In diesem kleinen Lederbeutel, links oben, waren alle Papiere verwahrt. Rechts sieht man das „Breverl“, die Beschwörung gegen die bösen Geister. Foto: Kreisarchiv/Ruth Dörschel

1953 fand ein Landwirt einen Beutel mit mehreren zusammengefalteten Papieren. Der Aufdruck war für ihn nicht zu verstehen. Schon bald wurde jedoch klar: Es handelte sich um eine Beschwörung gegen Dämonen und böse Geister, die vor Unglück schützen sollte.

Im Freudenstädter Museum im Stadthaus sind zurzeit „Ausgewählte Schätze aus 80 Archiven“ zu sehen. Gezeigt werden Aktenstücke und schwere Folianten, aber auch besondere Gegenstände, die ihren Weg in ein Ortsarchiv geschafft haben.

Etwas Besonderes unter diesen Zeugen der Vergangenheit ist ein flacher, lederner Beutel, nicht größer als vier mal vier Zentimeter, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamts. Er hat seine ganz eigene Geschichte: 1953 fand der Landwirt Georg Bauer bei Renovierung und Umbau seines Hofes in Besenfeld in einem Deckenbalken diesen Beutel in einer sorgfältig ausgeführten Vertiefung.

Der Beutel enthielt mehrere zusammengefaltete Papiere. Er brachte seinen Fund dem Dorfpfarrer Effe, denn die Texte waren nicht zu verstehen. Sie waren auf Lateinisch abgefasst. Das größere Papier war gedruckt, die kleineren mit Hand beschrieben. Dem Pfarrer muss bald klar gewesen sein, dass es sich hier um einen „Haussegen“ handelt, denn der gedruckte Text war eine Beschwörung gegen Dämonen und böse Geister. Versteckt im Deckenbalken sollten sie den Hof vor Unglück und Gefahr schützen.

Nach und nach kommen Puzzleteile zusammen

Doch wie alt waren diese Texte und woher kamen sie? Effe wollte Klarheit und wandte sich deshalb an den Freudenstädter Archivar Hans Rommel. Dieser fragte in Schenkenzell, Tübingen und München nach, denn der Brauch, Beschwörungszettel mit geweihten Gaben als Schutz für Hab und Gut einem Gebäude beizugeben, kommt aus katholischen Gebieten, aus Bayern oder Tirol. Nach und nach kamen einige Puzzleteile zusammen. Der gedruckte Text entstand vermutlich Ende des 17. Jahrhundert. Die handgeschriebenen kleinen Zettel sind wesentlich älter, sie wurden dem Druck als eine geweihte Gabe mitgegeben. Anhand der Schrift und dem Inhalt, eine mystische Auslegung der Leidensgeschichte Jesu, datierte der Tübinger Professor Hansmartin Decker-Hauff die Texte auf die Zeit um 1450.

Das Besondere am Fund ist die katholische Herkunft

Das Besondere an diesem Fund im evangelischen Dorf Besenfeld ist seine katholische Herkunft, heißt es in der Mitteilung des Landratsamts weiter. Ob sich die Vorfahren von Georg Bauer einen Schutzbrief in einer katholischen Gegend besorgt haben oder durchziehende Mönche solche Haussegen in Besenfeld verkauft haben, kann heute nicht mehr geklärt werden. Als der Archivar Hans Rommel aber Jahre später von weiteren Funden im Christophstal und in Wittendorf erfuhr, schrieb er 1969 einen Bericht in den Freudenstädter Heimatblättern. Oft sind Archive die erste Anlaufstelle, wenn im eigenen Haus, auf der Kirchenbühne oder im Vereinslokal wahre Schätze ans Licht kommen.

Die Ausstellung im Museum im Stadthaus ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.