Brigitte Lill, Christine Wondrak-Brunen und Susanne Sprengard vor einem Bild der Ausstellung „Auf Augenhöhe – Gesichter der Armut“. Foto: Maja Tolsdorf

Die Caritas will mit der Ausstellung „Auf Augenhöhe – Gesichter der Armut“ in Weil am Rhein dafür sensibilisieren, dass Bedürftigkeit keine Schande ist.

Armut betrifft nicht nur ein paar wenige Menschen, sie ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und kann jeden treffen: durch Schicksalsschläge, Krankheiten, die Trennung oder den Tod des Lebensgefährten.

 

Deshalb will die Caritas im Landkreis Lörrach im Rahmen der Armutswochen dafür sensibilisieren.

Und weil Armut häufig im Verborgenen stattfindet, soll die Ausstellung „Auf Augenhöhe – Gesichter der Armut“ des Fotografen Pasquale D’Angiolillo das Thema ins Bewusstsein rücken.

Im Quartierstreff in der August-Bauer-Straße in Weil am Rhein haben Susanne Sprengard, Fachbereichsleiterin Soziale Dienste, Quartiersmanagerin Brigitte Lill und Christine Wondrak-Brunen vom Caritassozialdienst darin eingeführt.

„Armut ist kein persönliches Versagen“, erklärt Sprengard vor den Gästen des Themencafés. Dennoch sei sie mit Scham verbunden, weshalb viele sich davor scheuten, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Deshalb habe die Bedürftigkeit neben den finanziellen Einschränkungen auch eine soziale und psychische Dimension. „Viele Menschen werden nicht gesehen und wollen das auch gar nicht, weil es ihnen peinlich ist.“

Zeichen für Teilhabe setzen

Die Ausstellung will ein Zeichen setzen für die Teilhabe von Armutsbetroffenen an der Gesellschaft. Zudem will sie der Bedürftigkeit eine andere Perspektive geben und dazu aufrufen, Mittellose zu respektieren. Schließlich kämpften sie sich in ihren jeweiligen Umständen immer wieder durch und stetig weiter, wie beim Themencafé zu erfahren ist. Die Fotografien sind passend zum Titel im Quartierstreff auf Augenhöhe gehängt.

„Menschen senken den Blick nicht“

„Diese Menschen senken den Blick nicht und wollen das auch gar nicht“, sagt Sprengard. 14 Protagonisten haben am Projekt der Wanderausstellung der Arbeitskammer des Saarlandes teilgenommen. Sie ist das Ergebnis eines zweijährigen intensiven Arbeitsprozesses mit dem Fotografen Pasquale D’Angiolillo aus Friedrichsthal. Die Lebenssituationen der einzelnen Beteiligten wurden in der Gruppe besprochen, Motive und Fotos ausgewählt. Die Ausstellung, die noch bis Montag, 17. November, zu sehen ist, zeigt Menschen, die eine Bereicherung für die Gesellschaft sind und soll stereotype Sichtweisen durchbrechen.

Ausstellung: Uwe (57) kämpft für eine menschenwürdige Existenz. Foto: Pasquale D’Angiolillo

Armut ist vielschichtig und kontextabhängig und doch wird sie definiert: absolute Armut bedeutet, dass grundlegende Bedürfnisse wie Nahrung, Kleidung oder eine sichere Unterkunft nicht gedeckt werden können.

In relativer Armut leben Menschen, die zwar über das Existenzminimumm (563 Euro für Alleinstehende) verfügen, aber von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen sind. Die Armutsgrenze in Deutschland liegt für Alleinlebende bei einem monatlichen Nettoeinkommen von 1381 Euro.

Für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren beträgt sie 2900 Euro im Monat. Als armutsgefährdet gilt laut dem europäischen Konzept der relativen Armut, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat.

Zwei Räume ohne Unterschiede

Im Themencafé in Weil am Rhein diskutierten die Gäste lebhaft die Frage, wo es denn Räume zum Treff gebe, „an denen nicht auffällt, ob jemand bedürftig ist“.

Denn selbst wenn Betroffene eine Karte für eine Kulturveranstaltung geschenkt bekämen, könne anhand der Kleidung der jeweilige Status abzulesen sein. Die Gruppe kam zu dem Schluss, dass es nur zwei solcher Räume gebe: die Wärmestube und den Quartierstreff in der August-Bauer-Straße/Gustave-Fecht-Straße.

„Türen offen halten“

Gemeinsam wollen sie auch aktiv daran arbeiten, Menschen aus der Isolation zu holen, was nur von Mund zu Mund erfolgen könne, weil sich eine Zeitung nicht jeder leisten könne. Die Armutswochen der Caritas haben in diesem Jahr das Motto „Türen offen halten“ – die Gäste des Themencafés lassen dieses offenbar lebendig werden.