Bernado Buhmann arbeitet zusammen mit seiner Frau Lorena als Schausteller. Foto: Anita Indri-Werner

Es gibt gebrannte Mandeln und viel Vergnügen durch die Fahrgeschäfte. Der Rummel hat aber auch eine andere Seite, er ist Arbeitsplatz. Drei Familien geben Einblick in ihr Leben.

Am Sonntag war der Rummel auf dem LGS Gelände sehr gut besucht. Besonders Familien mit Kindern zog es zu den bunten, glitzernden  Buden und Attraktionen. In so manchem Erwachsenen weckte der Rummel schöne Erinnerungen an die eigene Kinderzeit. Diese Eindrücke an die eigenen Kinder weiterzugeben, das ist oft die Motivation für den gemeinsamen Rummelbesuch.

 

In der Luft ein Duft von Bratwürsten, gebrannten Mandeln und frischen Crêpes. Doch das bedeutet nicht für alles pures Vergnügen und Spaß. Was bewegt die Schausteller mit ihren Fahrgeschäften von Ort zu Ort zu ziehen? Unsere Redaktion hat sich umgehört.

Oliver Hirschber und Christine Gierenz-Hirschberg Foto: Anita Indri-Werner

Oliver Hirschberg ist mit seinem Süßigkeiten-Stand in der ganzen Region bis nach Waldshut unterwegs. In der vierten Generation betreibt er mit seiner Frau Christine Gierenz-Hirschberg, die aus einer alten Friedlinger Schaustellerfamilie stammt, dieses Geschäft. Am Eröffnungstag sei es extrem nass gewesen. Bis der Regen eingesetzt habe, sei es recht gut gelaufen, danach allerdings wurde der Platz leer.

Der Standort passt, durch die Straße aus der Schweiz

„Gut für den Standort auf dem LGS-Parkplatz ist die aus der Schweiz kommende, vorbeiführende Straße“, sagt Hirschberg. Immer wieder hielten Fahrzeuge an, um den Rummel zu besuchen.

Guter Start nach Corona-Einschränkungen

Kurz nach Corona war das Geschäft sehr gut angelaufen. Zwischenzeitlich habe sich das jedoch wieder normalisiert. Warum er und seine Frau Schausteller seien? „Ganz einfach, wir können nicht anders“, sagt Hirschberg und wendet sich wieder seinem Kupfertopf zu, in dem die gebrannten Mandeln entstehen.  

In ganz Baden-Württemberg sind Buhmanns unterwegs

Bernado Buhmann und seine Frau Lorena, die ebenfalls aus einer Schaustellerfamilie stammt, betreiben einen Bratwurststand und das Bungi Yumping. Fast ganz Baden-Württemberg und dem Umkreis von Stuttgart gehört zu ihrem Arbeitsfeld. Konstanz, Rottweil, Breisach oder Freiburg, überall dort ist die Familie Buhmann zu finden.

Zwischendurch Gärtner, Elektriker und Klempner

Zwei Jahre lang konnte der Betrieb nicht laufen, erzählt Buhmann. In dieser Zeit habe er auf Baustellen, als Gärtner oder bei Entrümpelungen mitgearbeitet. „Ich kann so gut wie alles“, stellt er fest. Ob Elektriker, Klempner, Manager, egal, ihm sei keine Arbeit fremd.

In fünfter Generation führt er seinen Betrieb. Der Beruf des Schaustellers liege ihm „im Blut“. „Ich kann mir mein Leben ohne die Schaustellerei nicht vorstellen“, sagt der Unternehmer. Paul Scheurer arbeitet seit drei Jahren als Mitarbeiter beim Karussell. Er war schon öfters in Weil dabei, stellt er fest. Das ganze Jahr über sei er, ob an Straßenfesten oder auf dem Rummel, unterwegs. Der Chef habe noch einen Genussstand, so stehe das Unternehmen auf zwei Beinen.

Beim Dancer arbeiten Robert Nickel mit Frau und Tochter

Ein Stück weiter ist Robert Nickel, der mit seiner Dancer Schaukel, vor Ort ist. Seine Frau und seine Tochter helfen mit. Im Sommer kommt noch ein Mitarbeiter in den Familienbetrieb. Die Kosten für Diesel, Strom, die geplante Mehrwertsteuererhöhung  und Versicherungsbeiträge  sowie das schlechte Wetter machten das Leben eines Schaustellers immer schwerer, stellt Nickel  fest. Mit seinem Dancer ist er in ganz Deutschland unterwegs. Er bewerbe sich an Veranstaltungen, wenn die Zusage kommt, könne ihn das bis nach Hamburg führen.

Robert Nickel Foto: Anita Indri-Werner

Nach Corona hätte ein Ansturm stattgefunden. Heute werde die Nachfrage geringer, weil das Geld nicht mehr so locker sitze, stellt der Schausteller fest.  Der gelernte Metallbauer und Lastwagen-Fahrer hat sich einst aus familiären Gründen für die Schaustellerei entschieden. Und, ganz klar „auch die Leidenschaft für diesen Beruf“ spielte eine Rolle. „Seit ich denken kann, ist meine Familie Schausteller.“

Kosten machen Schaustellerei kaputt

Nickel äußert Bedenken, dass die Schaustellerei durch die vielen Auflagen und Kosten letztendlich „kaputt gemacht wird“.

Von allem dem wissen und merken die Besucher, die sich auf dem Rummel amüsieren, nichts. Bei den Boxautos duellieren sich Vater und Sohn, stoßen absichtlich zusammen und haben ihren Spaß. Es ist Rummel – so wie ihn die meisten kennen, als Vergnügen.

Öffnungszeiten

Der Rummel auf dem LGS-Gelände geht bis Ostermontag täglich ab 13 Uhr los – am Karfreitag bleibt er geschlossen. An den Kindertagen am Mittwoch und Donnerstag, 1. und 2. April, gibt es Preisermäßigungen.