Der Bundestrend schlägt sich auch im Schwarzwald-Baar-Kreis nieder: Die Zugangszahlen der Flüchtlinge gehen zurück. Und das hat Auswirkungen auf die Unterkünfte in Schwenningen und Umgebung, wie bei der jüngsten Sitzung des Arbeitskreises Asyl deutlich wird.
„Die Zugangszahlen halbieren sich gerade“, berichtet Ivan Horpyniuk in der jüngsten Sitzung des Arbeitskreises Asyl. Er ist beim Deutschen Roten Kreuz angestellt und für die Gemeinschaftsunterkünfte in der Schwenninger Sturmbühlstraße sowie im ehemaligen Heilig-Geist-Spital in Villingen zuständig und macht derzeit noch Vertretungsdienst für die Unterkunft in der Schwenninger Alleenstraße. Waren es im Dezember noch 40 Flüchtlinge, die dem gesamten Schwarzwald-Baar-Kreis zugewiesen wurden, seien es im Januar nur noch 20 Personen gewesen. Der Grund? Ivan Horpyniuk ist sich nicht sicher – möglicherweise aufgrund der Grenzkontrollen, meint er.
210 Flüchtlinge in Schwenninger Unterkünften
Dennoch oder gerade deswegen gibt es Umstrukturierungen bei der Unterbringung der Flüchtlinge: Denn Mitte des Jahres wird bekannterweise eine neue Gemeinschaftsunterkunft in der Lupfenstraße eröffnen. Der Landkreis hat das Hochhaus Nummer 59 gekauft und baut es derzeit um. Während die Unterkunft in der Sturmbühlstraße, in der laut des Sozialarbeiters derzeit 130 Flüchtlinge untergebracht sind, wird der Mietvertrag für das Gebäude in der Alleenstraße, wo derzeit 80 Personen leben, auslaufen.
Kauf statt Miete
Gleichzeitig werden sowohl in Königsfeld als auch in Donaueschingen die dortigen Unterkünfte, die angemietet waren, in den nächsten Monaten schließen, berichtet Reinhold Hummel, der die AK Asyl-Sitzung zusammen mit Hans-Ulrich Hofmann leitet. Die Flüchtlinge sollen dann in die neue Gemeinschaftsunterkunft in Bad Dürrheim, die ebenfalls vom Landkreis gekauft wurde, umziehen. Der Landkreis versuche mittlerweile, die Flüchtlinge in eigenen Häusern unterzubringen, interpretiert Reinhold Hummel die Neuerungen. In den gemieteten Objekten seien die Mieten längerfristig zu teuer.
Kritik an Umzugsplänen
Doch die Pläne stoßen nicht bei allen Anwesenden auf bloße Zustimmung: Denn es sei für einige Flüchtlinge bei Weitem nicht der erste Umzug innerhalb von kurzer Zeit, berichtet eine Ehrenamtliche aus Erfahrung, und das sei besonders für schulpflichtige Kinder, die sich gerade erst an die neue Schule gewöhnt hätten, zum Nachteil. „Die Verschieberei der Flüchtlinge ist keine gute Sache“, meint derweil Albrecht Benzing, und Hans-Ulrich Hofmann findet: „Es ist einfach ein schlechter Zeitpunkt während des Schuljahres.“
Fragen zum Asylrecht
Etwas mehr Klarheit in das komplexe Asylrecht hineinbringen kann Rechtsanwalt Ullrich Hahn, der bereits in der vergangenen Sitzung auf gezielte Fragen der Anwesenden eingegangen ist. Diesmal geht es um syrische Flüchtlinge, die sich im Asylverfahren befinden, um die Arbeitserlaubnis bei Flüchtlingen sowie um den „schillernden“ Begriff der Illegalität, der erstmal noch gar nichts aussagt, betont der Rechtsanwalt. Flüchtlinge kämen automatisch ohne Genehmigung über die Grenzen, hätten durch die Genfer Flüchtlingskonvention aber einen Anspruch auf Prüfung eines legalen Aufenthaltsstatus. Gleichzeitig müssten sie sich aber bei der jeweiligen Landeserstaufnahme melden, so Ullrich Hahn.
Projekte mit großer Resonanz
Andrea Thies ist seit Juli beim Projekt Kirchliche Flüchtlingsberatung der Diakonie in Schwenningen beschäftigt und gehört zum Steuerungsteam des AK Asyl. Seither führt sie zusammen mit Sara Löhe die Geschicke weiter, die einst Evelyn Preuß leitete. Die Projekte, die vom Arbeitskreis Asyl initiiert werden – sowohl bereits bestehende als auch neue – erfahren überall eine gute Resonanz, berichtet Andrea Thies. Da sind das Café am Morgen, der Frauentreff am Nachmittag, die Schreibstube, der Alphabetisierungskurs oder, ganz neu, die Veranstaltung Musik am Montag. Zum jüngsten Konzert seien 50 Gäste gekommen, blickt Thies zurück. Sie zeigt sich erfreut, wie sehr sich die Ehrenamtlichen überall einbringen.
Neuer Sprachtreff
Ein regelmäßiger Austausch erfolgt zwischen dem Arbeitskreis Asyl und dem Integrationsmanagement der Stadt Villingen-Schwenningen. Zu Besuch ist Anette Hug-Kalisch, Leiterin des Sachgebiets Integration beim Amt für Jugend, Bildung, Integration uns Sport, die für das neueste Projekt Coffee & Connect wirbt. Jeden zweiten und vierten Dienstag im Monat wird Flüchtlingen in der Stadtbibliothek am Muslenplatz ein neuer Treffpunkt geboten. Zusätzlich zu den verschiedenen Sprachkursen der Volkshochschule sollen die Nicht-Muttersprachler dadurch die Möglichkeit bekommen, ihren Wortschatz durch Alltagssprache zu ergänzen.