Der Einzelhandel, der in den Innenstädten einen harten Existenzkampf führt, geht bei der Werbung leer aus. Foto: dpa

Tourismusförderung buhlt um ausländische Kundschaft und vergrätzt damit den Handel.

Berlin - Mit Steuergeldern preist die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) in ganzseitigen Anzeigen Deutschland als Shopping-Reiseziel an. Zur Enttäuschung des Einzelhandels fällt die Werbekampagne allerdings einseitig aus: Angepriesen wird da lediglich der Einkaufsbummel in Outlet-Shoppingcentern.

Die Anzeige wird im Lufthansa-Bordmagazin und in Hochglanz-Reisemagazinen geschaltet. Sie richtet sich an eine kaufkräftige Leserschaft. Die Botschaft ist klar: Touristen mit einer gut gefüllten Geldbörse sollen animiert werden, bei einem ausgedehnten Einkaufsbummel nicht auf den Euro zu achten. "Nehmen Sie mehr als nur schöne Erinnerungen mit nach Hause", heißt es da. Und dann geben die Werbestrategen einen Tipp, wo man das Geld gut ausgeben kann. "Besonders anziehend ist das Angebot in unseren Outlet-Shoppingcentern für Design und Kleidung." Dann gibt es noch einige warme Worte für "unsere Restaurants, Bars und stilvollen Hotspots". Der Einzelhandel, der in den Innenstädten einen harten Existenzkampf führt, geht dagegen leer aus.

Auch die Auswahl der Städte, die für den Einkaufsbummel in "Deutschland. Das Reiseland" angepriesen werden, hat es in sich: München, Frankfurt und Berlin werden eigens erwähnt. Und was ist mit Stuttgart, Köln oder Hamburg? Fehlanzeige.

Die Anzeigen werden bezahlt von der Deutschen Zentrale für Tourismus mit Sitz in Frankfurt am Main. Die DZT wird großzügig unterstützt vom Bundeswirtschaftsministerium. In diesem Jahr hatte die DZT für Imagekampagnen 37,7 Mio. Euro zur Verfügung. Ein Großteil davon kam vom Bundeswirtschaftsministerium, nämlich 27,2 Mio. Euro. Zahlreiche Verbände unterstützen die DZT, aber auch einige Unternehmen. Darunter findet sich übrigens auch die Outletcity Metzingen Holy AG. Das mag ein Hinweis darauf sein, warum die Anzeige den Einkaufsbummel in Outletcentern so dringend empfiehlt.

Pangels hält die Kampagne für wirtschaftspolitisch fragwürdig.

Der Handelsverband HDE, die Spitzenorganisation des Einzelhandels, ist empört. HDE-Geschäftsführer Rolf Pangels sagte gegenüber unserer Zeitung: "Diese steuerfinanzierte Kampagne zugunsten der Outletcenter ist ein Schlag ins Gesicht von allen Einzelhändlern, die sich bemühen, die Innenstädte attraktiv zu halten." Die Haupteinkaufszonen in den Innenstädten hätten mehr zu bieten als das "reduzierte und überschaubare Angebot in Outletcentern". Pangels hält die Kampagne nicht nur für wirtschaftspolitisch fragwürdig, sondern auch noch für schlecht gemacht: "Es ist doch kurios, dass für den Einkaufsstandort Deutschland ausgerechnet mit Outlets geworben wird. Sie befinden sich häufig nicht in den attraktiven Städten, sondern an den Autobahnkreuzen."

Der Rottweiler FDP-Abgeordnete Ernst Burgbacher, Staatssekretär und Tourismusbeauftragter im Bundeswirtschaftsministerium, kann die Kritik nicht verstehen. Der Liberale sagte gegenüber unserer Zeitung: "Ich habe an der Anzeige nichts auszusetzen." Das Werben um Shopping-Touristen sei ein wichtiges Instrument, um ausländische Touristen nach Deutschland zu locken. "Umsatz wird dabei vor allem in den Metropolen, an Flughäfen und in Outletcentern gemacht."

Auch bei der DZT sieht man keinen Grund, die Anzeige zu überdenken. Norbert Tödter von der DZT erklärt gegenüber unserer Zeitung: "Die Anzeige basiert auf Erkenntnissen der Marktforschung." Demnach werde in den Städten München, Frankfurt und Berlin allein 60 Prozent des Umsatzes von jenen ausländischen Touristen gemacht, die in Deutschland auf Einkaufstour gehen. Die DZT habe sich als Zielgruppe für die Shoppingtourismus-Werbung zahlungskräftige Kunden aus Russland, China, der Schweiz und den Golfstaaten ausgesucht. Auch in deren Heimatländern wurden Anzeigen dieser Art geschaltet.