Der letzte Ernstfall im Rottweiler Aquasol liegt bereits einige Jahre zurück. Foto: Ulrich

Ein falscher Schritt oder ein Moment der Unaufmerksamkeit kann im Schwimmbad schnell gefährlich werden. Wie bereitet sich das Aquasol in Rottweil auf mögliche Notfälle vor?

Ein Schwimmbadbesuch ist für viele entspannend. Doch eine Kollegin berichtet geschockt von einem Vorfall bei ihrem letzten Familienausflug: Nur wenige Meter neben ihren Kindern musste ein Bademeister ein Kind aus dem Wasser retten – glücklicherweise rechtzeitig.

 

Solche Momente machen deutlich, wie wichtig die Aufsicht im Wasser ist und werfen die Frage auf, wie Gäste richtig reagieren und wie häufig Rettungseinsätze tatsächlich vorkommen – gerade angesichts der Tatsache, dass immer weniger Kinder sicher schwimmen können.

Im Aquasol wird die Sicherheit der Gäste sehr ernst genommen. Steven Ulrich, Bäderbeauftragter der ENRW, erklärt, dass das Personal in Aufsicht, Sauna und Therapie einmal jährlich in speziellen Inhouse-Schulungen auf verschiedene Erste-Hilfe-Szenarien vorbereitet wird. Schwerpunkt ist dabei die Reanimation bei Herz-Kreislauf-Stillstand, dem sogenannten „Worst-Case-Szenario“. Geübt wird an drei unterschiedlichen Reanimations-Attrappen – für Säugling, Jugendlichen und Erwachsenen – sowie im Umgang mit medizinischem Sauerstoff und dem AED, dem Automatischen Externen Defibrillator.

Rettungsdienst zur medizinischen Abklärung

Erfreulicherweise müssen die erlernten Maßnahmen nur sehr selten in der Praxis angewendet werden. Ulrich berichtet, dass der letzte Ernstfall bereits einige Jahre zurückliegt. Rettungseinsätze entstehen meist, wenn Gäste die Baderegeln missachten oder ihre eigenen Fähigkeiten überschätzen. „In solchen Fällen müssen unsere Mitarbeitenden in der Schwimmaufsicht gelegentlich selbst ins Wasser. Meist genügt es, die Person an den Beckenrand zu ziehen oder beim Verlassen des Wassers zu unterstützen. Zur Sicherheit wird anschließend oft zur medizinischen Abklärung der Rettungsdienst hinzugezogen.“

Rettungsdienst zur medizinischen Abklärung

Kleinere Zwischenfälle kommen gelegentlich vor, etwa Schnitt- oder Platzwunden, Schwindelanfälle in der Sauna oder Sonnenstiche und Hitzeerschöpfungen im Freibad. Eine leicht steigende Tendenz sei erkennbar, so Ulrich, weshalb er regelmäßig an die Erziehungsberechtigten appelliert, ihre Aufsichtspflicht wahrzunehmen. Sollte dennoch ein Kind unbeaufsichtigt ins Wasser geraten, sind die Schwimmmeister und Rettungsschwimmer zur Stelle.

Dabei sei es nicht immer leicht vorherzusagen, wer in Gefahr gerät. Kinder könnten unbemerkt in Richtung Rutsche oder Schwimmerbecken laufen, während Eltern erst nach einigen Sekunden merken, dass ihr Kind fehlt. Ältere Gäste überschätzen manchmal ihre Kräfte und verlassen sich auf ihre Routine.

Jeder kann in Gefahr geraten

Ulrich sagt: „Häufig hören wir dann Sätze wie: ‚Das mache ich aber schon seit 50 Jahren so.‘ Mit zunehmendem Alter schwinden die Kräfte – daher ist es ratsam, in der Sauna etwas kürzer zu verweilen oder im Becken ein paar Bahnen weniger zu schwimmen.“

Jeder kann in Gefahr geraten

Für Badegäste, die einen Notfall beobachten, gibt Ulrich klare Hinweise: „In erster Linie sollten Badegäste sofort die anwesenden Aufsichtskräfte informieren. Unter Beachtung des Eigenschutzes kann versucht werden, eine helfende Hand zu reichen. Am Beckenrand stehen Rettungsring und Rettungsstange bereit, deren Handhabung allerdings ebenfalls geübt sein sollte.“

Betreuung des Personals im Ernstfall

Aber auch die Betreuung des Personals nach ernsten Zwischenfällen ist im Aquasol gesichert. Die ENRW als Betreiberin der Bäder arbeitet eng mit einem arbeitsmedizinischen Betriebsarztzentrum zusammen, und bei Bedarf können Angebote zur psychologischen Betreuung in Anspruch genommen werden.