Wer bezahlbaren Wohnraum sucht, tut dies aktuell in der Regel auf allen Wegen – aus purer Wohnungsnot heraus. Foto: Zinken

Eine angespannte Wohnraumsituation, bis auf den letzten Platz belegte Gemeinschaftsunterkünfte und diverse Möglichkeiten sich als Pate für neu ankommende Flüchtlingen sozial zu engagieren beschäftigen den Arbeitskreis Asyl in Schwenningen.

VS-Schwenningen - Reinhold Hummel, Mitglied des Leitungsgremiums im Arbeitskreis, tangierte mit seinen Ausführungen zur Wohnraumsituation ein Thema, das ursprünglich den Großstädten und Ballungszentren vorbehalten war. Die Suche nach Wohnraum für Flüchtlinge gerät zur Herkulesaufgabe. Detailliert führte er aus, dass diese Zeiten vorbei sind und sich der freie bezahlbare Wohnraum auch in Schwenningen zu einem raren Gut entwickelte.

Wohnungen die schlecht unterhalten oder in einem schlechten hygienischen Zustand sind, seien vorhanden. Doch wer mehr erwartet, schaue meist in die Röhre.

Kommunalpolitik sei gefordert

Hummel sieht die kommunale Politik gefordert, diesem Missstand zu begegnen. Sie sichert sich langfristig Grundstücke, die sie für den Bau von günstigem Wohnraum freihält.

Auflagen bezüglich bezahlbaren Grundstücken und eine Wohnrauminitiative die Konzepte für bezahlbaren Wohnraum aufstellt zählte er ebenfalls dazu.

In diesem Zusammenhang nannte er auch die finanzielle Ausstattung der Wohnbaugesellschaft für verbesserungsfähig. Nach seiner Meinung lässt aber auch das Engagement von privater Seite zu wünschen übrig. So sind für ihn leerstehende Mietwohnungen oder nicht genutzter Wohnraum in den Städten und Dorfkernen unerklärlich. Auch das Problem der Baulücken oder das verdichtete Bauen könnte in Zusammenhang mit fehlendem günstigem Wohnraum eine weitere Betrachtungsweise erfahren.

Plötzlich haben alle ein Ziel

Der ursprünglich von Hummel als informeller Anstoß gedachte Input zur knappen Wohnraumsituation mobilisierte die Anwesenden. Spontan beschlossen sie eine Gruppe zu gründen, die sich um die Problematik des sozialen Wohnungsbaus kümmert, Konzepte erstellt und in Gesprächen mit der Stadt und Bürgern unterschiedliche machbarer Möglichkeiten abzuklären, wie sich die Wohnraumsituation verbessern lassen könnte. Auch soll eine zentrale Stelle geschaffen werden, welche die Migranten in den Gesprächen mit den Vermietern unterstützt.

"Jeder Bewohner ist anders"

Neuer Leiter der Gemeinschaftsunterkunft in der Sturmbühlstraße ist Marc Langer, der im September 20222 zum Team gestoßen ist. Er berichtete von einer attraktiven, fordernden Aufgabe die als Grundvoraussetzung Agilität und Kompromissbereitschaft fordert. "Jeder Bewohner ist anders, bringt andere Probleme und Wünsche mit", berichtete Langer von Menschen aus unterschiedlichen Nationen. Meist kommen die Männer zuerst, eventuell kommen die Familien nach.

Ehrenamtskoordinatorin Evelyn Preuß berichtete von den Projekten des AK Asyl die sich vom Sprach Café mit Kinderbetreuung bis zu den Sprachkursen jeden Mittwoch ab 9.30 Uhr im Muslenzentrum erstrecken. Auf Anhieb erfolgreich war das vom Land geförderte Projekt Stärkung und Empowerment für Frauen. Nächster Termin ist der 15. Dezember um 17 Uhr im Café in der Muslen 8. Ziel ist es das soziale Netzwerk der Frauen in den Begegnungen zu stärken.

80 Paten sind für Flüchtlinge da

Barbara Brandes dankte den mehr als 80 Paten die sich bereit erklären den Flüchtlingen und Neubürgern die Integration zu erleichtern, sie bei der Wohnraumsuche, bei einem Deutschkurs oder in bürokratischen Angelegenheiten zu unterstützen. "Oftmals entstehen persönliche Bindungen", weshalb weitere Paten jederzeit willkommen sind. "Jede Übernahme einer weiteren Patenschaft trägt dazu bei, dass wir uns noch intensiver um die Neubürger kümmern können." Interessierte erhalten Auskunft von Evelyn Preuß per Email an Evelyn.Preuss@diakonie.ekiba.de oder telefonisch unter der Nummer 07720/30 13 52.