Unter anderem das Ferienhaus in Triberg hat die Jury als "rundum beispielhaft" ausgezeichnet. Foto: Johannes Vogt

Eine Tenne, ein Ferienhaus, ein Einfamilienhaus und ein Minigolf-Kiosk – vier sehr unterschiedliche Bauprojekte, die aber eines gemein haben: Sie sind beispielhaft. Und sie stammen allesamt von ein und demselben Architekturbüro in St. Georgen.

St. Georgen - Wie soll sich die Baukultur im Schwarzwald-Baar-Kreis in Zukunft entwickeln? Diese Frage soll das Auszeichnungsverfahren "Beispielhaftes Bauen im Schwarzwald-Baar-Kreis 2013-2021" beantworten. Vier attraktive Möglichkeiten konnte das Architekturbüro Schneider aus St. Georgen der siebenköpfigen Jury des Wettbewerbs präsentieren. Im Gespräch erklärt Sabine Schneider die Besonderheiten der vier Bauten – und erläutert, was die Projekte so beispielhaft macht.

Die Tenne

Wo früher Heu für Pferde lagerte, kann man nun wohnen – das ist die Grundidee des ersten ausgezeichneten Projekts, der Umgestaltung einer Tenne in St. Georgen. Es galt, berichtet Schneider, Wohnraum für die erwachsene Tochter des Hofs zu generieren – und zwar in der Tenne. Die Lösung, die das Architekturbüro ersann: eine Wohnbox im Dachgeschoss der Tenne, die neben Wohnraum auch noch einen wunderbaren Weitblick in die Natur bietet, und durch die Hanglage des Gebäudes sogar barrierefrei zu erreichen ist.

Das Einfamilienhaus

Ein Einfamilienhaus in einer Straße, die den Namen "Bergstadtblick" trägt, hat die Jury ebenfalls überzeugt. Doch der Weitblick von Peterzell aus bleibt nicht ohne architektonische Herausforderungen, wie Schneider berichtet. Denn das Grundstück liegt am Hang – damit die Bewohner des Hauses also auf der Wohnebene in den Genuss des Bergstadtblicks kommen, muss baulich erst einmal ein ganzes Grundstück überwunden werden. Zusätzlich sorgt ein Sichtschutz im vorderen Teil des Gebäudes – um die Dachterrasse herum – dafür, dass man beim Bewundern der Aussicht nicht wie auf dem Präsentierteller sitzt. "Weitblick von innen, aber nicht so die Einblicke von außen" – so fasst Schneider die Konstruktion zusammen.

Das Ferienhaus

Noch extremer als beim Wohnhaus in Peterzell ist die Hanglage beim dritten Gebäude, das beim Wettbewerb überzeugen konnte, einem Ferienhaus in Triberg. Hier galt es, mit der Topographie zu bauen, wie Schneider berichtet. Erst im zweiten Obergeschoss "hat man hier wirklich den Weitblick, den man ja will". Deshalb sind auf diesem Stock, dem "Lebens-Zentrum", Küche, Wohn- und Esszimmer untergebracht, während man in der "Ruhe-Ebene" im ersten Stock Schlaf- und Badezimmer findet.

Der Minigolf-Kiosk

"Schön, dass so eine kleine Sache auch ausgezeichnet wurde", meint Schneider zum Eingangspavillon des Königsfelder Minigolfplatzes, den das Architekturbüro aus St. Georgen ebenfalls entworfen hat. Mehrere Funktionen – Kiosk mit Terrasse, Schlägerausgabe und Toilette – sind hier in einem recht kleinen Bau zusammengefasst, der gleichzeitig das Eingangsportal zur Minigolfanlage bildet. "Natürlich hätte man da auch eine vorgefertigte Hütte aus dem Baumarkt hinstellen können", meint Schneider. Doch der Pavillon so wie er jetzt ist, habe da sicherlich langfristiger Bestand.

Das Beispielhafte

Langfristigkeit und Nachhaltigkeit sind aus Sicht von Schneider überhaupt die definierenden Begriffe, wenn es darum geht, zu beschreiben, was beispielhafte Bauten ausmacht. So seien die vier ausgezeichneten Projekte beispielsweise allesamt aus Holz gebaut, ein Rohstoff, den das St. Georgener Architekturbüro häufig einsetzt. "Weil Holz ein nachwachsender Baustoff ist und CO2 bindet." Außerdem sei die Ressource im Schwarzwald natürlich omnipräsent. Auch, dass es sich bei den ausgezeichneten Projekten um Gebäude mit einer gewissen Außenwirkung handelt, spielt für Schneider eine Rolle. Attraktivität und besondere Lösungen statt austauschbarer Schubladenbauweise, lautet die Devise.

Die Ideen

Wie aber entstehen solche besonderen Gebäude – woher kommen die Ideen? Meist aus der Situation heraus, sagt Schneider. Es gehe darum, sich das Grundstück und die Gegebenheiten anzusehen und zu versuchen, eine individuelle Problemlösung zu finden. "Ganz oft fragt man sich einfach: Was würde ich an der Stelle wollen?" Und manchmal ist eine so entstandene, gute Idee dann sogar beispielhaft.

Das Auszeichnungsverfahren "Beispielhaftes Bauen im Schwarzwald-Baar-Kreis 2013-2021" soll gut gestaltete Architektur aus allen Lebensbereichen auffinden und würdigen. Es steht unter der Schirmherrschaft von Landrat Sven Hinterseh und wird von der Architektenkammer Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis durchgeführt. "Durch gelungene Beispiele sollen weitere Impulse für die positive Entwicklung der Baukultur im Landkreis gegeben werden", heißt es in einer Mitteilung des Landratsamts zur Zielsetzung des Wettbewerbs. 49 Arbeiten waren eingereicht worden. Insgesamt hat die siebenköpfige Jury bestehend aus vier Fach- und drei Sachjuroren 19 Auszeichnungen vergeben – an die Bauprojekte, "die im Sinne der Ausschreibung als rundum beispielhaft anzusehen sind". Die Bauherren und Architekten der prämierten Arbeiten werden am 12. Oktober Rahmen einer Ausstellungseröffnung gewürdigt.