Foto: Thomas Fritsch

Eigentlich ist Orthopädie-Schuhmachermeister Johannes Raaf gerade mächtig im Stress. Eine Kundin ist kurzfristig...

Eigentlich ist Orthopädie-Schuhmachermeister Johannes Raaf gerade mächtig im Stress. Eine Kundin ist kurzfristig wegen eines Problems mit ihrem bisherigen (Orthopädie-)Schuh gekommen. Eine Neukundin, die auf Empfehlung den Weg ins Raaf'sche SchuhWerk gefunden hat. Da gibt es nunmal nur eine einzige Chance, mit der eigenen handwerklichen Leistungsbereitschaft zu überzeugen.

Später, wenn die Neukundin bestens versorgt ist, wird Johannes Raaf, vierte Schuhmacher- Generation in dem Nagolder Traditionsbetrieb, erzählen, dass tatsächlich die meisten Kunden – und Kundinnen – auf diese Weise den Weg in seine Werkstatt finden: Durch Empfehlung. Aber warum? Was machen er und sein Team anders, besser als andere?„Wir wollen keine Schuhe verkaufen – sondern den Menschen, den Patienten wirklich helfen!“ Was vor allem meint, sich die Kunden immer erst einmal auch sehr genau anzuschauen – ihre Situation – wie dringend wird zum Beispiel die neue Gehhilfe eigentlich gebraucht?

Ist es gerade sehr dringend, weil der Patient sonst in seiner Lebensführung komplett eingeschränkt wäre, wird natürlich auch besonders schnell gearbeitet. Auch das Umfeld der Kunden wird genau betrachtet – sind sie alleine oder haben sie Familie, Betreuung, die zum Beispiel beim Weg zum Orthopädie-Schuhmacher helfen können? „Da richten wir uns bei den Zeiten, zu denen die Kunden zu uns kommen können, selbstredend nach ihnen.“ Was auch mal meint: Nach Feierabend oder vor Dienstbeginn. Oder der Schuhmacher kommt zur Anprobe auch mal ins Krankenhaus, wenn's pressiert.

Natürlich ist auch die exakte medizinische Diagnose extrem wichtig, die im Zusammenwirken mit den behandelnden Ärzten und gegebenenfalls Therapeuten / Podologen ganz genau abgeklärt und in den Entwurf für den später Orthopädie-Maßschuh einfließen wird. „Wir suchen immer den ganzheitlichen Blick auf die Kunden“, auf seine ganz individuelle Situation und Bedürfnisse. Eine „Standardversorgung“ „es passt und funktioniert“ reiche ihm und sein Team hier nie aus. „Wir entwerfen stets einen passgenauen Schlachtplan, um eine Rundum-/Komplettversorgung der Patienten zu gewährleisten.“

Man kann auch sagen: Alles passiert in der Raaf-Orthopädie-Werkstatt immer vollständig Kunden-/ Patienten-zentriert.

Beleg dafür: „Im Zweifel arbeiten wir auch mal, bevor der Kostenübernahme-Bescheid der Krankenkasse vorliegt“. Wenn und weil der Patient / die Patienten nicht solange warten können. Und es in der Akut-Versorgung eben immer um Menschen geht. „Um Menschen, in meist besonders schwierigen Situationen!“ Was man auch Mitmenschlichkeit nennen könnte. Und ohne die gehe es nun mal nicht in diesem Handwerk. „Alles was wir können, ist dazu da, den Menschen zu helfen.“ Ihm ein Stück Lebensqualität und damit auch ein Stück Lebens-Glück zurückzugeben. „Jeder hier in unserer Orthopädie-Werkstatt ist ein echter Überzeugungstäter!“

Was dabei sehr hilft: „Wir sind auch handwerklich mit unserer Werkstatt sehr gut aufgestellt“. Was meint: „Wir realisieren bei uns eine sehr hohe Fertigungstiefe.“ Das beginnt beim exakten Maßnehmen, um die (dreidimensionalen) Fußabdrücke zu machen – aus denen dann wiederum der „Leisten“ des Kunden gefertigt wird: das Modell des Fußes / der Füße, um das herum der künftige Maßschuh „gebaut“ wird. Diese Leisten sind aus einem Zwei-Komponenten-Hartschaum, was eine extrem hohe Präzision und spätere Passgenauigkeit beim fertigen Schuh garantiert. Und dann beginnt die Kunst des (Orthopädie-)Schuhmachers: Form und Funktion des künftigen Maßschuhs perfekt zusammenbringen – wobei die Kunden im Hause Raaf (mit geringen Einschränkungen) auch wirklich fast jeden Design-Wunsch beim (Funktions-)Schuh erfüllt bekommen.

„Wir merken, dass wir gut sind, weil Patienten, die neu zu uns kommen, dann auch bleiben – gerade jene, die vorher schon einmal oder mehrfach eben nicht optimal versorgt wurden!“

Podologie „by Raaf“

Neben der Orthopädie-Schuhwerkstatt bietet das SchuhWerk Raaf in seinem Haus an der Nagolder Marktstraße auch eine eigene Podologie-Abteilung für medizinische Fußpflege an. Dort werden fußpflegerische Behandlungsmaßnahmen durchgeführt, wobei unter Umständen auch krankhafte Veränderungen am Fuß erkennt werden können, die dann eine ärztliche Behandlung erforderlich machen. Die medizinischen Fußpflege wendet sich dabei besonders auch an Risikopatienten wie Diabetiker, Rheumatiker, Bluter und weitere Krankheitsbilder.

Autor: Axel H. Kunert Fotos: Thomas Fritsch

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