Ergebnisse aus Stetten und Trillfingen fließen dank der Forschungsgruppe Wahlen und Infratest dimap in die Berichterstattung von ARD und ZDF über die Landtagswahl ein. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Wenn ARD und ZDF am Sonntagabend ihre Prognosen zum Ausgang vermelden, sind darin Ergebnisse aus Stetten und Trillfingen enthalten.

Mittendrin, statt nur dabei: Zum Programmauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender gehört in besonderem Maße die Berichterstattung über eine demokratische Wahl.

 

Um ihren Zuschauern rasch nach Schließung der Wahllokale erste Ergebnisse präsentieren zu können, haben sich sowohl ARD und ZDF professionelle Dienstleister zur Seite geholt.

Im Auftrag des ZDF entsendet die Forschungsgruppe Wahlen aus Mannheim Mitarbeiter nach Trillfingen und für die ARD wird das Berliner Meinungs- und Wahlforschungsinstitut Infratest dimap in Stetten anrücken.​

Befragungen sind anonym

​Die Vorgehensweise beider Institute ist relativ deckungsgleich, wie aus ihren Schreiben an das Wahlamt der Stadt Haigerloch und die Wahlvorstände in beiden Stadtteilen hervorgeht.​

Kurz bevor die Wahllokale in beiden Rathäusern um 8 Uhr öffnen, werden sich die Mitarbeitenden beider Wahlforschungsinstitute in beiden Rathäusern den Wahlteams vorstellen, sich ausweisen und ihr weiteres Vorgehen erläutern. Vor den beiden Wahllokalen werden dann Wählerinnen und Wähler nach der Stimmabgabe von beiden Instituten einer Befragung per Fragebogen unterzogen – auf freiwilliger Basis und natürlich anonym. Im Vordergrund steht dabei die soeben getroffene Wahlentscheidung der befragten Wählerinnen und Wähler aber auch Fragen nach Alter, Schulabschluss oder Geschlecht.​

Zumindest Infratest dimap will es vermutlich noch etwas genauer wissen. Das Institut beabsichtigt, einem Teil der Befragten einen etwas längeren Bogen mit Fragen zu soziodemographischen Merkmalen und wahlentscheidenden Aspekten zu geben. Stündlich melden die Korrespondenten dann ihre Ergebnisse in die Datenzentrale. Auf Basis dieser Nachwahl-Erhebung entsteht dann die 18-Uhr-Prognose, die nach Schließung der Wahllokale in der ARD präsentiert wird. Die Forschungsgruppe Wahlen wird fürs ZDF in Trillfingen vermutlich auf sehr ähnliche Weise vorgehen.​

Basis für Hochrechnungen

​Der Job für beide Wahlforschungsteams ist damit aber noch nicht erledigt: Beide Institute haben angekündigt, nach der Schließung der Wahllokale in Trillfingen und Stetten auch der öffentlichen Stimmenauszählung beizuwohnen, damit sie das erste vorläufige Stimmenergebnis aus beiden Wahllokalen schnellstmöglich in die Sendestudios übermitteln können. Gemeinsam mit Ergebnissen aus anderen als repräsentativ eingestuften Wahlbezirken bilden sie die Basis für die Prognose und Hochrechnungen am Wahlabend.​

Dass die Anwesenheit von Wahlforschern mitten in der Hektik eines Wahlabends besondere Anforderungen an die Arbeit des Wahlvorstandes stellt, ist den beiden Fernsehsendern und Wahlforschungsinstituten bewusst, sie hoffen aber auf eine gute Unterstützung vor Ort. Die Stadtverwaltung und Landeswahlleiterin Cornelia Nesch wurden im Vorfeld informiert und hatten keine Einwendungen. Für Claudia Mysliwietz von der Ortschaftsverwaltung Trillfingen ist das große Interesse der Statistiker dennoch ungewöhnliches Neuland.​

Trillfingen vom Land ausgewählt

​Aber auch die Stadt selbst muss im Dienste der Statistik aktiv werden. Und zwar in Trillfingen. Dieser Wahlbezirk ist nach dem Zufallsprinzip für die repräsentative Wahlstatistik des Landes Baden-Württemberg ausgewählt worden. Was bedeutet das? Für die Wählerinnen und Wähler in Trillfingen zuerst einmal überhaupt nichts. Sie können wie gewohnt ihren Urnengang antreten. Der einzige Unterschied darin, dass die Stimmzettel mit einem Aufdruck nach Geschlecht und sechs Altersgruppen versehen sind. Somit kann festgestellt werden, wie viele Frauen und Männer welcher Altersgruppe eine bestimmte Partei gewählt haben. Da zu jeder Altersgruppe zahlreiche Personen gehören, so betonten die Landeswahlleiterin Cornelia Nesch und die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Anke Rigbers, in einer Infobroschüre. Das Wahlgeheimnis ist insofern gewahrt.