Einige ukrainische Staatsangehörige haben im Zollernalbkreis Arbeit gefunden. (Symbolfoto) Foto: Arne Dedert/dpa

Ein Ende des Krieges in der Ukraine scheint weit entfernt. Ukrainische Staatsangehörige sind daher auf der Zollernalb heimisch geworden. Wie wirkt sich das auf den Arbeitsmarkt aus?

Der Ausbruch des Russland-Ukraine-Kriegs im Februar 2022 war auch der Ausgangspunkt einer beispiellosen Fluchtbewegung von ukrainischen Staatsangehörigen nach Deutschland. Mit einher ging vielerorts die Hoffnung, dass die Geflüchteten den hiesigen Arbeitsmarkt entlasten. Wie stellt sich die Situation mehr als drei Jahre später im Zollernalbkreis dar?

 

So viele Ukrainer sind im Zollernalbkreis beschäftigt

Stand Dezember 2024 waren 483 Personen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit als sozialversicherungspflichtig beschäftigt mit Arbeitsort im Zollernalbkreis erfasst. Das berichtet Rolf Gehring, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Balingen, auf Anfrage unserer Redaktion. Er bezieht sich dabei auf die Beschäftigtenstatistik. Zum Vergleich: Im Dezember 2023 waren 313 Ukrainer sozialversicherungspflichtig beschäftigt gemeldet, im Dezember 2022 218. Ausschließlich geringfügig beschäftigt hingegen waren nach Gehrings Angaben im Dezember 2024 106 Ukrainerinnen und Ukrainer, im Jahr zuvor 122 und im Jahr 2022 79.

So viele Ukrainer sind arbeitslos gemeldet

Demgegenüber stehen die Zahlen arbeitslos gemeldeter Ukrainer: Im Zollernalbkreis waren dies im Berichtsmonat Juni 2025 603 Personen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit. Insgesamt wurden zu diesem Zeitpunkt 5065 Arbeitslose verzeichnet. Wichtig zu beachten: In der Statistik wird nicht nach dem Aufenthaltsgrund, sondern nur nach der Staatsangehörigkeit differenziert, aber laut Pressesprecher Gehring sei davon auszugehen, dass es sich zu einem sehr großen Teil um Geflüchtete handele.

Denn: Bis zum Beginn des Ukraine-Krieges habe es im Kreisgebiet in der Regel immer weniger als zehn ukrainische Arbeitslose gegeben.Auch hinsichtlich der arbeitslosen Ukrainer gibt es Vergleichszahlen zu den Vorjahren. Grundsätzlich betont Gehring: „Die Zahl stieg beginnend im Mai 2022 kontinuierlich stark an und erreichte mit 764 im November 2022 ihren Höchststand.“ Damals seien mehr als 17 Prozent aller Arbeitslosen im Kreis Ukrainer gewesen. Seither sei die absolute Zahl ukrainischer Arbeitsloser tendenziell rückläufig. Auch ihr Anteil an allen Arbeitslosen sei auf inzwischen weniger als zwölf Prozent zurückgegangen, weil insgesamt die Zahl der Arbeitslosen gestiegen sei.

Bedeutet konkret: Im Juni 2022 waren beispielsweise 3957 Personen im Kreis als arbeitslos gemeldet, davon 553 Ukrainer. Drei Jahres später sind es – wie beschrieben – 5065 Arbeitslose, darunter 603 Ukrainer. Im Juni 2023 lag die Zahl der als arbeitslos gemeldeter Ukrainer jedoch bei 658.

So viele Ukrainer erhalten Grundsicherungsleistungen

Und wie viele Ukrainer nehmen Leistungen aus der Grundsicherung in Anspruch? Ende Juni haben sich 1812 Ukrainer im laufenden Leistungsbezug, davon 619 im Alter bis 14 Jahre und 1193 über 15 Jahre befunden.

Die Leistungen aus der Grundsicherung seien die gleichen wie für alle anderen Bürgergeldempfänger und umfassen je nach individueller Sach- und Bedarfslage die Regelleistung, Kosten der Unterkunft, Kranken- und Pflegeversicherung, Leistungen für Bildung und Teilhabe und Leistungen zur Arbeitsmarktintegration, heißt es vom Pressesprecher der Arbeitsagentur Balingen weiter. Dass es Fälle gebe, bei denen Ukrainer in ihre Heimat zurückgekehrt seien und weiter Leistungen aus der Grundsicherung bezögen, sei dem für Ukrainer zuständigen Jobcenter nicht bekannt.

Es gilt: „Wenn die Ausreise mitgeteilt wird, werden keine weiteren Leistungen mehr bezahlt. Nach den Erfahrungen des Jobcenters werden Ausreisen in der Regel auch mitgeteilt“, erläutert Rolf Gehring.

So schätzen Arbeitsagentur und Jobcenter die Lage ein

Aus seiner Sicht, die sich mit der des Jobcenters decke, funktioniere die Integration der Ukrainer in den Arbeitsmarkt gut. Angesichts des Arbeits- und Fachkräftemangels habe es zu Beginn der Flüchtlingswelle aus seiner Sicht überzogene Erwartungen gegeben, wie gut und schnell ukrainische Geflüchtete auf dem Arbeitsmarkt fußfassen können.

Abgesehen davon, dass viele Geflüchtete zunächst selbst nicht haben einschätzen können, wie lange ihr Aufenthalt in Deutschland dauern würde, seien zu Beginn vor allem die Themen Spracherwerb und Kinderbetreuung ursächlich dafür gewesen, dass die Arbeitsmarktintegration nicht so schnell ging.

„Wir sehen aber, dass sich die Zahl ukrainischer Beschäftigter seit Ende 2022 mehr als verdoppelt hat, während im gleichen Zeitraum die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt rückläufig war.“