Im Jahr 2025 wurden in Baden-Württemberg 66 Apotheken geschlossen. (Symbolfoto) Foto: contrastwerkstatt - stock.adobe.

Noch kurz in die Apotheke und etwas gegen die aufkeimende Erkältung holen: Das wird wegen des Apothekensterbens immer schwieriger. Wie ernst ist die Lage in Oberndorf?

Das Apothekensterben setzt sich auch in Baden-Württemberg ungebremst fort. Im Jahr 2025 waren landesweit lediglich neun Neueröffnungen zu verzeichnen, während 66 Apotheken dauerhaft geschlossen wurden. Zwar gibt es Betriebe, die sich aktuell noch behaupten können, doch vielerorts wächst die Sorge um die langfristige Sicherung der Arzneimittelversorgung. In Oberndorf zeigt sich die Situation differenziert.

 

Zum Jahresende existierten im Südwesten noch 2087 Apotheken. Innerhalb von 15 Jahren ist ihre Zahl damit um fast ein Viertel gesunken. Die Ursachen liegen vor allem in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen: Das staatlich festgelegte Packungshonorar für rezeptpflichtige Medikamente wurde seit 2013 nicht angepasst, während Löhne, Energie- und Mietkosten deutlich gestiegen sind.

Auch in Oberndorf und der Region sind die Folgen dieser Entwicklung spürbar. Daniela Mitschke, Filialleiterin der „Lindenhof Apotheke“, beschreibt das Apothekensterben als real und wahrnehmbar, betont jedoch, dass ihr Betrieb derzeit stabil laufe. Die Schließung einer anderen Apotheke in der Umgebung habe sich sogar positiv ausgewirkt, da zusätzliche Kunden hinzugekommen seien.

Rezepte aus anderen Landkreisen

Größere Herausforderungen sieht Mitschke weniger im Wettbewerb unter Apotheken als vielmehr im medizinischen Umfeld: Der Mangel an Hausärzten, vorwiegend an Kinderärzten, erschwere die Versorgung erheblich. Viele Rezepte von Kinderärzten kämen inzwischen aus Balingen oder Freudenstadt, da Patienten vor Ort keinen Arzt mehr fänden.

Für Menschen auf dem Land könne der Onlinezugang zu Medikamenten durchaus praktisch sein, sagt Mitschke. Dennoch versuche ihre Apotheke, vor allem bei dringend benötigten Arzneimitteln mit kostenlosen Botendiensten gegenzusteuern, soweit es personell möglich sei.

Online fehlt die Expertise

Ein besonderes Anliegen sei ihr zudem eine faire Bezahlung der Mitarbeiter – ein Punkt, der angesichts steigender Kosten zunehmend schwerer umzusetzen sei. Kritisch äußert sie sich über einst apothekenexklusive Produkte, die inzwischen auch von Drogerieketten online angeboten werden. Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen von Medikamenten müssten fachlich begleitet werden, was außerhalb der Apotheke oft nicht gewährleistet sei.

Weniger Fachkräfte

Deutlich pessimistischer blickt Franz Moser, Inhaber der Zentral-Apotheke in Fluorn-Winzeln, auf die Entwicklung in der Apotheken-Landschaft. Das Geschäft werde spürbar weniger, berichtet er. Besonders gravierend sei der Fachkräftemangel bei pharmazeutisch-technischen Angestellten. Zudem habe er ein großes Problem damit, eine Nachfolge für seine Apotheke zu finden. Viel weniger Apotheker seien bereit, im ländlichen Raum zu arbeiten.

Arztpraxen fehlen

Hinzu komme, dass in den vergangenen fünf bis sechs Jahren nahezu alle Arztpraxen in der Nähe geschlossen hätten – mit direkten Auswirkungen auf die Apotheken. Den Onlinehandel hält Moser für nicht aufhaltbar. Mit den dort angebotenen Preisen könne eine kleine Landapotheke nicht konkurrieren. 

Die Kombination aus fehlenden Ärzten, sinkender Kundenzahl und wachsendem Kostendruck stellt viele Betriebe vor existenzielle Fragen. Beide Perspektiven verdeutlichen, wie unterschiedlich die Ausgangslagen vor Ort sein können – und doch weisen sie auf dieselben strukturellen Probleme hin.

Das Angebot schrumpft weiter

Während einzelne Apotheken noch von Schließungen in der Umgebung profitieren oder sich mit Serviceangeboten behaupten, geraten andere zunehmend ins Hintertreffen. Ohne politische Anpassungen der Vergütung, eine Stärkung der medizinischen Infrastruktur und neue Konzepte zur Fachkräftegewinnung droht die wohnortnahe Arzneimittelversorgung im ländlichen Raum weiter auszudünnen.

Das Apothekenangebot schrumpft also leise, aber stetig. Die Frage, wie lange sie in ihrer heutigen Form noch gesichert werden kann, bleibt offen.