Insbesondere Jobs in der Industrie fielen laut Agentur für Arbeit im vergangenen Jahr in der Ortenau weg. Gleichzeitig nahmen die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse in der öffentlichen Verwaltung und im Gesundheitswesen zu. Foto: Kalaene/dpa

Weniger Jobs im verarbeitenden Gewerbe, mehr Teilzeitarbeit, mehr Unterstützungsbedarf – die Arbeitsmarktbilanz 2025 fällt sehr durchwachsen aus.

„Die wirtschaftliche Transformation geht schleppend voran, die Investitionen sind rückläufig, Neugründungen in der Industrie gibt es kaum – es fehlt einfach an Dynamik“, fasste Theresia Denzer-Urschel, Chefin des Arbeitsagentur Offenburg, die Lage zusammen. Gemeinsam mit Sozialdezernent Heiko Faller und Jobcenter-Leiterin Silvia Kimpel präsentierte sie am Dienstag die Arbeitsmarktbilanz des vergangenen Jahres.

 

Im Vergleich zu 2024 verzeichnete die Arbeitsagentur im Schnitt ein Zehntel mehr Ortenauer ohne Job. Im Dezember hatten 10 393 Männer und Frauen keine Arbeit. Von einer „Entlassungskrise“ wollte Agenturchefin Denzer-Urschel nicht sprechen – sie sehe eher eine „Erneuerungskrise“.

Das hänge unter anderem mit einem Wandel auf dem Ortenauer Arbeitsmarkt zusammen. „Die Beschäftigung im verarbeitenden Bereich – dort wo die Wertschöpfung entsteht – nimmt ab, während die in der öffentlichen Verwaltung sowie im Gesundheits- und Sozialwesen tendenziell steigt“, konstatierte Denzer-Urschel.

Deutlich mehr Jobs im Gesundheitswesen

So registrierte die Agentur für Arbeit 2025 in der Metall-, Elektro- und Stahlindustrie sowie im verarbeitenden Gewerbe rund fast 700 weniger Jobs. Die Bereiche Gesundheitswesen, öffentliche Verwaltung sowie Heime und Sozialwesen legten um mehr als 1000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse zu. „Für eine gesunde, insgesamt wachsende Wirtschaft, wäre es umgekehrt besser“, konstatierte die Arbeitsmarkt-Expertin.

Zudem steigt seit 2024 die Kurzarbeit im Kreis – erstmals nach der Corona-Spitze. Es zeigt sich eine ähnliche Tendenz wie beim Stellenmarkt: „Der Schwerpunkt liegt mit zwei Dritteln im verarbeitenden Gewerbe“, ordnete Denzer-Urschel ein.

Betrachte man statt der Betriebe die Zahl der Beschäftigen, so handelt es sich bei 90 Prozent ums verarbeitende Gewerbe. Von 86 Betrieben, die bis Juni 2025 tatsächlich Kurzarbeit bezogen hatten, waren 58 diesem Bereich zuzuordnen. Aktuellere Zahlen zum realisierten Kurzarbeitergeld gibt es aufgrund langer Abrechnungsfristen noch nicht.

Mehr als acht Millionen Euro Kurzarbeitergeld

Die vorläufige Anzahl laufenden Fälle liegt bei 84 Betrieben mit rund 2100 Beschäftigten. „Wir rechnen aber innerhalb des ersten Quartals mit einem deutlichen Anstieg“, merkte Denzer-Urschel an. Der Agentur für Arbeit lägen eine ganze Reihe Anträge vor, die noch nicht bearbeitet worden seien.

Das Verhältnis der Kurzarbeiter zur Gesamtheit aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten liegt in der Ortenau bei 0,7 Prozent, in ganz Baden-Württemberg bei 0,8 Prozent. Für 2025 rechnet die Agentur mit einer Auszahlung von Kurzarbeitergeld in Höhe von mehr als acht Millionen Euro (2024 rund sechs Millionen, 2023 rund vier Millionen).

Es gibt auch gute Nachrichten: Die Zahl der Beschäftigten stieg 2025 um rund ein Prozent. So registrierte die Agentur mit fast 194 000 sozialversicherungspflichtigen Jobs im Kreis fast 2000 mehr als 2024. Seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 gar fast 10 000 Beschäftigungsverhältnisse mehr. Der Aufwuchs speise sich hauptsächlich allerdings aus Teilzeitbeschäftigung, erläuterte Denzer-Urschel.

Offenburger Agentur-Chefin gibt sich positiv

Zusammenfassend erklärte die Agenturchefin zu 2025 jedoch eher Pessimistisches: „Die Arbeitslosigkeit ist mittlerweile auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Menschen mit Abschluss, Akademiker und auch Führungskräfte seien betroffen.“ Wer derzeit arbeitslos wird, bleibe es auch länger als in der Vergangenheit.

Der Blick in die Zukunft fällt verhalten positiv aus. Für das kommende Jahr erwartet die Agentur etwa einen leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit (0,1 Prozent) und einen leichten Anstieg der Beschäftigung (0,5 Prozent). „Da ist viel Positives drin“, so Denzer-Urschel mit dem Blick auf das laufende Jahr gerichtet.

Weniger Ukrainer beantragen Leistungen

Das Jobcenter – zuständig für das Bürgergeld – zählte 2025 im Schnitt 9000 Bedarfsgemeinschaften und fast 12 300 erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Im Vergleich zu 2024 waren die Zahlen leicht rückläufig. Bei den ukrainischen Haushalten im Bürgergeldbezug fiel der Zuwachs geringer aus. Sozialdezernent Heiko Faller und Jobcenter Silvia Kimpel sehen darin die Konsequenz des geplanten – erneuten – Rechtskreiswechsel der Ukraine-Flüchtlinge. Neuankömmlinge sollen ab diesem Jahr rückwirkend zum 1. April 2025 vom Bürgergeld wieder in den Bereich der Asylbewerberleistungen wechseln – monetär eine Verschlechterung. „Man kann davon ausgehen, dass eine gewisse Anzahl Ukrainer nach Deutschland gekommen ist, weil die Leistungen im Vergleich zu anderen Ländern sehr hoch sind“, konstatierte Faller. Im September (aktuellere Zahlen gibt es nicht) zählt das Jobcenter 1480 ukrainische Bedarfsgemeinschaften.