Die Kurzarbeit in der Region nahm zum Jahresende 2021 wieder zu. Foto: ©­Dominik Neudecker– stock.adobe.com

Der Arbeitsmarkt in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg wird weiter von der Corona-Pandemie dominiert. Im Dezember 2021 wurden 8812 Arbeitslose im Agenturbezirk gemeldet. Die Kurzarbeit nimmt wieder zu.

Kreis Rottweil - Auf dem Arbeitsmarkt in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg brachte der Dezember einen weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit, wie die Agentur für Arbeit in Rottweil in einer Pressemitteilung bekanntgibt. Entgegen dem saisonalen Trend sank der Bestand an Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat leicht um 61 auf 8812 Personen.

Arbeitslosigkeit sinkt um 24 Prozent

Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren 11 512 Menschen arbeitslos, rund 24 Prozent mehr als jetzt. Die Arbeitslosenquote in der Region liege mit 3,1 Prozent unter dem Landesschnitt von aktuell 3,4 Prozent. Aber: Betriebe meldeten jedoch im Dezember wieder verstärkt Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit an. "Ausgefallene Weihnachtsfeiern und Familienfeste, gesunkene Kundenfrequenzen und Umsätze sorgen in der vierten Corona-Welle für Ernüchterung bei vielen Betrieben", erklärt Sylvia Scholz, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Rottweil-Villingen-Schwenningen.

Insbesondere im Gastgewerbe, bei Friseuren und im Einzelhandel werde aktuell wieder vermehrt auf Kurzarbeit gesetzt. In Zahlen drückt sich der Trend wie folgt aus: 188 Betriebe zeigten Kurzarbeit für 2797 Beschäftigte an, mehr als doppelt so viele Anzeigen wie im Vormonat. "Wir rechnen auch im Januar mit einem erhöhten Anzeigenvolumen. Zu den Neu- und Verlängerungsanzeigen für konjunkturelles Kurzarbeitergeld kommen in den Wintermonaten erwartungsgemäß noch die Anzeigen für saisonales Kurzarbeitergeld aus dem Baugewerbe."

Scholz empfiehlt: Kurzarbeit produktiv nutzen

Scholz empfiehlt den Unternehmen, Zeiten der Kurzarbeit mit Qualifizierung zu verknüpfen: "Demografie, Digitalisierung und neue Technologien erhöhen den Fachkräftebedarf und verändern die Anforderungen an berufliche Kenntnisse. Betriebe, die sich für die Zukunft gut aufstellen und in Weiterbildung investieren möchten, erhalten vom Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit individuelle Beratung und Unterstützung."

Eine Bilanz zum Arbeitsmarkt 2021 gibt es dazu: Prägend sei natürlich das Corona-Geschehen mit sich abwechselnden Einschränkungen und Öffnungsschritten im öffentlichen und privaten Leben gewesen. Der Arbeitsmarkt habe sich trotz dieser Schwankungen robust gezeigt.

Jugendliche profitieren von Arbeitsmarkt-Erholung

So fiel die Zahl der Arbeitslosen in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg 2021 durchschnittlich um 9,4 Prozent niedriger aus als im Jahr zuvor. Im Jahresmittel waren in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg 10 216 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet, 1066 Personen weniger als 2020. Nachdem die Zahl der jungen Arbeitslosen (unter 25 Jahren) zu Beginn der Corona-Krise überdurchschnittlich stark zugenommen hatte, profitierten die jungen Menschen 2021 besonders von der Erholung am Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit sank in dieser Altersgruppe gegenüber dem Vorjahr um 23,3 Prozent.

Auch in der Versicherung schlägt sich der Trend nieder: Die Belebung auf dem Arbeitsmarkt hatte 2021 im Bereich der Arbeitslosenversicherung zu deutlich sinkenden Arbeitslosenzahlen geführt, in der Grundsicherung fiel der Rückgang dagegen verhaltener aus, so die Arbeitsbehörde. Die Erklärung: Der stärkere Rückgang der Arbeitslosigkeit im Bereich der Arbeitslosenversicherung ist darauf zurückzuführen, dass sich in diesem Rechtskreis überwiegend Personen befinden, die ihre Beschäftigung erst kürzlich verloren und vergleichsweise gute Chancen auf einen neuen Job haben.

Daher reagiere dieser Bereich üblicherweise stärker auf konjunkturelle Entwicklungen als der Bereich der Grundsicherung, wo sich ein höherer Anteil an verfestigter Arbeitslosigkeit befindet.

Anteil der Langzeitarbeitslosen erhöhte sich

Wie sieht es im Bereich Langzeit-Arbeitslosigkeit aus? Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen hat sich im Jahr 2021 deutlich erhöht und lag im Dezember bei 32,4 Prozent (2020: 23,5 Prozent).

Die Beschäftigung ist im ersten Halbjahr leicht gestiegen. Zum Stichtag am 30. Juni 2021 belief sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Bezirk der Agentur für Arbeit auf 214 190 Personen. Gegenüber dem Vorjahresquartal ist das eine Zunahme von 0,9 Prozent. Nach Branchen gab es die stärkste Zunahme in der Arbeitnehmerüberlassung (plus 49,5 Prozent); am ungünstigsten war dagegen die Entwicklung im Gastgewerbe (minus 4,9 Prozent).

Die Stellen-Anzahl steigt: Im Jahresschnitt 2021 lag die Zahl bei 5428 Arbeitsstellen. Das waren rund ein Drittel mehr als im Vorjahr (2020: 4264). Die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt weiterhin hoch: Im Dezember wurden 1756 neu zu besetzende Arbeitsstellen gemeldet (306 mehr als im November).

Wer wird gesucht? Nachgefragt wurden Mitarbeiter vor allem in den Berufsgruppen Metallbearbeitung, Maschinenbau- und Betriebstechnik sowie Lagerwirtschaft und Post. Von den Angeboten richten sich 53 Prozent an Fachkräfte, 28 Prozent an Helfer und 19 Prozent an Experten.

Verlauf der Kurzarbeit entspricht Pandemie-Geschehen

Der Verlauf der Kurzarbeit spiegelt das Infektionsgeschehen wider: Die Zahl der Anzeigen und die Zahl der in den Anzeigen genannten Personen nahm im Jahresverlauf 2021 ab und erreichte im August ihren Tiefpunkt. Seit September steigen die Zahlen wieder. Nach Branchen betrachtet gingen 2021 die meisten Anzeigen für Kurzarbeit aus dem Einzelhandel (157), der Erbringung von sonstigen überwiegend persönlichen Dienstleistungen – dazu zählen unter anderem Friseurbetriebe – (103), dem Handel mit Kraftfahrzeugen (84) und aus der Gastronomie (82) ein.

Nachwuchskräfte gesucht

Dringend gesucht werden gut ausgebildete junge Menschen: Das Angebot an Ausbildungsstellen (4058) lag wie in den vorangegangenen Jahren deutlich über der Zahl der Bewerber (2739). Im Agenturbezirk mit seinen drei Landkreisen kamen im Berichtsjahr 2020/21 auf 100 gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen rein rechnerisch nur 67 gemeldete Bewerber. Die Zahl der gemeldeten Stellen sank um 8,7 Prozent, die Zahl der Ausbildungssuchenden um 9,5 Prozent. Die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie wird auch den Arbeitsmarkt im Kreis Rottweil im Jahr 2022 nachhaltig beeinflussen.