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Die Apotheker in Deutschland sollen Notdienste besser bezahlt bekommen und generell höhere Honorare erhalten - alles in allem 310 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr.

Stuttgart - Für die Apothekenbesitzer sollen sich ihre Geschäfte mit Arztrezepten und die Notdienste bald besser auszahlen. Die Berufsgruppe mit ihren bundesweit rund 17.600 selbstständigen Pharmazeuten und rund 21.000 Geschäften erhält laut Plan aus der Politik in Berlin 310 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr. 2700 Apotheken stehen im Südwesten. Das Plus ist auch ein Ergebnis der Warnstreiks, mit denen sich die Apotheker vor allem in Baden-Württemberg für eine Verbesserung ihrer Honorare starkgemacht hatten. Dennoch zeigte sich der Landesapothekerverband (LAV) am Freitag nach Bekanntgabe des Millionenregens enttäuscht.

LAV-Präsident Fritz Becker erklärte in einer Stellungnahme: „In der Summe liegen wir mit diesem Ergebnis weit weg von unseren begründeten und nachrechenbaren Forderungen.“ Der Bundesverband Abda hatte mit 624 Millionen Euro doppelt so viel gewollt wie nun gewährt wurde. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) wertet die 310 Millionen Euro dagegen als Erfolg. „Damit wird für die Menschen auf dem Land die Rund-um-die-Uhr-Versorgung mit Arzneimitteln nachhaltig gestärkt“, sagte er am Freitag in Berlin.

Die zentrale Streitfrage drehte sich um das starre Honorar, das ein Apotheker pro abgegebener Packung verschreibungspflichtiger Arznei erhält. Derzeit sind das 8,10 Euro minus einen Zwangsrabatt an die Krankenkasse, weswegen am Ende nur noch 6,05 Euro in der Apotheke bleiben. Neben dieser Pauschale erhalten die Apothekenbetreiber drei Prozent vom Einkaufspreis jedes Medikaments, womit Fixkosten etwa für das Lager oder die Vorfinanzierung aufgefangen werden sollen. Die 8,10 Euro waren seit 2004 unverändert. Parallel seien aber die Kosten für Mieten, Energie und Personal angestiegen, klagte die Zunft.

Sie forderte daher 9,14 Euro pro Packung, was dann in Summe 624 Millionen Euro Plus ergeben hätte. Umgerechnet auf jede einzelne Apotheke wären das rund 30 000 Euro Verbesserung pro Jahr gewesen.

Bahrs Entscheidung ist ein Kompromiss

Bahrs Entscheidung ist nun ein Kompromiss: Für eine Packung, die ein Arzt verschreibt, soll der Apotheker bald 8,35 Euro bekommen - 25 Cent mehr und nicht wie gefordert gut einen Euro. In Summe macht das etwa 190 Millionen Euro Plus für die Branche. Andererseits sollen aber auch die Dienste in der Nacht und an Sonn- und Feiertagen besser bezahlt werden - mit 120 Millionen Euro. Ob sich diese Bereitschaften lohnen, steht und fällt bisher mit der Kundenzahl. Auf dem Land, wo die Apotheken in der Notdienstrotation öfter dran sind und manchmal nur ein, zwei Patienten an die Notdienstklappe kommen, ist der Dienst defizitär - die ländlichen Apotheken müssen ihn also querfinanzieren.

Nun soll eine Pauschale für die Dienste kommen. Berichte, nach denen es 200 Euro pro Notdienst geben soll, bestätigte ein Sprecher des Ministeriums nicht. Die Details würden derzeit erarbeitet.

Der Spitzenverband der Krankenkassen forderte die Apothekerverbände erneut auf, die realen Einkommensverhältnisse der selbstständigen Apotheker auf den Tisch zu legen. Die Kassen zweifeln an der Darstellung der Zunft, wonach deren Geschäfte inzwischen oft so sehr unter Druck stehen, dass ein großes Apothekensterben drohe.

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