Mitarbeiterinnen der Caritas, wie hier Andrea Klausmann, beraten Menschen auf vielfältige Weise. Foto: Fein/Caritas

Steigende Lebenshaltung und explodierende Energiekosten belasten viele Haushalte im Schwarzwald-Baar-Kreis.

Schwarzwald-Baar-Kreis - Eine ebenso traurige wie vorhersehbare Nachricht ist die Veröffentlichung des aktuellen Armutsberichtes des Paritätischen Gesamtverbands, der einen neuen traurigen Höchststand markiert. Mit 13,8 Millionen von Armut betroffener Menschen, das sind etwa 600 000 mehr als noch vor der Pandemie, ist der Index in den vergangenen zwei Jahren noch einmal um fast einen ganzen Prozentpunkt auf jetzt 16,6 Prozent geklettert. Und in dieser Zahl sind die Auswirkungen, die der russische Angriffskrieg mit sich bringt, noch nicht einmal berücksichtigt.

Michael Stöffelmaier, Vorstandsvorsitzender des Caritasverbands-sbk, weiß aus Erfahrung und genährt aus den Berichten nahezu aller Abteilungen des Caritasverbands was jetzt auf sein Haus und seine zahlreichen, in sozialen Beratungsstellen engagierten Mitarbeiter zukommt. Viele Haushalte, die bisher finanziell gerade so über die Runden kamen, werden jetzt richtig in Not geraten.

Schon jetzt erreichen den Vorsitzenden Berichte, in denen von unlösbaren Problemen die Rede ist. Menschen die sich, auf dem Land wohnend, angesichts steigender Spritkosten und unzureichender ÖPNV-Angebote selbst die Fahrt zur Arbeitsstelle nicht mehr leisten können.

Berater der Caritas können helfen

Andere Beratungsstellen melden Nöte, die aus der Erhöhung der Wohn-Nebenkosten entstehen, so Stöffelmaier, während paradoxerweise ALG II-Empfänger hierbei noch relativ gut dran sind, weil auf Antrag das Jobcenter vermutlich die Mehrkosten übernimmt, trifft die zunehmende Inflation insbesondere die in prekären Arbeitsverträgen gefangenen Menschen. "Wir helfen, wo wir können", sagt Michael Stöffelmaier und verweist auf die Beratungsstellen, die oft einen besonderen Draht haben zu Entscheidern und die helfen können, einen auf die jeweils eigene Situation der Hilfesuchenden zugeschnittenen Notfallplan aufzustellen.

Viele gehen zur Tafel

Mehr und mehr sei auch der Mittelstand von Armut betroffen weiß man bei der Caritas. Ein Indiz hierfür sei die deutliche Zunahme der Menschen, die jetzt zunehmend auch das Angebot der Tafel nutzen.

Freigrenzen anpassen hilft

Bisher nicht an Rentenerhöhungen angepasste Freigrenzen, so eine Forderung des Caritasverbands an die Politik, sorgen beispielsweise dafür, dass Menschen die Hilfe zur Pflege nicht mehr in Anspruch nehmen können. Dadurch rutschen diese über die Bemessungsgrenze und haben am Ende weniger im Geldbeutel.

Viele Haushalte kommen gerade so über die Runden und da darf nichts passieren. Schon eine neue Brille oder der fällige Zahnersatz können nicht finanziert werden. Nicht zuletzt deshalb sei es angesichts der nicht berechenbaren Folgen des Kriegs in der Ukraine auch ein Gebot der Stunde Sicherheit zu schaffen. So sollten Stromabschaltungen bei säumigen Zahlern ebenso verboten werden, dies eine weitere Forderung der Caritas, wie auch die zwingend notwendige Anpassung der Freigrenzen.

Die Beratungsstellen

Die Beratungsstellen im Gebiet der Caritas Schwarzwald-Baar-Kreis: Villingen: Gerwigstraße 6, Telefon 07721/9 21 18 34, Schwenningen: Erzbergerstraße 11, Telefon 07720/99 42 34, Donaueschingen: Schulstraße 5, Telefon 0771/8 32 28 17, St. Georgen: Gerwigstraße 23a, Telefon 07724/8 23 21, Furtwangen: Lindenstraße 5, Telefon 07723/10 75, Triberg: Luisenstraße 10, Telefon 07722/92 06 45, Blumberg: Ob der Kehr 3, Telefon 07702/47 76 21 und Geisingen: Hauptstraße 68, Telefon 07704/92 22 63.