Die Heuschnupfen-Saison hat begonnen. Experten aus Villingen-Schwenningen geben Allergikern hilfreiche Tipps. (Symbolfoto) Foto: picture alliance/dpa

Zu dieser Jahreszeit wird das Leben mit Heuschnupfen zur Herausforderung. Zwei Apotheken geben Tipps, wie man den Alltag auch mit Pollenallergie meistern kann.

Die warmen Frühjahrstage locken zahlreiche Menschen nach draußen. Für die Einen heißt das: Sonne und Natur genießen – und für über 200 000 Menschen in Baden-Württemberg, die von Heuschnupfen betroffen sind, bedeutet der Frühlingsbeginn ständiges Niesen, gereizte Augen und andere Beschwerden. Die Allergiesaison ist wieder in vollem Gange.

 

Derzeit verursachen Birken- und Eschenpollen die meisten Beschwerden, aber auch einige Gräserpollen sind schon unterwegs. Betroffene zeigen typische Symptome wie Nasenrinnen und geschwollene, juckende und tränende Augen.

Aber auch unscheinbare Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Husten oder allgemeines Krankheitsgefühl können auf eine Allergie hindeuten, was mit der üblichen Erkältung verwechselt werden kann.

Unterschiede zwischen Erkältung und Allergie

Die Abgrenzung zwischen einer Erkältung und der Pollenallergie ist auf den ersten Blick nicht immer ganz eindeutig, wenn keine Diagnose durch einen Allergietest vom Arzt erfolgt.

Apothekerin Valerie Aigner von der Paradies- Apotheke in Villingen – auf dem Bild zu sehen mit Apotheken-Inhaber Thomas Karcher – gibt Tipps für Heuschnupfen-Patienten. (Archivfoto) Foto: Simone Neß

Die Apothekerin Valerie Aigner von der Villinger Paradies-Apotheke erläutert, welche Fragen helfen, die Symptome richtig einzuordnen. Intensivieren sich die Beschwerden zum Beispiel im Freien, deute das auf eine Pollenallergie hin. Darüber hinaus könne man die Ursache der Beschwerden auch an der Art der Halsschmerzen festmachen: Das Kratzen und Jucken von Hals und Rachen deute mehr auf eine Allergie hin als die typischen Halsschmerzen während einer Erkältung.

Wie man den Alltag auch mit Heuschnupfen meistert

Doch was genau ist eine Pollenallergie überhaupt? Eine Pollenallergie – oder auch Heuschnupfen genannt – ist eine Überreaktion des Immunsystems auf Blütenstaub-Eiweiße von Pflanzen. Das häufigste Symptom, welches dabei auftritt, ist der allergische Schnupfen. Dieser kann sich nach einiger Zeit auch zu allergischem Asthma entwickeln. Wie stark sich die Symptome auswirken, ist bei jedem Menschen unterschiedlich und hängt von der Pollenkonzentration in der Luft ab.

Allerdings gibt es auch einige Möglichkeiten, wie man der Pollenallergie im Alltag entgegenwirken kann. Ein Tipp ist, die Haare und das Gesicht gründlich zu waschen, bevor man ins Bett geht, um zu vermeiden, dass sich die Pollen womöglich auf dem Kopfkissen verteilen. Außerdem sollte man auf Alkohol verzichten, denn Alkohol erweitert die Gefäße. Dabei wird die Nasenschleimhaut durchlässiger. Folglich gelangen die Allergieauslöser leichter in die Blutbahn. Kleidung, die man draußen getragen hat, sollte man außerdem nicht drinnen tragen. Mit Geräten wie Luftreinigern, kann man zudem die Luft zu Hause von Pollen befreien.

Betroffene nehmen Pollen immer aggressiver wahr

Der Klimawandel ist ein starker Einflussfaktor für die Pollensaison. Einige Pflanzen dehnen ihre Blütezeit durch die steigenden Temperaturen nämlich erheblich aus. Und das sorgt dafür, dass die Allergiesaison immer früher im Jahr beginnt.

Laut Apothekerin Valerie Aigner nehmen die Patienten die Pollen Jahr für Jahr aggressiver wahr. Im Gespräch mit unserer Redaktion geht Valerie Aigner näher auf die Ursache ein: Schuld daran seien die mittlerweile erhöhten Kohlenstoffdioxid-, und Ozon-Werte, die verantwortlich für die veränderte Zusammensetzung der Pollen seien. Daraus folge, dass das Potential der Allergie steige und die Intensität zunehme. Darüber hinaus würden zusätzliche Schadstoffe wie Feinstaubpartikel und Stickoxide, die sich auf den Pollen ablagern, zu einer höheren Empfänglichkeit der Schleimhaut für Entzündungsreaktionen führen. Die Fähigkeit der Pollen, Allergien auszulösen, nehme bei Luftverschmutzung also zu.

Verschiedene Allergiemittel ohne Rezept erhältlich

Mittlerweile liegen zahlreiche Medikamente in den Regalen der Apotheken bereit, die man auch ohne ärztliche Verschreibung erwerben kann. Sie stehen in verschiedenen Ausführungen, wie zum Beispiel in Form von Nasenspray oder Augentropfen, zur Verfügung. Aber auch herkömmliche Tabletten oder Lutschtabletten können helfen.

Manche Medikamente in dem Sektor hätten sich mittlerweile von der Verschreibungspflicht verabschiedet – darunter sei neuerdings auch das eine oder andere Nasenspray, welches bislang rezeptpflichtig gewesen sei, verrät uns Apotheker Igor Kanevskiy von der Heldmann’s Apotheke im Schwenninger City-Rondell. Laut ihm sei die Nachfrage nach kortisonhaltigen Nasensprays in der Apotheke besonders hoch.

Die Heldmann’s Apotheke im Schwenninger City-Rondell bietet einige Allergieprodukte an. Foto: Marlene Durak

Für Kinder, die von Heuschnupfen betroffen sind, existierten ebenfalls zahlreiche medikamentöse Therapiemöglichkeiten. Apothekerin Valerie Aigner klärt über ein Allergie-Medikament auf: Eine Schmelztablette, die für Kinder ab sechs Jahren geeignet und nicht verschreibungspflichtig sei und außerdem beliebt bei den Eltern der Kinder, da sie direkt auf der Zunge schmelze und im Gegensatz zu einigen anderen Medikamenten nicht müde mache.

Darüber hinaus verweist auch sie auf die Möglichkeit eines Nasensprays, das ebenfalls nicht verschreibungspflichtig ist und eine Wirkstoffkombination aus Antihistaminika und Glucocorticoide beinhalte. Das Medikament mache nicht müde und die Wirkung setze innerhalb fünf Minuten ein.

Hyposensibilisierung als Therapiemaßnahme

Neben der medikamentösen Therapie empfiehlt sie den Betroffenen außerdem für den Alltag „kurzes, gezieltes Stoßlüften nach dem Regen oder nachmittags“. Sie rät davon ab, morgens zu lüften, denn da sei die Pollenbelastung besonders hoch.

Für eine langfristige Milderung der Symptome komme auch eine Hyposensibilisierung infrage. Valerie Aigner beschreibt es als Immuntherapie. Dieser Vorgang beziehe sich auf den Versuch, den Körper langsam an die Pollen zu gewöhnen, damit er nach einer Zeit weniger stark auf diese reagiert. In Form von einer Spritze verabreiche der Arzt regelmäßig und meist über den Zeitraum von drei bis fünf Jahren hinweg die Allergieauslöser. Möglich sei dieser Behandlungsweg ab einem Alter von 18 Jahren.

Allerdings lasse sich die Effektivität nicht pauschal beurteilen. Bei allen Patienten schlage die Therapie unterschiedlich gut an. „Als Nebenwirkung kann Juckreiz an der Einstichstelle entstehen“, so Valerie Aigner. Jedoch seien stärkere Nebenwirkungen eher selten vertreten. Häufig wende man diese Methode bei Menschen mit Heuschnupfen oder Hausstaub-Allergikern an.

Eingeschränkt im Alltag

Heuschnupfen stellt eine große Belastung im Alltag dar und betrifft eine Vielzahl an Menschen. Besonders an Frühlings- und Sommertagen erschweren die Allergien die Verbindung zur Natur. Zum Glück gibt es heutzutage jedoch zahlreiche Medikamente, um die Beschwerden zu mildern und viele Tipps, durch die der Alltag erleichtert werden kann.

Mögliche Risikofaktoren

Einflussgrößen
Laut dem deutschen Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt spielen mehrere Faktoren zur Entwicklung einer Allergie eine Rolle. Ein Risikofaktor ist zum Beispiel das Rauchen und Passiv-Rauchen. Denn Tabakrauch sorgt für Reizungen der Atemwege und wirkt entzündungsfördernd. Das führt zu einer geschwächten Barriere-Funktion der Schleimhäute. Auch die Gene sind zu berücksichtigen: Kinder, deren Eltern bereits von Heuschnupfen betroffen sind, haben ein besonders hohes Risiko, diese Allergie ebenfalls zu entwickeln.