Um was geht es, wenn Bürger im Stadtarchiv Sulz nach Rat fragen? Joachim Jehn gibt im Verwaltungsausschuss Einblicke in das vergangene Jahr.
„Es gibt viele Absprachen – etwa mit den Ortsarchiven“, skizziert der Sulzer Stadtarchivar Joachim Jehn den Teil seines Tuns, der unter „Verwaltungstätigkeit“ fällt. Aber: „Da passiert immer so viel“, ist er von dem Engagement der kleineren Archiven in den Stadtteilen begeistert.
„Es ist eine gute Zusammenarbeit“, bestätigt ein sichtlich zufriedener Giuseppe Mastragostino, seines Zeichens Ortsvorsteher von Mühlheim. Doch Jehn ist nicht nur in den einzelnen Ortsteilen unterwegs. Auf Wunsch einiger ehrenamtlicher Ortsarchivare ist er nämlich daran, ein Gesamtverzeichnis aller Aktenzeichen des Flattich-Aktenplans, der bis etwa Ende der 1960er-Jahre in Gebrauch war, zu erstellen. Damit sollen den Ehrenamtlichen eigene Findbücher an die Hand gegeben werden.
200 Kisten voller Arbeit
Durch eine entsprechende Eintragung können Akten dann schnell gefunden werden. „Die Fertigstellung des Verzeichnisses wird im Laufe des Jahres 2026 erfolgen“, gibt er den Zeitplan vor.
Darüber hinaus konnten im vergangenen Jahr 197 neue Archivalien ins Programm aufgenommen werden, bei denen es sich hauptsächlich um Akten des Rathausumzugs handelt. Schließlich sind damals vor rund 20 Jahren etwa 200 Kisten mit Ordnern abgegeben worden, die es nun Stück für Stück zu katalogisieren gelte.
Hilfe für historische Bücher
Doch auch im Sulzer Archiv ist die Digitalisierung angekommen. Denn mit Beginn des elektronischen Abonnements des „Schwarzwälder Boten“ am 1. Juni 2025 erfolgte auch der Einstieg in die elektronische Archivierung.
Darüber hinaus verfüge man nun über einen Buch-Scanner. Was bringts? „Die empfindlichen Dokumente müssen nicht mehr platt auf die Scheibe gepresst werden“, nennt Jehn einen Vorteil zum früheren Modell – das übrigens auch nur bis Seitengröße DIN A4 nutzbar war. Jetzt ist das auch für DIN A3 und das sogenannte Folio-Format – ein historisches größeres Format – möglich.
Familienforschung in Sulz
Doch gilt es natürlich auch, Kultur- und Bildungsarbeit zu betreiben. So war das Stadtarchiv mit der Leihgabe des „Tübinger Vertrags“ von 1514 in der Ausstellung „Der Bauernkrieg zwischen Schwarzwald und Neckar“ im Kultur- und Museumszentrum Schloss Glatt vertreten.
Und natürlich war man auch Ansprechpartner bei Fragen. Es wurden 20 Anfragen zu verschiedenen Themen gestellt. „Die Spanne reichte von privater Familienforschung über heimatgeschichtliche Fragen bis zur Unterstützung für wissenschaftliche Arbeiten“, zeigte der Archivar die Bandbreite auf.
Viele Fortbildungen
Aber nicht nur Jehn, auch Paul T. Müller, dem ehrenamtlichen Archivar, ist die Freude über das vergangene Jahr sichtlich anzumerken. „Mit dem Stellenumfang kann man jetzt viel mehr machen“, lautet sein fachmännisches Fazit. Und: „Ich freue mich, dass es so gut läuft – wir kommen wunderbar miteinander zurecht“, lobt er die gemeinsame Team-Arbeit.
Und nicht nur in der Kernstadt hat sich etwas mit Blick auf die größere Personalstärke in Sachen geschichtlicher Aufbewahrung getan. „Im Herbst begann die Einarbeitung neuer Mitarbeiter in Hopfau“, blickt Jehn den Sulzer Teilort im Glatttal.
Und um die „Neuen“ für ihre Arbeit gut zu rüsten, sind weitere Fortbildungen – etwa zur Nutzung des Computerprogrammes „Faust Entry Archiv“ sowie zum Lesen der Kurrentschrift (auch „Deutsche Schrift“) – geplant.