Der Obst- und Gartenbauverein (OGV) Albstadt-Onstmettingen besitzt Richtung Killertal eine Obstwiese mit 30 Bäumen. Diese wurden wohl von Unbekannten abgeerntet.
Wie jedes Jahr wollte der Obst- und Gartenbauverein (OGV) Onstmettingen mit Kindern der Schillerschule auf seiner Obstanlage auf Hebsack Apfelsaft pressen. Dieses Jahr wird daraus nichts, Schuld sind vermeintliche Apfeldiebe.
Gabi Kurz, Vorsitzende des OGV ist enttäuscht und verärgert: „Am Freitag wollten wir auf der Wiese eigentlich eine Baumpflanzaktion vorbereiten. Da haben wir die leeren Bäume und Wiesen vorgefunden“, erklärt sie im Gespräch mit unserer Redaktion.
30 Bäume stehen auf der Wiese
Die Vereinsmitglieder sind sich sicher, dass hier kriminelle Energie am Werk war. „Wir haben 30 Bäume auf der Obstwiese, die dieses Jahr zahlreiche Äpfel getragen haben“, sagt Kurz. Da kommen schon mehrere Hundert Äpfel zusammen. Die nimmt man nicht eben im Vorbeigehen mit. „Im vergangenen Jahr haben wir 60 Liter Saft gepresst.“
Jeder Baum auf der Anlage ist mit einer Tafel versehen, auf der die jeweilige Sorte beschrieben wird. Die Tafel sei nicht zu übersehen, heißt es vom OGV – ebenso wenig der Hinweis, dass die Früchte dem Verein gehören.
Für den OGV ist dieser vermeintliche Diebstahl doppelt ärgerlich, da es zum einen nun keine Apfelerzeugnisse gibt und zum anderen, weil auch eine wichtige Lehraktion nun nicht stattfinden wird.
Aktion mit den Kindern fällt aus
„Es hat mittlerweile Tradition, dass wir die Schüler der Schillerschule einladen zum gemeinsamen Sammeln und Pressen. Die Kinder haben bei dieser Aktion richtig viel Spaß und waren in der Vergangenheit immer mit Herzblut dabei“, meint die OGV-Vorsitzende.
Der Verein hat dieses Jahr sogar in eine eigene Obstpresse mit Schredder investiert, damit das Obst vor Ort verwertet werden kann. Die Kinder lernten einiges über den Obstbau und durften Apfelsaft mit nach Hause nehmen. Diese Aktion fällt nun aus.
OGV legt viel Wert auf die vollständige Verarbeitung
Doch nicht nur die Flaschen der Kinder bleiben dieses Jahr leer. Kurz: „Aus den Äpfeln hätten wir Punsch gemacht und Gelee gekocht für den Weihnachtsmarkt.“ Der OGV legt viel Wert darauf, dass keine Früchte vergammeln und alles weiterverarbeitet wird. Wer immer die Äpfel nun hat; man darf zweifeln, ob die gleichen Ziele verfolgt werden.
Bislang hat der Verein noch keine Anzeige erstattet. Man befinde sich intern noch in der Abstimmung, meint Kurz. Schutzmaßnahmen wie Mauern oder Hecken darf der Verein laut eigenen Angaben nicht errichten – und will es auch gar nicht.
„Das ist ein Lehrgarten. Wir wollen ja, dass Menschen kommen und sich frei auf der Wiese informieren können“, sagt Kurz. In der Diskussion ist auch das Thema Videoüberwachung. Der OGV hat nun ein Jahr Zeit, sich zu überlegen, was man tun kann, um zu verhindern, dass die Wiese zwischen Onstmettingen und Hausen im Killertal erneut geplündert wird.
Bei Diebstahl droht Haftstrafe
Klar ist: Äpfel von fremden Wiesen zu entnehmen ist kein Kavaliersdelikt und fällt unter den Straftatbestand des Diebstahls. Laut Paragraf 242 im Strafgesetzbuch kann Diebstahl mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe geahndet werden.
Der Polizei sind solche Delikte nicht fremd. Laut Angaben des Polizeipräsidiums Reutlingen wurden im Jahr 2023 acht Diebstähle von sogenannten Ernteerzeugnissen im Zollernalbkreis zur Anzeige gebracht. Vor einem Jahr waren es elf angezeigte Taten. Einige wenige Anzeigen liegen der Polizei aus dem laufenden Jahr vor.
Das Präsidium weist aber daraufhin, dass der Erntemonat Oktober noch nicht berücksichtigt werden konnte. Weiter sei anzunehmen, dass in diesem Deliktsbereich aus unterschiedlichen Gründen sicherlich ein nicht unerheblicher Teil der Taten nicht zur Anzeige gebracht wurde“, heißt es bei der Polizei. Die Dunkelziffer dürfte also noch höher liegen.