Lisa-Maria Allramseder ist neue Geschäftsführerin der Bezirksgruppe Schwarzwald-Hegau beim Arbeitgeberverband Südwestmetall. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden Harald Marquardt blickt sie auf die Herausforderungen für die Unternehmen in der Region. Und davon gibt es einige.
Ihren sprichwörtlichen Hut hat Lisa-Maria Allramseder schon in den Ring geworfen. Gelandet ist er dort aber nicht, sagt Harald Marquardt mit einem Schmunzeln. „Wir haben den Hut in der Luft gefangen“, meint der Vorstandsvorsitzende vom gleichnamigen Mechatronik-Spezialisten aus Rietheim-Weilheim, als er die neue Geschäftsführerin der Bezirksgruppe Schwarzwald-Hegau beim Arbeitgeberverband Südwestmetall offiziell vorstellt. Aus seiner Sicht ist die 36-Jährige ein Glücksfall.
Nachfolge von Markus Fink Mehr als ein halbes Dutzend Bewerbungen habe es für die Nachfolge von Markus Fink gegeben, der nach fünf Jahren im Amt auf eigenen Wunsch in eine Anwaltskanzlei gewechselt ist. Schnell sei man sich aber einig gewesen, so Marquardt, der auch Vorsitzender der Südwestmetall-Bezirksgruppe ist, dass Allramseder „die richtigste Person ist, die wir finden konnten. Wir haben die Nachfolge adäquat und zukunftssicher besetzt“, ist Marquardt überzeugt.
Verband kannte sie schon Für Allramseder habe gesprochen, dass sie den Verband Südwestmetall schon kannte. Seit 2017 war die Arbeitsrechtlerin schon in der Bezirksgruppe Reutlingen tätig. Dort war sie als Referentin „Rechtsberaterin in allen Lebenslagen“ tätig und habe, wie Marquardt lobt, auch schon ihr Führungsgeschick bewiesen. Letztlich habe neben ihrer Persönlichkeit vor allem ihre Ausbildung für sie gesprochen. „Als Geschäftsführerin müssen Sie schon firm in Arbeitsrecht sein“, sagt der Vorstandsvorsitzende.
Marquardt warnt vor Deindustrialisierung
Transformation im Gange Darauf wird es in den nächsten Jahren auch ankommen. Die Transformation habe die Region voll erfasst, es drohte eine Deindustrialisierung, warnt Marquardt. Dies gelte nicht für alle Industriezweige, die von Südwestmetall vertreten werden. „Der Medizintechnik geht es sicher noch gut“, betont Allramseder. Eine große Anzahl der Firmen sei aber von der Dekarbonisierung – der Reduzierung der Kohlenstoffemission - betroffen. „Es ist sicher noch früh. Aber das ein oder andere Unternehmen wird das sicher auch nicht überstehen. Ein Automobilzulieferer, der vom Verbrennungsmotor nicht weg will, wird es nicht überstehen. Das führt auch zu Arbeitsplatzverlusten“, meint die neue Geschäftsführerin.
Den Wandel verstanden Generell, so der Eindruck von Marquardt und ihr, war aber, dass alle Firmen „den Wandel verstanden haben“. Nun stelle sich die Frage, wie sie damit umgehen. „Manche sind schon hilflos“, urteilt Marquardt und betont, dass es große Anstrengungen braucht, um den Wandel zu meistern. „Nichts ist umsonst. Der Wettbewerb grassiert“, sagt er. Es gebe eigentlich keine Bereiche, in die Unternehmen mit neuen Produkten ohne Konkurrenz vordringen könnten. Insgesamt, so Marquardt, sei er für die Region aber positiv gestimmt. „Wir haben uns immer auf die Köpfe verlassen, auf Wissen und Fleiß. Und manchmal macht auch die Not erfinderisch“, sagt er.
Industrie muss wettbewerbsfähig sein
Bürokratie lähmt Damit die Industrie weiterhin produzieren und wettbewerbsfähig sein kann, müsse der Bürokratie Einhalt geboten werden. So wie beim Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Die Idee, dass bei der Herstellung von Produkten die Menschenrechte einzuhalten sind, stelle man nicht in Frage und teile die Intention. „Aber woher weiß ich denn, woher bei jedem Teil das Material kommt? Um das zu kontrollieren, brauche ich noch mehr Personal“, sagt er. Das Material aus humanitären Gründen nicht zu beziehen, würde dazu führen, dass das Produkt nicht auf dem Markt ist. Höchstens von der Konkurrenz. Denn: Solange nur wenige Länder bei der Umsetzung des Gesetzes mitmachten, sei es ein Wettbewerbsnachteil. „Es kann nicht sein, dass man den heimischen Unternehmen das Leben schwer macht und den Sauerstoff abdreht. Bei solchen Regelungen braucht es mehr Pragmatismus.“
15 Seiten Papier Ein weiteres Beispiel, so Allramseder, sei die Arbeitsbedingungenrichtlinie. Darin wird der Arbeitgeber verpflichtet, dem Arbeitnehmer seine Arbeitsbedingungen schriftlich darzulegen. „Bei einer halbwegs großen Schrift sind das dann schon 15 Seiten“, sagt die neue Geschäftsführerin. Jede Änderung, auch wenn beide Seiten dem zustimmen, müsse auf Papier mit Unterschrift dokumentiert werden. Dabei hatte die Europäische Union die elektronische Form samt Unterschrift sogar zugelassen. Über die deutsche Auslegung des Gesetzes stöhne jede Personalabteilung, meint Allramseder.
Materialbeschaffung durch Angriffe im Roten Meer erschwert
Hohe Kosten für Energie Auch die Verfügbarkeit von Energie sei weiter ein Thema. „Da sind wir nicht wettbewerbsfähig“, betont der Marquardt-Chef. Die hohen Kosten könnten dazu führen, dass nicht mehr in Deutschland investiert werde. Die Materialbeschaffung werde aktuell spürbar durch die Angriffe der Huthi-Milizen im Roten Meer erschwert. Der Umweg der Handelsschiffe um das Horn von Afrika sorge dafür, dass die Lieferketten länger und – durch Nutzung des Flugzeugs – viel teurer würden.
Blick in die USA mit Sorge Sorgenvoll geht der Blick von Marquardt in die USA. „Wir sollten uns darauf einrichten, dass Trump die Wahl gewinnt und nicht wie das Kaninchen auf die Schlange schauen. Wir haben zehn Monate Zeit, um uns vorzubereiten. Auch wenn Joe Biden gewählt wird, wird in den USA nicht Milch und Honig für uns fließen. Die USA werden ihr eigenes Ding machen“, so Marquardt. Generell könne man die Geopolitik aber nicht beeinflussen.
Sie hat sich gut eingelebt
Um die Firmen kümmern Lisa-Maria Allramseder wird sich in den nächsten Wochen und Monaten vor allem um die Unternehmen der Region kümmern. „Ich habe mich gut eingelebt und fühle mich wohl“, sagt sie. Seit ihrem Amtsantritt zu Jahresbeginn habe sie schon ein Unternehmen kennengelernt und bereits Verhandlungen geführt. „Wir werden uns weiterhin für die Interessen unserer Mitgliedsunternehmen, darunter viele kleine und mittelständische Betriebe, stark machen“, sagt sie.
Dass sie sich bei Südwestmetall bewerben konnte, war übrigens einem Zufall geschuldet. Weil ihr Mann eine Notarstelle in Villingen bekommen hat, kam sie überhaupt zu dem Entschluss, sich zu bewerben.