Die Obstausstellung in der Walddorfer Festhalle war umlagert. Foto: Manfred Köncke

Das Walddorfer Apfelfest hat nichts von seiner Anziehungskraft verloren. In der Gemeindehalle, auf dem umliegende Freigelände und entlang des 1,5 Kilometer langen Streuobstpfades hatten Vereine und Organisationen Stände aufgeschlagen.

In der Nacht hatte es geregnet und am frühen Morgen zogen dunkle Wolken über den größten Altensteiger Stadtteil auf. Dann besserte sich das Wetter und die Zahl der Fahrzeuge mit Calwer, Freudenstädter und Böblinger Kennzeichen nahm von Stunde zu Stunde zu.

 

Eröffnet wurde das Apfelfest traditionell mit einem Gottesdienst in der voll besetzten Gemeindehalle. Ortspfarrer Gerolf Krückels predigte, der Posaunenchor musizierte.

Ortsvorsteher Dominik Bitzer begrüßte die Gäste und hob in seiner Ansprache die Bedeutung von Streuobstwiesen als Lebensraum für Pflanzen, Tiere und als Faktor für das Klima hervor. Wegen der Pandemie hatte man das Festgelände erweitert. Das kam bei den Organisatoren und der Stadt Altensteig als Veranstalter so gut an, dass die Regelung auch bei der 22. Auflage des Apfelfestes beibehalten wurde.

Dengeln  und ein  perfekter Rasenschnitt beim Sensenmähverein. Foto: Manfred Köncke

Beim Gang über das Gelände kam man beim 1. Baden-Württembergischen Sensenmähverein vorbei. Bernd Esslinger und weitere Mitglieder erklärten in Theorie und Praxis das fachkundige Dengeln der Arbeitsgeräte. Acht Teilnehmer hatten sich zum perfekten Abmähen eines vier Ar großen Wiesenstücks angemeldet. Interessierte Zuschauer waren der extra aus Lautlingen angereiste Vorsitzende Elmar Maute und seine Stellvertreterin Lore Seebacher aus Garrweiler.

„Wir sind restlos ausverkauft“

Der Obst- und Gartenbauverein Altensteig verwöhnte die Besucher mit Bauern- und Kartoffelrösti. „Wir sind restlos ausverkauft“, vermeldete Vorsitzender Hans Schaible bereits um 14 Uhr. Nebenan stellte Aykut Ekinci zum ersten Mal 70 Tomaten-, 30 Paprika- und ebenso viele Chilisorten aus und erntete bewundernde Blicke.

Auf dem Weiterweg hatte der CVJM Walddorf sein Zelt aufgeschlagen. Aus Mehl, viel Milch, Eier und etliche Prisen Salz wurden im Laufe des Tages 2500 Apfelküchle produziert und abgesetzt. Das Obst sei von der Jungschar gesammelt worden, erwähnte Lena Seifert.

2500 Apfelküchle hat der CVJM Walddorf produziert Foto: Manfred Köncke

Am Stand des 600 Mitglieder zählenden Naturschutzbundes Altensteig/Nagold informierten Florian Sievers, Ralf Aldinger und Karl Heinz Gänssle über das Leben und den Schutz von Vögeln und Hornissen, den naturnahen Garten und Erhalt von Streuobstwiesen. Auf den Tischen lagen Flyer und eine Niströhre für den Steinkauz. 55 Stück habe man im Verein bereits gebastelt und aufgehängt, erklärte Sievers.

Bei einem Preisausschreiben wurden drei Gewinner ermittelt. Auf starke Beachtung stieß die Obstausstellung in der Festhalle. „145 Sorten Äpfel und Birnen sind es diesmal“, erzählte Adelheid Keck-McMiken, die für die Gesamtplanung und Organisation verantwortlich zeichnete, voller Stolz, weil die Anzahl gegenüber dem letzten Jahr übertroffen wurde. Nicht nur Bürgermeister Gerhard Feeß und seine Frau hatten den Namen „Herzogin Elsa“ für eine Birne und „Krügers Dickstiel“ für einen Apfel noch nie gehört. Zur Aufklärung trugen zahlreich anwesende Obst- und Gartenbaufachwirte mit Aussagen über die Geschmacksrichtung, Erzeuger und Bezugsadressen von Baumschulen bei.

Reger Betrieb beim Bauernmarkt

Auf dem Bauernmarkt herrschte den ganzen Tag über reger Betrieb. Armin Fessele aus Pfrondorf verkaufte Gewürzluike und andere Äpfel sowie Kartoffeln, diesmal aber keine seiner berühmten, bläulichen „Bamberger Hörnle“. Den Totalausfall begründete er mit dem wechselhaften Wetter und dem Verzicht auf Chemie. Obstbauer Walter Maier aus Ammerbuch-Reusten ist ein alter Bekannter beim Walddorfer Apfelfest. Auf der Auslage standen Gläser mit Most, Flaschen mit Balsam Essig und Secco, außerdem stellt er Weidenkörbe her.

Albert Gutekunst aus Oberschwandorf bot Fruchtaufstriche, Kräutersalze und Pralinen an. Der Bauernhof Sonnenwald in Schernbach hatte landwirtschaftliche Produkte dabei. Nicht fehlen durfte Obst- und Kleinbrenner Fritz Kalmbach aus Spielberg mit sortenreinen Bränden aus Streuobstwiesen. Verkauft wurden außerdem Wildobst, Öle, Seifen, Säfte, Misteln, Honig und viele weitere Artikel.

Schnittvorführung und andere Aktionen

Erneut vertreten war die Streuobstinitiative Calw/Enzkreis/Freudenstadt. Vorsitzender Andreas Kubisch und Geschäftsführerin Elfi Mösle-Reisch berichteten über 160 Lieferanten von Äpfeln und Zwetschgen, die zu naturreinem Schneewittchensaft gepresst werden. Es gab noch viele weitere Attraktionen beim Apfelfest, wie die Schnittvorführung an Mistelbäumen, eine alte Apfelpresse in Betrieb, Aktionen der Kreisjägervereinigung, den Probierstand von Most – aber ohne Bewertung der Erzeuger.

Und mit der von zwei Pferden gezogenen Kutsche von Sven Genkinger aus Pfalzgrafenweiler konnte man durch die Gegend traben. Kein Fest ohne Bewirtung – Walddorfer Vereine, vom Liederkranz bis zur Feuerwehr, mit leckeren Speisen und süffigen Getränken.

Deutsches Rotes Kreuz informiert

Der Ortsverband Altensteig des Deutschen Roten Kreuzes war mit seinem Rettungswagen, einem Informationsstand und elf Mitgliedern anwesend, um im Falle eines Falles tätig werden zu können.

Bei der Gelegenheit wurde auf die nächste Blutspendeaktion am 11. November in der Altensteiger Markgrafenhalle und den am 1. Januar 2025 offiziell in Kraft tretenden Zusammenschluss mit dem DRK-Jugendrotkreuz Beihingen hingewiesen.