Die Beschäftigten im Kreis Lörrach waren nach AOK-Zahlen im vergangenen Jahr im Durchschnitt 20 Tage krank. Psychische Belastungen sind immer häufiger die Ursache.
Die Arbeitnehmer im Landkreis Lörrach sind weniger krank als im Bundesdurchschnitt und im Mittel des Landes Baden-Württemberg. Allerdings fehlen sie häufiger krankheitsbedingt am Arbeitsplatz als ihre Kollegen in den Landkreisen Waldshut und Konstanz.
Zunehmend in den Vordergrund rücken vielfältige Stressfaktoren, die laut AOK direkt oder indirekt zu Arbeitsausfällen führen. Diese Belastungen sind auch mit ein Grund dafür, dass die leichten Rückgänge des Jahres 2025 sowohl für den Bereich der AOK Hochrhein-Bodensee als auch bundesweit bei weitem noch nicht dazu geführt haben, wieder die niedrigeren Stände von der Zeit vor Corona zu erreichen. Dies geht aus den Zahlen der AOK hervor, die wegen des großen Marktanteils dieser gesetzlichen Kasse repräsentativ sein dürften.
46 Prozent Marktanteil
Die AOK Baden-Württemberg verfügt im Land über einen Marktanteil von 46 Prozent. Im Bereich der AOK Hochrhein-Bodenseee, die das Gebiet der drei Landkreise Lörrach, Waldshut und Konstanz umfasst, beträgt der Marktanteil 32,4 Prozent. Rechne man die Vielzahl der Pendler aus der Bezugsgröße heraus, dann bewege sich die AOK Hochrhein-Bodensee auf einem vergleichbaren Niveau wie im Land, versicherte deren stellvertretender Geschäftsführer Carlo Wolf bei einem Mediengespräch in Lörrach. In Baden-Württemberg gehören 4,6 Millionen Versicherte der AOK an, im Landkreis Lörrach sind es rund 45000.
Insgesamt fügt sich die Lage im Landkreis Lörrach in das deutschlandweite Bild. Abgesehen von den Stadtstaaten – Berlin hat die geringste Krankheitsquote – fehlen die Beschäftigten im Süden Deutschlands weniger oft krankheitsbedingt als im Norden.
Unter Landesschnitt
Nach Berlin haben Bayern und Baden-Württemberg die geringsten Krankheitsquoten (5,8 Prozent aller Tage), und innerhalb von Baden-Württemberg ist die Lage in der Südschiene ebenfalls günstiger als im nördlichen Landesteil. Mit 5,4 Prozent Krankheitstagen liegt die AOK Hochrhein-Bodensee unter dem Landesdurchschnitt (5,8 Tage). Innerhalb des Bezirks schneiden die Landkreise Konstanz (5,4 Prozent) und Waldshut (5,1 Prozent) besser ab als der Landkreis Lörrach (5,5 Prozent). Während in den Kreisen Lörrach und Konstanz dieser Wert 2025 im Vergleich zu 2024 leicht zurückging, blieb er im Kreis Waldshut stabil.
Mit 58,5 Prozent war im vergangenen Jahr im Kreis Lörrach deutlich mehr als die Hälfte aller Mitglieder mindestens einmal krank geschrieben. Das sind weniger als im Jahr zuvor (59,7 Prozent). Im Durchschnitt war jedes AOK Mitglied im Kreis Lörrach an 20,1 Arbeitstagen krank.
Der Bereich Verkehr/Transport hatte mit 6,3 Prozent dabei die höchsten Krankenstände, in der Land- und Forstwirtschaft fielen hingegen nur 3 Prozent der Arbeitstage krankheitshalber aus.
Kein einheitliches Bild
Bei den Ursachen zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Fast jede dritte Krankmeldung bezog sich auf eine Erkrankung der Atemwege, gehörte also zum typischen Infektgeschehen. Nimmt man jedoch die Dauer der Krankschreibungen als Bezugsgröße, dann entfallen auch im Kreis Lörrach immer mehr Krankheitstage (14,7 Prozent) auf psychische Ursachen – mehr als auf die Atemwegserkrankungen. Erkrankungen des Bewegungsapparats sind verantwortlich für den größten Anteil aller Krankheitstage (19,6 Prozent).
Für die AOK besonders schmerzlich sind die Langzeiterkrankungen. Gerade einmal 3,4 Prozent der Fälle sind verantwortlich für 42,3 Prozent aller Krankheitstage. Weil die Kassen bei diesen langen Ausfällen Krankengeld bezahlen müssen, macht sich das deutlich bei den Ausgaben bemerkbar.
Für den Landkreis Lörrach gibt es keine eigens aufgeschlüsselten Zahlen, landesweit muss die AOK aber 1,28 Milliarden Euro an Krankengeld bezahlen.