Beim Fest zum zehnjährigen Bestehen gab es auch eine Talkrunde, Foto: Recklies

Der Arbeitskreis Asyl in Schömberg setzt mit seinem Tun seit Jahren Maßstäbe bei der erfolgreichen Integration geflüchteter Menschen. Jetzt gab es ein Fest.

Der Schömberger Arbeitskreis Asyl hat mit seinen Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen einmal mehr bewiesen: Mit gut gemachter Integrationsarbeit kann es hervorragend gelingen, Menschen unterschiedlichster Kulturen zusammenzubringen. Mehr noch. Es können freundschaftliche Bande zwischen Einheimischen und Geflüchteten geknüpft werden, die über viele Jahre festen Bestand haben.

 

Im Beisein von rund 250 Gästen blickten Ulrike Berkholz und Tino Bayer, die gemeinsam die Doppelspitze des AK Asyl in der Glücksgemeinde bilden, mit einer Reihe von Mitstreiterinnen auf eine Dekade des erfolgreichen Wirkens zurück. In fast allen Beiträgen, mit denen die erfolgreiche Flüchtlingsarbeit beleuchtet wurde, ist eins klar geworden: Das Erlernen der Sprache ist der zentrale Schlüssel für eine erfolgreiche Integration.

Menschen aus aller Welt

Was 2015 noch in Form eines lockeren Zusammenschlusses hilfsbereiter Bürger in Schömberg begann, ist unter dem Dach des Vereins Menschen helfen Menschen im Jahr darauf zu einem strukturierten Arbeitskreis geworden. Dessen Arbeit mündete vor zwei Jahren schließlich in der Gründung eines eigenen Vereins.

Vielfältiges Tun

Diesem geht es durch sein vielfältiges Tun primär darum, Menschen aus aller Welt in ihrer neuen Heimat zu integrieren. Dies insbesondere durch Hilfsangebote, Sprachkurse und durch eine intensive Begleitung auf dem Weg in einen strukturierten Alltag. Möglichst auch durch die Vermittlung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen.

Moderiert von Tino Bayer schilderten in einer Talkrunde Hiltrud Größ, Patin des heute als Schreiner in Schömberg tätigen Mohammad Ali Rezai, dessen Klassenlehrerin Elke Henn von den Beruflichen Schulen Bretten, sowie Emran Guk, Mohammad Alizada und Schreinermeister Raphael Burgbacher davon, welcher Voraussetzung es bedarf, um Geflüchteten eine Zukunftsperspektive zu bieten.

Blick in den Festsaal Foto: Recklies

Für Henn ist es primär die Verzahnung verschiedener Hilfsangebote, die für eine erfolgreiche Integrationsarbeit erforderlich sind. Burgbacher sieht vor allem die eigene Zielstrebigkeit der Betroffenen als einen Schlüssel auf dem Weg zum Erfolg – „und das schnelle Erlernen der Sprache“.

Bereitschaft von beiden Seiten

Nicht zuletzt müsse aber auch eine Bereitschaft von beiden Seiten bestehen, vorbehaltlos aufeinander zuzugehen, wie Hiltrud Größ erläuterte. Dass auch das freundschaftliche Miteinander und ein Austausch unter den Flüchtlingen wichtig ist, darauf verwiesen Emran Guk und Mohammad Alizada, die seit Jahren mit Rezai freundschaftlich verbunden sind. Beide haben auch beruflich ihren Weg gemacht. Sie sind in der Pflege beziehungsweise in der Jugendhilfe tätig.

Finanzielles Engagement

Dass Schömberg mit seinem Modell der Sprachpatenschaft ein bundesweit einmaliges Projekt auf den Weg gebracht hat, davon ist der Integrationsmanager Markus Becker überzeugt.

In Schömberg warte man nicht darauf, dass den Menschen Sprachkurse erst dann zuteil werden, wenn deren Aufenthaltsstatus geklärt ist. Insbesondere durch das finanzielle Engagement von zahlreichen Firmen werde allen Geflüchteten gleichermaßen von Anfang an die Möglichkeit geboten, die deutsche Sprache zu erlernen. Was Inge Hinz als eine der Deutschlehrerinnen besonders freut: die Schülerinnen und Schüler, gleich welchen Alters oder welcher Herkunft, seien in den meisten Fällen sehr motiviert.

„Wir schaffen das“

Gabriele Freimüller berichtete unter anderem von den großen bürokratischen Herausforderungen, mit denen sie ab Anfang 2016 konfrontiert gewesen ist, als der AK Asyl mit seinen damals 40 ständig aktiven Mitgliedern seine Arbeit aufgenommen hat.

Der ehemalige Schömberger Pfarrer Johannes Luithle verwies indes auf das große Engagement der Schömberger, die sich das Motto „Wir schaffen das“ von Bundeskanzlerin Merkel sehr zu Herzen genommen und aktiv gehandelt hätten. Die Flüchtlinge, so sieht es Luithle, seien zudem ein Glück für die Glücksgemeinde.

Schömbergs Bürgermeister Matthias Stepan, der die internationale Gästeschar mehrsprachig willkommen hieß, ist „besonders stolz auf die Arbeit des Arbeitskreises Asyl und des Integrationsbeauftragten“. Es gelinge wunderbar, die Menschen zusammenzubringen.

„Sicherer Hafen“

An die vielen Geflüchteten, die an der Feier teilnahmen, richtete Stepan den Wunsch, „bringen Sie sich ein“, verbunden mit der Hoffnung, dass die in Schömberg lebenden Geflüchteten in der Glücksgemeinde „einen sicheren Hafen finden“.

Dank und Anerkennung gab es schließlich für Georg Hummler, den Flüchtlingsbeauftragten der katholischen Kirche. Er habe stets seine Stimme gegen Ungerechtigkeiten und für die Menschen erhoben, wie Berkholz und Bayer ausführten.

Mit Jonglagedarbietungen, Liedpräsentationen des „The Voices“-Chores und klassischer Musik sowie Klängen aus der Ukraine war auch für die Kurzweil der Gäste bei dem Fest gesorgt.