Die Arbeitslosigkeit ist im Januar gestiegen. Die Agentur für Arbeit steht vor vielen Herausforderungen – so wie ansässige Firmen wie Krug & Priester.
„Zu Beginn des Jahres sind wie immer im Januar deutlich mehr Menschen arbeitslos geworden als Arbeitslose einen Job finden konnten“, so schreibt es die Agentur für Arbeit in Balingen in einer Mitteilung und berichtet es auch während eines Betriebsbesuchs bei der Firma Krug & Priester.
In den vergangenen vier Wochen haben sich mehr als 2000 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Da nur knapp 1500 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden konnten, stieg insgesamt die Arbeitslosigkeit an.
Gestiegene Arbeitslosigkeit keine Überraschung
Zum Berichtstermin im Januar waren demnach 7790 Männer und Frauen ohne Beschäftigung, 550 (7,5 Prozent) mehr als um die Weihnachtszeit. Die Arbeitslosenquote für den gesamten Agenturbezirk klettert auf 4,2 Prozent und liegt damit genau im Landesschnitt.
„Die gestiegene Arbeitslosenzahl ist für uns keine Überraschung. Für den Anstieg der Arbeitslosigkeit im Januar sind in erster Linie saisonale Gründe ausschlaggebend“, erläutert Anke Traber, Leiterin der Agentur für Arbeit in Balingen bei dem Firmenbesuch.
„Das hat beispielsweise mit der Witterung zu tun, liegt aber auch am traditionellen Kündigungstermin und dem Ende vieler befristeter Arbeitsverträge zum Jahresende, die ebenfalls zu vermehrten Arbeitslosmeldungen führten“, so Traber weiter.
„Die Zunahme im Vergleich zum Vorjahr ist mit 6,8 Prozent etwas geringer und liegt auch unter dem landesweiten Zuwachs um rund 10 Prozent im Vergleich zu 2023“, ergänzt Rolf Gehring, Pressesprecher der Agentur für Arbeit.
Zurückhaltung der Arbeitgeber bei der Suche nach Arbeitskräften
Zu Beginn des Jahres hat die Nachfrage nach Arbeitskräften weiter nachgelassen. Die Zahl der neu gemeldeten Arbeitsstellen liegt mit rund 400 sowohl unter dem Dezemberwert als auch dem Vorjahreswert. Derzeit hat die Agentur für Arbeit etwas mehr als 3000 offene Stellen im Bestand.
Die Arbeitslosenquote ist in den Geschäftseinheiten des Agenturbezirks um zwei bis vier Zehntel gestiegen. Im Zollernalbkreis beträgt sie jetzt 4,4 Prozent, darunter Albstadt mit 5,3 Prozent, Balingen mit 3,6 Prozent und Hechingen mit 4,2 Prozent. Im Zollernalbkreis gibt es derzeit insgesamt rund 4850 Arbeitslose.
„Unser größtes Augenmerk legen wir aktuell auf die gut 4000 gemeldeten Arbeitslosen, die keine abgeschlossene Ausbildung vorweisen können“, erklärt Traber im Gespräch. „Das ist besorgniserregend.“ Die Herausforderung sei es, sich zu überlegen, wie man die Menschen dazu motiviert, eine Ausbildung zu machen.
1000 arbeitslose Ukrainer im Schnitt
Auch bei Krug & Priester sind einige Stellen offen, Azubis zu finden sei aber nicht das Problem beim Hersteller unter anderem von Aktenvernichter, Schneidemaschinen und Luftreiniger, berichtet Andreas Lingscheid, Kaufmännischer Leiter.
Vielmehr, heißt es seitens des Unternehmens, könne man die fertig ausgebildeten Arbeitskräfte nicht immer halten, da sie sich weiter fortbilden wollen oder wegziehen und dort einen anderen Job suchen.
Eine weitere Aufgabe, vor der die Arbeitsagentur steht, ist die Vermittlung ausländischer Arbeitsloser. Im Schnitt waren die letzten Monate unter den arbeitslos gemeldeten Personen im Agenturbezirk rund 1000 Ukrainer.
Krug & Priester schaut verhalten optimistisch ins Jahr 2024
„Vor allem die Sprachbarriere ist eine große Barriere bei der Arbeitsplatzvermittlung“, erklärt Traber. Das Problem: Es werden nicht genug Sprachkurse angeboten. Lingscheid berichtet von einem eingestellten Ukrainer, für den man eigenständig einen Sprachkurs organisiert hatte. Ansonsten würde der Mann womöglich noch heute auf einen Kursplatz warten. „Da erwarten wir mehr beherzteres Handeln seitens der Politik.“
Und wie sieht der Ausblick aus für das Jahr 2024? „Verhalten optimistisch“, beschreibt Lingscheid. Man sei aktuell leicht über Plan, habe sich aber auch von der Energiekrise erholen müssen. Ein Stellenabbau wie bei Bizerba droht laut den Unternehmern bei Krug & Priester nicht.
Dennoch blicke man mit Sorge auf den stetig wachsenden Protektionismus in anderen Ländern sowie immer mehr Regularien und Bürokratie, sagt Unternehmer Daniel Priester. Die Anhebung des Hebesatzes der Gewerbesteuer in Balingen dagegen sieht man bei Krug & Priester vergleichsweise gelassen.