Ohne halbwegs taugliche Sprachkenntnisse ist es nichts mit der Integration. Deshalb bietet der AK Asyl seit langer Zeit Kurse an. Neue Sprachlehrer sind jetzt gesucht.
Die Fortschritte hat man selbst erleben können, wenn man das „Refugio“ zum Mittagstisch im Restaurant aufsucht: Zunächst war die sympathische Ukrainerin beim Servieren äußerst zurückhaltend, weil die Verständigung für beide Seiten etwas schwierig war. Inzwischen ist das längst kein Thema mehr, und das Deutsch der Frau ist nach einem knappen Jahr beinahe hervorragend. Möglich machen es die Sprachkurse im „Refugio“.
Der Arbeitskreis Asyl Hechingen betreibt in dem Flüchtlingsprojekt neben dem Restaurant auch eine Sprachschule. Dort kann auf fünf unterschiedlichen Niveaus gelernt werden. Das Besondere: Die Teilnahme ist jederzeit sofort und ohne Wartezeit möglich. Dieses Angebot richtet sich an Menschen, die gerade erst in Deutschland angekommen sind, aber auch an schon länger hier lebende Menschen, die ihre Deutschkenntnisse erweitern und verfeinern wollen.
Ohne Sprache gibt es keine Teilhabe
Beim Arbeitskreis weiß man längst: Ohne Sprache gibt es keine Teilhabe. Deshalb ist es wichtig, dass schnell und ohne großen Aufwand (Anmeldung, Wartezeit, Kosten) mit dem Erlernen der deutschen Sprache begonnen werden kann.
Ein besonderes Lernangebot ist die Freiarbeit, informiert der AK Asyl. Die Schüler und Schülerinnen können dabei mit unterschiedlichen Materialien und in ihrem Tempo selbstbestimmt und mit Unterstützung den erlernten Stoff erweitern und vertiefen. Das Material für diese freie Form des selbstbestimmten Lernens wurde und wird von den Deutschlehrerinnen und -lehrern entwickelt, zusammengestellt und begleitet.
Der Arbeitskreis unterstreicht: „Dieses großartige Angebot kann es nur geben, weil engagierte Menschen sich hier ehrenamtlich in ihrer Freizeit einbringen.“ Um der Nachfrage gerecht zu werden, sucht der Arbeitskreis jetzt weitere Lehrerinnen und Lehrer.
„Deutsch ist eine schwierige Sprache“
Diese erzählen über ihre Arbeit: „Sich als Deutschlehrerin oder -lehrer zu engagieren, ist keine Einbahnstraße. Es macht Freude, wenn sich die Teilnehmenden von Mal zu Mal immer besser ausdrücken können. (Das betrifft allerdings nur die, die auch die Hausaufgaben machen!) Wir haben meist viel Spaß miteinander und lachen viel über missglückte Pantomimen oder Zeichnungen an der Tafel, wenn ich neue Wörter erkläre.“
Oder auch dieses: „Sobald ein gewisses Können der Sprache vorhanden ist, nehmen viele eine Arbeit an. Das freut mich immer sehr. Durch mein Unterrichten habe ich selbst eine andere Wahrnehmung unserer deutschen Sprache und ihrer Komplexität, weil ich viele Regeln und Grammatik erklären muss. Deutsch ist eine schwierige Sprache.“ „Was für mich speziell meine Geduld mit den Schülern wachsen lässt, ist die Tatsache, dass ich selbst gerade seit einiger Zeit Französisch lerne und erkenne, wie schwer es für Erwachsene ist, eine neue Sprache zu lernen.“ (Annette)
Kürzungspläne erschweren Spracherwerb
„Ich unterrichte, weil ein guter Start in die deutsche Sprache erst die Teilhabe am Leben in Deutschland ermöglicht. Und es ist eine unglaublich bereichernde Erfahrung, dabei zu helfen, diese Hürde zu nehmen.“ (Evelyn)
Durch die Kürzungspläne an den Integrationskursen, die das Innenministerium beschlossen hat, werde die Möglichkeit des Spracherwerbs für Menschen, die nach Deutschland kommen und sich einbringen wollen, erschwert oder gar verunmöglicht, warnt der Hechinger Arbeitskreis. Diese Entscheidung wiederum erfordere eine „zivilgesellschaftliche“ Antwort: „Menschen brauchen eine Perspektive. Hierzu können Deutschunterrichtende einen Beitrag leisten.“
An diese E-Mail Adresse können sich Interessenten und Interessentinnen wenden: deutsch@ak-asyl-hch.de