Mitarbeiter von Tafelläden nehmen in Pforzheim die Sparkassen-Spende für ihre Arbeit entgegen. Foto: Verena Parage

So schön die Festtage am Jahresende sind: Sie gehen ins Geld. Bedürftige Mensch stehen dann finanziell noch mehr unter Druck. Umso wichtiger ist die Arbeit der Tafeln.

Wenn das Jahr zu Ende geht, beginnt die festliche Zeit: Lichterglanz, Weihnachtsbaum, gutes Essen und Geschenke. Das macht für viele Weihnachten aus. Aber all das geht ins Geld. Menschen, die ohnehin mit ihren finanziellen Mitteln haushalten müssen, stehen am Ende des Jahres noch viel mehr unter Druck. Wie die Kinder beschenken? Wie sich ein besonders Essen leisten, wenn alles immer teurer wird?

 

Spenden Die Mitarbeiter der Tafelläden im Nordschwarzwald bekommen solche Sorgen aus erster Hand mit. Sie verkaufen denen Lebensmittel, die sich kaum welche leisten können. Um ihre Arbeit tun zu können, sind die Tafelläden nicht nur auf Lebensmittel-, sondern auch auf Geldspenden angewiesen.

Vier Tafelläden im Kreis Calw profitieren

Umso größer war die Freude bei den Verantwortlichen der Tafeln in der Region bei einer Spendenübergabe in der Goldstadt: Die Sparkasse Pforzheim Calw unterstützt diese besonderen Einrichtungen mit insgesamt 42 000 Euro. Von der Spende profitieren fünf Tafeln im Landkreis Calw, vier im Enzkreis und eine in Pforzheim.

Andreas Reichstein, Abteilungsleiter bei der Erlacher Höhe Calw-Nagold, hatte bei der Übergabe gleich vierfach Grund zur Freude. Denn die Erlacher Höhe betreibt das Sozialkaufhaus LOT in Altensteig, den Kreuzermarkt im Burgcenter in Nagold sowie „Kauf und Rat“ in Bad Wildbad-Calmbach. Dazu kommt noch das Begegnungszentrum Neuenbürg.

Einblick „Das sind wirklich teure Feste, die sich viele gar nicht so einfach leisten können“, sagt Reichstein mit Blick auf Weihnachten und Silvester. Wie viele, das wird deutlich, wenn er von der Zahl der Kunden berichtet.

An der Kasse des Calmbacher „Kauf und Rat“ dürften 2025 in Summe 5700 Einkäufe bezahlt worden sein. Zwar entspricht das nicht der Zahl der Kunden, da sie regelmäßig kommen. Aber pro Öffnungstag, überschlägt Andreas Reichstein, werden etwa 50 Einkäufe bezahlt – das wiederum dürfte der Kundenzahl entsprechen. Da viele Familien einkaufen, ist die tatsächliche Zahl der Menschen, die die Tafel versorgt, viel höher.

In Altensteig summieren sich die Einkäufe 2025 auf 6500, in Nagold dürften es bis Ende Dezember mehr als 30 000 sein.

Bad Herrenalber Tafel hat seit Langem Aufnahmestopp

Anders als in anderen Tafeln gibt die Erlacher Höhe keine Berechtigungsscheine – oft nur für Menschen, die Sozialleistungen beziehen – aus. „Wir wollen nicht, dass die Menschen ihre Armut auch noch nachweisen müssen“, erklärt Reichstein. Er vermutet, dass noch viel mehr Menschen eigentlich auf die Tafeln angewiesen sind als tatsächlich dort einkaufen. Allerdings schämen sie sich zu sehr, um das Angebot zu nutzen. „Aber da muss sich wirklich niemand schämen dafür.“

Waren Die vier Geschäfte der Erlacher Höhe erhalten frisch abgelaufene oder nur noch kurz haltbare Lebensmittel von den etwa 50 Supermärkten. Fast täglich sind Mitarbeiter unterwegs, um sie einzusammeln. Obst, Gemüse, Backwaren und Molkereiprodukte zählt Reichstein unter anderem auf.

Zu bis zu 90 Prozent deckten die Lebensmittelspenden den Bedarf der Kunden – zumindest die der Erlacher Höhe. In kleineren Läden ist es schwieriger, wie Beate Müller und Gitte Waidner von der Tafel Bad Herrenalb berichten. In der Stadt gebe es nur zwei Supermärkte. Das bedeutet weniger Lebensmittelspenden. Die Herrenalber Tafel nimmt deshalb seit Langem schon keine neuen Kunden mehr auf und hat nur noch einen Öffnungstag.

Unterstützung Geldspenden helfen, das Angebot zu ergänzen, erklärt Reichstein. Neben der Sparkasse unterstützten Firmen und Privatpersonen die Einrichtungen. Andreas Reichstein berichtet von einem Spender in Calmbach, der jeden Monat 100 Euro gibt für Lebensmittel. Ein weiterer Unterstützer fragt regelmäßig nach, was fehlt, kauft dann die Sachen im Supermarkt und spendet sie der Tafel. „Das find ich ein tolles Beispiel.“

Gerade mit Blick auf Weihnachten bedeutet solch ein Engagement, „dass die Leute sich ein Menü zusammenstellen können“. Allerdings mit Einschränkungen: Denn mit Fleisch können die Tafeln nicht dienen. Die Einhaltung der Kühlkette ist zu schwierig. Und Weihnachtsschokolade, erzählt Andreas Reichstein, gibt es erst im neuen Jahr – wenn die Supermärkte sie aussortieren.