Mercedes-Chef Ola Källenius mahnt: „Wir brauchen für Wachstum die besten Köpfe“ – also auch aus dem Ausland. Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Die Konzernchefs Källenius, Busch und Sewing ermahnen die Politik, der Wirtschaft im Migrationsstreit nicht noch mehr zu schaden. Ihr Aufruf kommt zur passenden Zeit, meint Matthias Schiermeyer.

Noch ein Aufruf aus der deutschen Wirtschaft für mehr Vielfalt und Zuwanderung – braucht es den jetzt noch? Sind die Konzernchefs, die sich da jetzt zu Wort melden, wie Ola Källenius (Mercedes-Benz), Roland Busch (Siemens) oder Christian Sewing (Deutsche Bank), nicht schon vorher für eine weltoffene Gesellschaft eingetreten? Das sind sie – dennoch kommt ihr neuer, koordinierter Appell zur passenden Zeit.

 

In den Betrieben polarisiert – dem Standort geschadet

Der auf die Spitze getriebene Streit um eine verschärfte Migrationspolitik zeigt, wie leicht die vormals noch hoch gehaltenen Werte unter die Räder geraten können. Die Eskalation im Bundestag dürfte die Debatte in den Betrieben weiter polarisiert, Belegschaften verunsichert und dem Wirtschaftsstandort insgesamt wegen des grellen Signals nach außen weiter geschadet haben. Denn warum sollten (hoch)qualifizierte Fachkräfte mit ausländischen Wurzeln hier bleiben oder hierher kommen, wenn sie sich und ihre Familien per se nicht (mehr) willkommen fühlen? Nicht nur das Einkommen ist für sie von Bedeutung, Zukunftsperspektiven sind es ebenso. Wer wüsste es besser als deutsche Unternehmen, die weltweit ihre Standorte haben?

Einwanderung ist längst Alltag. Dass sie mehr als Chance denn als Bedrohung verstanden werden sollte, ist eine Binse. Es bräuchte wohl mindestens eine Million ausländischer Fachkräfte in den nächsten Jahren, um den Wohlstand zu halten. Doch wird im politischen Diskurs immer weniger differenziert; die Wähler mit schlichten Parolen der Abgrenzung traktiert. Die Konzernbosse mahnen die demokratischen Kräfte der Mitte, sich nicht auseinanderdividieren lassen. Wie viele Aufrufe braucht es da noch?