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Moderne Zeiten: Systeme wie das MBUX-Infotainment von Mercedes können auch heute schon automatisch Vorschläge machen, etwa aufgrund des Telefonierverhaltens.Foto: Daimler Foto: Schwarzwälder Bote
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Moderne Zeiten: Systeme wie das MBUX-Infotainment von Mercedes können auch heute schon automatisch Vorschläge machen, etwa aufgrund des Telefonierverhaltens.Foto: Daimler Foto: Schwarzwälder Bote

Die Heizung weiß, wann sie die Temperatur hochdrehen muss, die Kaffeemaschine, mit welchem Wasserhärtegrad sie wie lange den Kaffee aufbrüht. Im Haushalt gibt es einige Beispiele, wie Künstliche Intelligenz (KI) den Bewohner unterstützt. Warum also nicht auch im Auto? Nach Meinung einiger Ingenieure unterbreitet das Auto künftig dem Fahrer in vielen Bereichen Vorschläge - nach einem intelligenten Algorithmus.

KI soll bei Komfort, Steuerung und Navigation helfen, deshalb forschen fast alle großen Hersteller daran. Was noch nach Zukunft klingt, bringt bereits jetzt Vorteile.

"Künstliche Intelligenz nimmt schon heute einen enormen Stellenwert in der Automobilbranche ein", erklärt Jan Burgard, Partner der Strategieberatungsfirma Berylls Strategy Advisors. "Aktuell konzentrieren sich Hersteller unter anderem auf natürliche Spracherkennung für die Infotainment-Steuerung sowie auf Bilderkennung, die in Fahrassistenzsystemen zum Einsatz kommt."

Auch wenn das autonome Fahren noch in der Zukunft liegt, können Hersteller ihr traditionelles Geschäft mit KI weiterentwickeln und zusätzliche Dienste anbieten. Dazu kommen KI-Anwendungen, die mehr Komfort bieten. Der chinesische Hersteller Byton zum Beispiel will eine Fahrzeug-Entriegelung per Gesichtserkennung anbieten.

Bei Mercedes-Benz ist KI ein zentrales Zukunftsthema in der Entwicklung, der Produktion und der Fahrzeugnutzung. KI kann helfen, Entscheidungen zu überprüfen und zu treffen, um in kürzerer Zeit optimale Ergebnisse zu erzielen. "Letztendlich braucht KI aber immer die Beteiligung des Menschen und fußt auf menschlicher Entwicklung", sagt Steven Peters, KI-Entwicklungsingenieur bei Daimler. Der Name Künstliche Intelligenz führe somit in die Irre. KI beruhe auf menschlichem Lernen und sei nur so gut, wie die Datenfütterung. Das maschinelle Lernen spiele eine wichtige Rolle.

Bei der automatischen Bild- und Mustererkennung für Fahrassistenzsysteme und autonom fahrende Autos analysiert das Fahrzeug künftig Verkehrssituationen und trifft Voraussagen über das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer. Und zwar auf Grund vorher gelernter Daten. Anschließend entscheidet es über das eigene Verhalten. So erkennt das System unter anderem Gebäude, Fahrzeuge, Menschen, Bäume, Gehwege, lokalisiert Ampeln und kleinere Hindernisse auf der Straße.

Besitzer einer neuen A-Klasse mit dem Entertainmentsystem MBUX bekommen heute schon automatisch Vorschläge, die das System im Lauf der Zeit erlernt hat. "Wer beispielsweise häufig dienstags auf dem Nachhauseweg mit seiner Mutter telefoniert, bekommt an diesem Wochentag deren Telefonnummer auf dem Display vorgeschlagen", sagt Peters. Wer regelmäßig zu einer bestimmten Zeit zu einem Radiosender mit Nachrichten wechselt, bekommt dies ebenfalls als Vorschlag. So mache KI das Auto zu einem persönlichen Assistenten des Fahrers.

"Zu den Vorzügen von Systemen, die mit KI ausgestattet sind, gehört ihre grenzenlose Belastbarkeit. Das System lässt sich nicht ablenken, wird nicht müde und bleibt auch in unübersichtlichen Situationen voll konzentriert", erklärt Andre Roskopf, KI-Experte bei BMW. Erst die KI ermögliche das autonome Fahren. Dazu zählt auch das Erstellen hochgenauer Straßenkarten mit dynamischen Inhalten wie temporären Hindernissen oder dem aktuellen Verkehrsaufkommen.

Im Data Lab München, dem KI-Kompetenzzentrum des Volkswagen Konzerns, arbeiten rund 80 internationale Experten an Grundlagenforschung sowie angewandter KI. Bei Assistenzsystemen und künftigem autonomen Fahren setzen die Entwickler auf selbstlernende Algorithmen für die Umfeld- und Umwelterkennung. Autofahrer können heute schon bei der intelligenten Sprachsteuerung für Navigations- und Komfortfunktionen erleben, wie KI hilft.

Für Audi ist die KI eine Schlüsseltechnologie für automatisiertes Fahren sowie für andere technische Bereiche wie neue Mobilitätsdienste und Bilderkennung. Durch KI können mehr komplexe Situationen erschlossen werden. Das Fahren soll sicherer und komfortabler werden. Zum einen lernt das Auto, sich an die Präferenzen des Nutzers anzupassen. Zum anderen wird durch die kumulative Intelligenz des Schwarms so gelenkter Fahrzeuge ständig neues Wissen generiert.

Die Absicherung von gelernten Algorithmen sei die zentrale Herausforderung, so der Hersteller, der derzeit in Serie keine selbstlernenden Systeme verwendet. Mittelfristig will Audi KI mit konventionellen Technologien kombinieren, um maximale Sicherheit zu bieten und das Vertrauen der Kunden in die Technologie zu stärken.

Dazu passe auch die Blockchain-Technologie. Sie bezeichnet eine ständig erweiterbare Liste von Datensätzen, die miteinander verknüpft sind. Verschlüsselung macht sie sehr sicher. Auch im Fahrzeugbereich kommt Blockchain zum Einsatz. VW erprobt ein Kilometerstandsystem, das Manipulationen erschweren soll: Jeder Kilometerstand kann unveränderbar gespeichert werden. Porsche entwickelt eine Technologie, die das Fahrzeug vor Hackern besser schützt und bei dem Besitzer einen virtuellen Schlüssel an andere Personen geben können, die damit das Auto starten können.

Beruhigend für Zukunftsskeptiker: In einem Punkt sind sich die Wissenschaftler und Forscher einig – eine Maschine werde kein eigenes Bewusstsein entwickeln und kann auch keine Programme schreiben. Am Ende ist das Programm nur so gut wie sein Programmierer.

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