Die beiden Burladinger Rathausgebäude. Wer hier arbeitet, dem legt die Stadt einige Schmankerl drauf. Foto: Rapthel-Kieser

Fachkräfte zu finden und dann zu halten ist eine Kunst, die nicht jedes Unternehmen beherrscht. Die Burladinger Stadtverantwortlichen lassen sich was einfallen.

Die Klagen darüber, dass es ob des demografischen Wandels und einer angeblich sehr auf die Work-Life-Balance achtenden Generation Z nicht mehr genügend Fachkräfte gibt, hört man landauf landab in Industrie- und Handwerksbetrieben.

 

Und auch in so mancher Kommune. Wie Burladingen dem Trend trotzt, darüber sprachen wir mit Bürgermeister Davide Licht.

Herr Licht, im jüngsten Amtsblatt fällt auf: Die Stadt ist in vielfältigen Bereichen auf der Suche nach Mitarbeitern. Wie schwer ist es als Kommune, im Kampf um die weniger werdenden Fachkräfte mitzuhalten?

Es wird immer schwieriger, gutes und qualifiziertes Personal zu gewinnen und langfristig zu halten. Das betrifft den kommunalen Sektor derzeit im Allgemeinen, wenn man mit Kolleginnen und Kollegen spricht. Vor Jahren gab es pro Ausschreibung eine Vielzahl an qualifizierten eingehenden Bewerbungen, zwischenzeitlich oft nur sehr wenige, teilweise gar keine.

Stimmt die Mär von der besseren Bezahlung in der freien Wirtschaft versus öffentlicher Dienst?

Der öffentliche Dienst ist tarifgebunden (TVöD), somit sind die Handlungsspielräume deutlich weniger frei als in der freien Wirtschaft. Auch die Tarifvertragsparteien haben dies zwischenzeitlich erkannt und es gibt immer mehr Möglichkeiten etwas flexibler zu agieren. Dennoch sind die Gehälter nicht frei verhandelbar, und es gilt strenge Regelungen zu beachten. Somit kann der öffentliche Dienst auf den ersten Blick oft nicht mit der freien Wirtschaft mithalten. Dennoch gibt es viele attraktive Regelungen, die den öffentlichen Dienst wieder interessanter machen können.

Gilt das für alle Bereiche der kommunalen Pflichtaufgaben, oder gibt es Unterschiede?

Der Tarifvertrag gilt für die städtischen Beschäftigten in allen Bereichen.

Versuchen Sie Jobs bei der Stadt mit Benefits attraktiver zu machen?

Personalmarketing und Personalentwicklung sind ein laufender Prozess, der nie abgeschlossen sein wird. Wir versuchen hier ständig, Innovationen zu implementieren, um die Mitarbeiter langfristig binden zu können.

Der Burladinger Bürgermeister Davide Licht Foto: Stadt Burladingen

Nennen sie doch mal ein paar dieser Benefits.

Kostenloser Eintritt ins Hallenbad, Getränkespender, jährlicher Betriebsausflug, attraktive Arbeitszeitmodelle, Home-Office-Möglichkeiten, Städte- und Gesundheitskarte, Betriebliches Gesundheitsmanagement, kostenloses Yoga-Angebot, vergünstigter Thermeneintritt – um hier einmal die wichtigsten Benefits zu nennen.

Personelle Aderlässe waren jüngst im Bauamt und in den Kindergärten zu verzeichnen. Sind das die Bereiche, wo es eine Kommune besonders trifft?

Alle Bereiche sind hier im Grunde genommen gleichermaßen betroffen.

Welche Folgen kann das für Burladingen haben, wo ist das schon spürbar oder könnte es demnächst spürbar sein?

In den Kindergärten können vorübergehende Einschränkungen der aktuellen, weiträumigen Öffnungszeiten nicht mehr zu 100 Prozent ausgeschlossen werden, und in der Verwaltung können einzelne Prozesse gegebenenfalls mehr Zeit in Anspruch nehmen. Die Stadtverwaltung setzt selbstverständlich alles daran, dies zu verhindern und das für die Bürgerschaft so unmerklich wie nur möglich auszugestalten.

Im Gemeinderat haben Sie neulich sehr deutlich gesagt, dass die Verwaltung bis an ihre Grenzen arbeitet und wenn die gewählten Bürgervertreter mehr Leistung wollen, müssten Sie auch mit Neueinstellungen einverstanden sein. Gilt das noch? Und wenn ja wo besonders?

Die gesamte Verwaltung arbeitet derzeit am Anschlag. Die Vorschriften und Regeln, die es zu beachten gilt werden immer komplexer. Landes- und Bundesentscheidungen müssen oft innerhalb kürzester Zeit umgesetzt werden. Sollen also neben den steigenden Bürokratiehürden, Leistungssteigerungen erfolgen, wird dies ohne zusätzliche Fachkräfte nicht weiter möglich sein, um den Motor nicht über Gebühr im roten Drehzahlbereich laufen zu lassen. Deshalb ist ein schneller und ernst gemeinter sowie umfassender Bürokratieabbau aus Richtung Berlin und Stuttgart unerlässlich!