Großes Interesse: Ein ARD-Team besuchte den Kreis und befragte unter anderem Flüchtlinge, die mit einer „Social Card“ ausgestattet wurden. Der Beitrag erschien bereits am Donnerstagabend bei „SWR Aktuell“ und ist in der ARD-Mediathek verfügbar. Foto: Landratsamt

Während Bezahlkarten für Flüchtlinge ab Sommer bundesweit eingeführt werden sollen, hat der Kreis bereits jetzt eine Variante am Start. Das sorgt für jede Menge mediale Aufmerksamkeit: Auch ein ARD-Team war deswegen bereits im Landratsamt zu Besuch.

„Bislang waren die Rückmeldungen positiv“, berichtet Kreissprecher Kai Hockenjos am Freitag auf Anfrage unserer Redaktion. Nachdem der Kreis vor einer Woche das erste Dutzend Bezahlkarten ausgegeben hatte, folgten am Donnerstag 62 weitere.

 

In der kommenden Woche sollen etwa noch mal so viele Flüchtlinge ohne Bankkonto eine „Social Card“ erhalten. Der Kreis will insgesamt 300 bis 400 Flüchtlinge so ausstatten.

Ganz ohne Irritationen läuft die Umstellung von Bargeld auf die Karte dabei offenbar nicht ab. „Es gibt Menschen, die bislang noch nie eine Geld-/Kreditkarte genutzt haben“, berichtet Hockenjos.

Erklär-Bedarf teilweise hoch, Akzeptanz aber auch

In solchen Fällen erklärten die Verwaltungsmitarbeiter ausführlicher, wie die Nutzer die Karte einsetzen können, wie sie ihre persönliche Pin aktivieren und so weiter. „Nachdem das geklärt wurde, war auch bei diesen Menschen die Reaktion positiv“, betont der Kreissprecher.

Nur vereinzelt hätten Flüchtlinge nach Bargeld gefragt. „Wie erklärt, haben manche noch nie eine solche Karte benutzt und hatten Info-Bedarf. Konkret verweigert hat sich bislang niemand. Abreisen haben wir keine zu verzeichnen“, berichtet Hockenjos weiter.

Alexandra Roth, für Migration zuständige Dezernentin im Landratsamt, erklärte dem Fernsehteam die Vorteile der „Social Card Foto: Landratsamt

Das die Karte gut ankommt, bestätigten auch einzelne Flüchtlinge im Gespräch mit dem ARD-Fernsehteam, dass die Ausgabe der Bezahlkarten am Donnerstag begleitet hatte. „Ich habe mir vorgestellt, dass ich mit der Karte auch ganz normal einkaufen kann. Was mich überrascht hat ist, dass ich damit auch Geld abheben kann“, erklärte etwa ein Mann, der vor rund neun Monaten aus Syrien nach Deutschland geflüchtet war.

Bei anderen sorgte die Umstellung durchaus auch für Verwirrung: Freunde von ihm hätten am Vortag noch Bargeld bekommen, konstatierte ein Mann aus Marokko. Es sei jedoch ein gutes Gefühl, einfach so mit Karte bezahlen zu können. Die „Social Card“ selbst sieht dabei ganz unauffällig aus, wirkt wie eine gewöhnliche Kreditkarte.

Land könnte Möglichkeiten der Karten einschränken

Das die Umstellung im Kreis gut ankommt, scheint wenig verwunderlich: Mit der „Social Card“ sind die Flüchtlinge ohne Bankkonto laut Kreisverwaltung ähnlich flexibel, wie mit Bargeld. Anders, als in der bundesweiten politischen Diskussion teilweise gefordert, gibt es bisher keine Beschränkungen: Flüchtlinge können so im Ortenaukreis grundsätzlich überall einkaufen, wo man mit Karte zahlen kann und auch die kompletten Asylleistungen auf einmal abheben. Lediglich Überweisungen – etwa an die Familien im Ausland – sind nicht möglich.

Das könnte sich mit der geplanten bundesweiten Bezahlkarte jedoch ändern. Denn für diese gibt es bereits Überlegungen zu Einschränkungen im Raum: So könnte die Nutzung in bestimmten Branchen – etwa für Glücksspiel – ausgeschlossen werden. Das wäre auch mit der „Social Card“ möglich. Wie konkret die Ausgestaltung der bundesweit geplanten Bezahlkarte schließlich aussehen wird, ist noch unklar. Darüber soll jedes Land selbst entscheiden – viele Fragen sind daher noch offen. Für die Ortenauer „Social Card“ steht jedoch fest, dass sie sich den Vorgaben aus Stuttgart anpassen wird. „Wenn nur noch ein Teil des Geldbetrags abgehoben werden kann, dann werden wir uns natürlich an diese Regelung des Landes halten“, nannte Migrationsdezernentin Alexandra Roth am Donnerstag als Beispiel.

Weniger Aufwand

Die Kreisverwaltung will mit der Umstellung vorrangig den Verwaltungsaufwand reduzieren – Personal und auch Kosten für einen Sicherheitsdienst einsparen. Bislang hatte das Migrationsamt mit größeren Mengen Bargeld hantieren müssen. Das holten sich die Flüchtlinge in der Ortenau, die bislang noch kein Konto eröffnen konnten, dann jeden Monat in der Behörde ab. „Auch die Leistungsempfänger sparen Zeit ein“, betont Migrationsdezernentin Alexandra Roth dazu.