Ein Jugendoffizier hat einen ehemaligen Schüler aus Freiburg wegen eines Memes angezeigt (Symbolbild). Foto: IMAGO/Funke Foto Services

Der Fall „Bentik“ sorgt in linken und rechten Kreisen für Aufsehen. Der Ex-Schüler aus Freiburg könnte demnächst vor Gericht stehen – angezeigt hat ihn ein Jugendoffizier.

Mehrere Abbildungen, sogenannte Memes, die ein Teenager aus Freiburg im Internet verbreitet hat, haben möglicherweise ein Nachspiel vor Gericht. Angezeigt wurde der junge Mann, dessen Vorname Bentik lautet, von einem Jugendoffizier der Bundeswehr. Der Fall sorgt deutschlandweit für Schlagzeilen – und in linken und rechten Kreisen für Aufruhr.

 

Die Staatsanwaltschaft Freiburg hat Anklage gegen den ehemaligen Schüler des Angell-Gymnasiums erhoben. Das bestätigte Staatsanwältin Carola Seith auf Nachfrage unserer Redaktion, es gehe um Beleidigung. Der Vorfall hatte sich demnach bereits im Frühjahr ereignet. Seith bestätigt auch, dass der Offizier selbst und nicht die Bundeswehr als Organisation die Anzeige erstatte habe.

Gerichtsverhandlung wegen Meme: „komplett absurd“

Bentik soll nach dem Besuch des Jugendoffiziers an seiner Schule zwei Darstellungen im Netz verbreitet haben, die inzwischen aber verschwunden sind. Laut einem Bericht der „Badischen Zeitung“ geht es vor allem um eine Darstellung, die den Bundeswehroffizier zeigt, auf einem Bildschirm im Hintergrund ist ein Handy zu sehen, auf dem ein Anruf von „SS Siggie“ eingeht. Untertitelt ist das Meme mit dem Spruch „Oh da muss ich kurz rangehen“. Zudem sei der Name des Offiziers zu lesen, berichtet die BZ.

Bei „SS Siggie“ handelt es sich um den verurteilten Neonazi Siegfried Borchardt aus Dortmund. „Die beiden Darstellungen unterstellen dem Offizier persönliche Verbindungen zur nationalsozialistischen Organisation ‚SS’ und eine verfassungswidrige, menschenverachtende Grundeinstellung“, sagt Staatsanwältin Seith. Auf einem weiteren Bild, das den Offizier stilisiert mit einer Waffe über dem Arm zeigt, wurden die Sprüche „Jugendliche an der Front verheizen – aber wie?“ und „Also Kinder, wer von euch würde gerne an der Ostfront sterben?“ eingefügt.

Der Beschuldigte hat seine Sicht der Dinge unter anderem in einem Interview mit dem linken Portal „Perspektive“ geschildert. Er ist demnach Mitglied bei der Internationalen Jugend, die sich unter anderem gegen die Werbemaßnahmen der Bundeswehr in Schulen einsetzt. Aus Sicht des ehemaligen Freiburger Schülers falle ein Meme „in den Schutzbereich der Meinungsfreiheit“. Das Verfahren und eine mögliche Gerichtsverhandlung nennt Bentik „komplett absurd“, es zeige auch, „zu welchen Mitteln Bundeswehr und Staat greifen, wenn jemand es wagt, den Kurs der Bundesregierung – also Aufrüstung und Militarisierung – öffentlich zu kritisieren“.

Auch von seiner Schule zeichnet der 18-Jährige kein gutes Bild, unter anderem sei er eingeschüchtert worden. Dass es die Memes gab, bestätigte Bentik der BZ. Es „sollte darauf aufmerksam gemacht werden, dass es faschistische Strukturen innerhalb der Bundeswehr gibt. Es sei ihm aber nicht darum gegangen, den Jugendoffizier mit der SS in Verbindung zu bringen. Es werde auch nicht die individuelle Person kritisiert, sondern die Person in ihrer Rolle als Jugendoffizier der Bundeswehr“, heißt es.

Spendensammlung für Bentik – Verhandlung offen

Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen Ende August beendet. Ob es ein Verfahren geben wird, ist dennoch offen. Das zuständige Amtsgericht in Freiburg teilt dazu mit, dass die Entscheidung darüber dem Jugendgericht obliege. „Das Hauptverfahren ist zu eröffnen und die Anklage zuzulassen, wenn ein hinreichender Tatverdacht, das heißt bei vorläufiger Tatbewertung die Wahrscheinlichkeit einer späteren Verurteilung besteht“, so Gerichtssprecher Martin Graf.

Wie es auch kommt, um die Kosten für das Verfahren muss sich Bentik wohl erst einmal keine Sorgen machen. Im Netz gab es schnell eine Welle der Solidarität – unter anderem gibt es einen Instagram-Account (kein_verfahren_fuer_bentik), der sich für die Belange des Beschuldigten stark macht. Mit einer Spendenaktion auf der Plattform Gofundme wurden zudem Gelder gesammelt. In nur zwei Tagen sei das Ziel von 1500 Euro übertroffen worden, schreiben die Organisatoren.