Bernd und Klara Pieper, die im Kreis Rottweil das Landesamt für Denkmalpflege ehrenamtlich unterstützen. Foto: Kohlmann

Auf dem Gelände des ehemaligen Gasthauses Kreuz wird momentan in der Waldmössinger Ortsmitte eine zweite Seniorenresidenz gebaut. Einmal mehr verändert Waldmössingen im Wandel vom alten Dorf zum modernen Stadtteil sein Gesicht.

Schramberg-Waldmössingen - Durch den Neubau entsteht Zukunft, aber auch das Fenster in die mehr als 2000-jährige Vergangenheit der Siedlung im Heimbachtal hat sich mit dieser Veränderung wieder einmal geöffnet. Bei der Begleitung des Erdaushubs im Frühjahr machten Bernd und Klara Pieper, die ehrenamtlichen Beauftragten des Landesamts für Denkmalpflege für Archäologie im Landkreis Rottweil, mehrere Funde von der Vorgeschichte bis zur Neuzeit, die einmal mehr zeigen, wie wichtig es ist, bei allen Baumaßnahmen im ältesten Stadtteil der Großen Kreisstadt Schramberg sehr aufmerksam zu sein.

"Mittler zwischen Bürger und Landesdenkmalpflege"

Ihre ehrenamtliche Aufgabe als "Mittler zwischen Bürger und Landesdenkmalpflege" haben Bernd und Klara Pieper 2011 übernommen. Alfred Danner in Oberndorf, der das Ehrenamt seit 1972 ausübte und dafür mehrfach ausgezeichnet wurde, fand in dem ebenfalls dort wohnenden Ehepaar ideale Nachfolger. Seitdem sind die beiden ehrenamtlichen Beauftragten für Archäologie im Kreis unterwegs und begleiten Monat für Monat drei bis vier aktuelle Baustellen. Die Bauherren sind gesetzlich verpflichtet, Zugang zu den Baustellen zu ermöglichen.

Zu einem Baustopp bei Entdeckungen, die eine Einbeziehung der Facharchäologen zu professionellen Grabungen erforderlich machen, kommt es aber selten. "Einen großen Teil der Maßnahmen kann man baubegleitend machen", sagt Bernd Pieper. Funde aus der Vorgeschichte und Römerzeit werden bei Johann-Christoph Wulfmeier in der Außenstelle Rottweil des Landesamts für Denkmalpflege, mittelalterliche und neuzeitliche Funde bei Bertram Jenisch beim Landesamt für Denkmalpflege in Freiburg abgegeben. Die Ergebnisse werden von den Piepers in Berichten zusammengefasst, die in die "Ortsakten" des Landesamts aufgenommen werden. Veröffentlicht werden die Meldungen in den "Fundberichten von Baden-Württemberg", die das Landesamt für Denkmalpflege seit 1974 herausgibt.

"Eine der spannendsten Baustellen, die wir bisher hatten"

Auf die Baustelle in Waldmössingen wurden Bernd und Klara Pieper durch einen Bericht in unserer Zeitung aufmerksam. "Ortskernbaustellen bleiben fast nie befundlos", sagt Bernd Pieper – und in Waldmössingen konnte man aufgrund der mehr als 2000-jährigen Siedlungsgeschichte einige Funde und neue Erkenntnisse als sicher annehmen. Das Grundstück des ehemaligen Gasthauses Kreuz und der zukünftigen Seniorenresidenz war für die beiden im Rückblick "eine der spannendsten Baustellen, die wir bisher hatten".

Auf dem 2500 Quadratmeter großen Grundstück kamen Funde von der Vorgeschichte bis zur Neuzeit zum Vorschein. Das älteste Fundstück ist ein Keramikfragment, das von Bernd Pieper und danach auch von den Experten des Landesamts für Denkmalpflege in die Urnenfelderzeit (1300 bis 800 vor Christus) oder Hallstattzeit (800 bis 450 vor Christus) datiert wird und damit zu den ältesten bisher entdeckten kulturgeschichtlichen Objekten auf dem Gebiet der Großen Kreisstadt Schramberg gehört.

Reste des Gewölbekellers entdeckt

Die erste Entdeckung bei Beginn der Bauarbeiten waren Reste des Gewölbekellers eines älteren Vorgängergebäudes des Gasthauses und zwei Kanäle, die Andreas Haasis-Berner vom Landesamt für Denkmalpflege im Vergleich mit ähnlichen Kanälen in Waldkirch in das 18. Jahrhundert datiert. Sie dienten einst zur Ableitung von Regenwasser aus Kellern oder von Straßen und Wegen.

Zum Heimbach hin grub der Bagger Reste von Holzdeicheln aus, die von einem Pumpbrunnen oder einer Wasserleitung stammen. Auf dem ganzen Gelände ergaben sich Keramiklesefunde, vor allem aus dem Mittelalter und aus der Neuzeit. Die für die Altersbestimmung bedeutsamen Randstücke wurden von Klara Pieper archäologisch fachgerecht in Originalgröße gezeichnet. Einer genauen Schichtfolge waren sie aber nicht mehr zuzuordnen, weil der Boden zuvor durch Baumaßnahmen im Lauf der Zeit immer wieder gestört worden ist. Vollständig erhaltene Gefäße findet man nur selten – besonders in Gräbern, die unversehrt geblieben sind.

Eisenverarbeitung vor Ort

Als besonders interessant erwies sich eine auffällige, schwarz gefärbte Struktur im Nordosten der Baustelle, die Bernd Pieper erst bei der Auswertung einer von ihm gemachten Drohnenaufnahme auffiel. Auf seine Bitte hin legte ein Baggerfahrer diesen Bereich etwas mehr frei. "Dann kamen wirklich große Mengen an Eisenschlacke – oder Kalottenschlacke – heraus", berichtet Bernd Pieper. "Kalottenschlacke ist ein Produkt, das bei der Verhüttung von Roheisen entsteht. Von dem her ist anzunehmen, dass hier Eisen verarbeitet wurde."

Mit hoher Wahrscheinlichkeit stammt der Schmiedeofen nach den in seiner Umgebung ebenfalls entdeckten Keramikfunden aus der Römerzeit. Möglicherweise wurde hier so genanntes "Bohnerz" verhüttet, das im Schwarzwaldvorland oberirdisch zutage tritt und in Fluorn bis 1862 in einer "Poche" verarbeitet wurde. "Archäologie oder Denkmalpflege ist wie ein Puzzlespiel", macht Bernd Pieper deutlich. "Je mehr Stückle man hat, desto klarer wird halt das Bild, wie es einmal in der Vergangenheit aussah im Ort." Bei der Begleitung der Baustelle hat sich das einmal mehr gezeigt.

Die noch freien Bauflächen von diesem Grundstück aus bis zum Römerkastell wurden deshalb als weiteres Bodendenkmal eingetragen, sodass zukünftige Baumaßnahmen auch in diesem Bereich grundsätzlich dem Landesamt für Denkmalpflege angezeigt werden müssen.