Die Burgruine Kappelberg über dem Remstal: Schauplatz des Bauernaufstands Armer Konrad 1514 Foto: Sigerist

Mit einem Mammutprogramm erinnern vier Remstal-Städte in den kommenden Monaten an den Bauernaufstand Armer Konrad vor 500 Jahren. In Fellbach, Waiblingen, Weinstadt und Schorndorf gibt es Stadtfeste, Theaterspektakel, Renaissance-Tänze oder eine Ausstellung über „die zehn Hingerichteten“.

Weinstadt/Schorndorf - Anfang Mai 1514 war es, als Bauern, aber auch Handwerker oder Wengerter endgültig die Nase voll hatten von der Unterdrückung durch Herzog Ulrich von Württemberg. Zur Finanzierung seiner Verschwendungssucht sowie teurer Feldzüge führte er eine neue Verbrauchssteuer sowie neue Gewichte als Maßeinheit ein. Als Gegenbewegung entwickelte sich der Bauernaufstand Armer Konrad – Konrad war im 16. Jahrhundert einer der häufigsten Männernamen der Region und stand hier stellvertretend für „jedermann“. Der Zusatz „arm“ bedeutet nicht arm im finanzieller Hinsicht, sondern arm an politischen Mitwirkungsrechten. Zudem war Armer Konrad ursprünglich ein spöttischer Begriff des Adels für das gemeine Volk.

Zur Galionsfigur der Aufständischen wurde der Beutelsbacher Peter Gaiß, genannt Gaißpeter. Mehrere Tausend Anhänger schlossen sich dem Geheimbund an, der in ganz Württemberg für Aufruhr sorgte. Zwei Monate nach seinem Beginn folgte die blutige Niederschlagung in Schorndorf. 1700 Bauern aus dem Remstal wurden gefangen genommen, gefoltert oder geköpft.

Dennoch, für Fellbacher OB Christoph Palm ist dies „das erste übergreifende Aufbegehren des Volkes gegen die politische Obrigkeit“. Es war hierzulande der erste Markstein in der langen Entwicklung hin zur heutigen Demokratie, so Palm, der vor einigen Jahren die nun anstehende große Beleuchtung jener Zeit im Remstal mitinitiierte.

In Fellbach findet denn auch das beeindruckendste Spektakel in diesem Erinnerungsreigen statt. Unter der Federführung des bekannten Stuttgarter Schauspielers und Regisseurs Klaus Hemmerle zeigt das Theater Lindenhof aus Melchingen von der Schwäbischen Alb in der Alten Kelter das Stück „Der arme Konrad“ des Dramatikers Friedrich Wolff, das einst 1924 in Stuttgart uraufgeführt wurde. Es sei ein großes Privileg, dieses Stück über „die Mutter aller schwäbischen Revolten“ umsetzen zu dürfen, sagt Hemmerle. An sechs Abenden wird es zu sehen sein – vom 16. bis 18. und vom 22. bis 24. Mai, Beginn jeweils um 19 Uhr. Neben den 18 professionellen Darstellern des Theaters Lindenhof werden auch Fellbacher Vereine mitwirken, etwa bei Massenszenen des Aufstands.

Da für Fellbach im Übrigen „keine bedeutsamen Ereignisse in der Geschichte des Armen Konrad nachweisbar sind“, widmet man sich im Stadtmuseum vom 10. Mai an den sozialen und rechtlichen Entwicklungen, die zum Aufstand führten. Diese Präsentation ist Teil jener interkommunalen Ausstellung in allen vier Stadtmuseen der beteiligen Kommunen, die sich unter dem Titel „Der Gerechtigkeit einen Beistand thun“ thematisch zu einer Gesamtschau ergänzen. „Das bäuerliche Leben ist von Entbehrungen und harter Arbeit auf dem Feld und im Weinberg bestimmt. Auf die Erhöhung drückender Abgaben und massive Eingriffe in überlieferte Rechte reagieren gerade die bessergestellten Bauern und Handwerker mit Konspiration und Erhebung“, heißt es in der ­Ankündigung. Ein Sonderthema ist der ­Einfluss des Fellbacher Pfarrers und Revolutionärs Reinhart Gaisslin, dessen aufrührerische Predigten den versuchten Umsturz befeuerten.

Schon vor der Eröffnung der gemeinsamen Ausstellung zeigt die Galerie Stihl in Waiblingen vom 3. Mai an „Bauern, Tänzer und Liebespaare – Menschenbilder in der Grafik der Dürerzeit“. Am 10. und 11. Mai wird das neue Haus der Stadtgeschichte in der Weingärtner Vorstadt mit Szenen, Speis und Trank aus der Zeit des Armen Konrad eröffnet. Die dortige Ausstellung zeigt dann, wie Waiblingen während des Aufstands in einer Zwickmühle steckte – mit Sympathie für die Bauern, obgleich bereits herzogliche Truppen in der Stadt lagen.

Weiter remsaufwärts folgt Weinstadt, Schwerpunkt der Ausstellung im Heimat- und Bauernkriegsmuseum in Beutelsbach, der Markt- und Gerichtshalle des alten Rathauses von 1534 in der Stiftstraße 11, sind die Anfänge der Bewegung. Im Schlossgarten Großheppach präsentiert die Theatergruppe Hebebühne mehrmals die Aufführung „Schwaben-Aufstand“. In der Jahnhalle Endersbach werden am 6. Juli Tänze der Renaissance dargeboten. Am 26. und 27. Juli gibt es im historischen Ortskern von Beutelsbach ein Dorffest unter dem Motto „Konrad lebt: Der Arme Konrad und die Zeitenwende“, inklusive des Straßenschauspiels „Der Gaißpeter und die Wasserprobe“ und des Abschlusskonzerts „Die Hochzeitsmesse des Herzogs Ulrich“ mit dem Renaissance-Musikensemble Lala Höhö.

In Schorndorf befand sich im Haus des Messerschmieds die sogenannte Kanzlei als Nachrichtenzentrale der Bewegung. Und hier fand Anfang August 1514 auch das Blutgericht mit Folterungen und Enthauptungen der Rädelsführer statt. Thematisiert wird dies im Stadtmuseum. Auf dem Kirchplatz wird am 11. Mai die Ausstellung „Erinner dich meiner – die zehn Hingerichteten“ mit Werken des Schorndorfer Bildhauers Christoph Traub eröffnet. Höhepunkt in Schorndorf ist das Stadtfest „Zurück in die Renaissance“, eine Zeitreise ins 16. Jahrhundert mit Schauspielkunst, Musik und köstlichen Speisen auf dem Marktplatz

Ansonsten finden in allen vier Städten noch etliche weitere Vorträge, Rundgänge, Führungen und Konzerte statt, die auf der Homepage des Projekts zu finden sind.

www.armerkonrad2014.de

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