auch in Sachen Bürgerbeteiligung sieht der Kritiker noch Luft nach oben und meinte, dass Einwände ignoriert worden seien oder nicht ernst genommen wurden.

Im Bebauungsplanverfahren bestand laut Verwaltung im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung vom 19. Mai bis zum 27. Juni die Möglichkeit zur Abgabe von Stellungnahmen.

„Während dieses Zeitraums erreichten uns mehrere Schreiben von letztlich zwei Angrenzern. Diese wurden in die Abwägung zum Bebauungsplan aufgenommen und sollen im Rahmen des Satzungsbeschlusses am 30. September dem Gemeinderat zur Abstimmung vorgelegt werden“, schreibt die Stadt.

Kosten in Höhe von rund 2 Millionen Euro

Gibt der Gemeinderat in dieser Sitzung grünes Licht, kann mit dem Bau des rund 2 Millionen Euro teuren Bauprojekts begonnen werden. Bereits seit vielen Jahren bestehen laut Verwaltung der Wunsch und die Erfordernis die Erschließung in Engstlatt zu verbessern.

Die Brücke habe sowohl in der Bürgerschaft als auch in den Gremien und in der Stadtverwaltung eine hohe Priorität, betont die Stadt Balingen in ihren Ausführungen. Ende September entscheidet sich dann, ob das Bauwerk kommt oder nicht.