Frank Werstein betreut seit 2019 sowohl Haslachs als auch Fischerbachs Waldgebiete. Bei einem Rundgang mit unserer Redaktion gibt der Experte einen Einblick in seinen Alltag.
Ein „normaler Job“ ist es nicht, den Frank Werstein ausübt, erzählt er. Bei der Frage, wie lange ein gewöhnlicher Arbeitstag bei ihm dauern würde, muss er lachen: „Ich hatte, als ich hier angefangen habe, eine Zeit lang Buch über meine Überstunden geführt, das habe ich dann aber schnell wieder gelassen“, erklärt er und schätzt, dass er in den ersten drei Jahren auf knapp 1500 Überstunden gekommen sei.
Seine Tage sind gut gefüllt, die meisten Menschen wüssten nicht, was hinter dem Begriff Förster für Aufgaben stehen würden. Er sei nicht nur für den Wald zuständig, sondern auch für alles rundherum, inklusive der Menschen. Viele Privatwaldbesitzer wenden sich an ihn. Das geht von kleinen Problemen wie der Frage, wie man ein privates Grundstück am besten bepflanzt, bis hin zu schwierigeren wie etwa einem Borkenkäferbefall. Die langen Stunden und Probleme machen ihm aber nichts aus, erzählt er, er sei Förster aus Leidenschaft. „Schon als Kind war ich sehr naturverbunden“, erzählt er und berichtet, dass er den Wunsch gehabt habe, Technologien zu entwickeln, die den Schutz der Natur und die Herstellung nachhaltiger Rohstoffe vorantreiben.
Werstein stammt gebürtig aus Rettigheim, einem kleinen Dorf bei Heidelberg. Schnell offenbarte sich der Wunsch, Förster zu werden, direkt mit der „Lunge der Erde“ zu arbeiten und etwas zu bewegen. Sein Beruf eigne sich dazu am besten, sagt er, denn in seinem Revier sehe er jeden Tag, was er an Fortschritt erzielt hat.
Der Klimawandel wird ein immer größeres Problem
Dieser ist dringend notwendig, sagt er, denn der Klimawandel mache auch vor Haslach keinen Halt. Ein großer Teil seines Alltags ist die Arbeit mit Kindern, sagt er. Werstein versucht dem Nachwuchs früh klarzumachen, dass der Wald mehr ist als nur eine Ansammlung an Bäumen: „Die Kinder müssen verstehen, dass alles in der Natur auf irgendeine Weise zusammenhängt, dass der Wald etwas ist, was geschützt werden muss.“
Auch neben seiner pädagogischen Arbeit engagiert sich Werstein zum Erhalt des Waldes. Vor zwei Wochen hatte er mit einer Gruppe Flüchtlingen aus Syrien sowie über acht weiterer Nationen eine Pflanzaktion im Stadtwald Haslach veranstaltet: „Solche Projekte dienen neben dem sozialen Aspekt natürlich in erster Linie der Naturverjüngung“, erzählt Werstein. Knapp 50 solcher Aktionen betreut er in einem Jahr, darunter auch geführte Mondscheinwanderungen.
Die Waldarbeit ist ein Balanceakt
Es sei wichtig, die Balance zu halten – sowohl bei der Artenvielfalt im Wald als auch beim Alter der Pflanzen. Er erklärt, dass Baumspitzen, die dem Boden zu viel Licht entziehen und so wuchtig geworden sind, dass sie die Sonne verdecken, gekürzt werden. „Wenn wir neu pflanzen, müssen wir schauen, welche Pflanzen wir im Bestand brauchen. Die Pflanzen müssen bezogen werden, wir müssen prüfen, wohin wir sie setzen und wie wir das tun.“ Auch die Koordination solcher Aktionen gehört zu seinem Aufgabengebiet. Das sei notwendig, aber auch sehr teuer, sagt er. „Wir haben Glück gehabt, bisher haben wir alle Pflanzen für den Stadtwald Haslach gespendet bekommen.“ Er versuche, den Bestand zu mischen und Laubbäume im Bestand zu halten, um den Wald ökologisch aufzuwerten: „Man muss einen erfolgreichen Wald manchmal wie ein Aktienportfolio betrachten und breit streuen, um Risiko zu vermeiden“, erklärt er lachend.
Im Jahr 2019 hatte Werstein das Revier übernommen, nachdem er mehr als 20 Jahre lang überwiegend Privatwald betreut hatte. Zu seinem Revier zählen unter anderem zwei Gemeindewälder: der Gemeinden Haslach und Fischerbach. Sein gesamtes Revier umschließt mehr als 2000 Hektar.
Förster wünscht sich mehr Unterstützung
Seit er das Revier übernommen hat, bemerkt er, dass der Klimawandel immer mehr in den Vordergrund rückt. „Die vergangenen fünf Jahre haben wir viele Bäume entfernen müssen, die der Trockenheit oder einem Käferbefall zum Opfer fielen.“ Besondere Sorgenkinder seien hier die Douglasie, die Fichte sowie die Schwarzwälder Weißtanne.„Es gibt manche Landkreise, da steht keine Fichte mehr, weil es inzwischen einfach zu heiß ist“, betont er. Derzeit ist Werstein besorgt, da es in den vergangenen vier Wochen kaum Regen gegeben hatte: „Wir sind hier im Revier viel am Schäden aufräumen, die der Klimawandel anrichtet“, so Werstein. Sein größter Wunsch sei es, dass die aktuelle Politik das Thema ernster nehmen würde: „Wir haben so viele Ingenieure und kluge Köpfe weltweit, da müsste es doch möglich sein, dass sich alle mal an einen Tisch setzen und ein gemeinsames Ziel verfolgen, den Klimawandel in den Griff zu bekommen“, wünscht sich der Förster.