Im Erweiterungsbau sind unter anderem Foyer und Küche untergebracht. Foto: Priestersbach

Das alte Sprichwort "Was lange währt, wird endlich gut" trifft auch auf die Erweiterung und denkmalgerechte Sanierung der Haiterbacher Festhalle zu. Nach gut zweijähriger Bauzeit erstrahlt die altehrwürdige Halle an der Nagolder Straße samt schmuckem Anbau jetzt aber in neuem Glanz.

Haiterbach - Bereits kurz nach dem Bau der Kuckuckshalle auf dem Bus in den 90er-Jahren entbrannte in Haiterbach die Diskussion um die Frage Sanierung oder Neubau. "Das Thema hat in Haiterbach schon immer polarisiert", erinnert sich Bürgermeister Andreas Hölzlberger. Er hatte sich schon in seinem ersten Wahlkampf für den Erhalt des ortsbildprägenden Gebäudes am Stadteingang ausgesprochen – und schon damals gab es einen Vorschlag von Architekt Fritz Kempf zur Erweiterung der Festhalle.

2016, beim Beschluss, eine Mehrfachbeauftragung auszuloben, herrschte im Haiterbacher Gemeinderat Einmütigkeit, aber nach dem erfolgten Architektenwettbewerb wurde erst noch mal "eine Runde gedreht", wie es der Rathauschef formuliert. Denn 2017 folgte die Entscheidung im Gemeinderat, die Festhalle auszuschreiben, um das Interesse von privaten Investoren an einer denkmalgerechten Sanierung und einer nachhaltigen Nutzung auszuloten. Dabei stand die Alternative im Raum, die Halle zu veräußern und somit den Weg für den Bau einer neuen Mehrzweckhalle auf dem Bus freizumachen.

Stimmengleichheit in richtungsweisender Sitzung

Im September 2017 folgte schließlich eine ebenso denkwürdige wie richtungsweisende Sitzung des Gemeinderats. Bei Stimmengleichheit wurde zunächst die Veräußerung der Festhalle abgelehnt – auch wenn Bürgermeister Hölzlberger heute noch betont: "Ich fand diesen Vorschlag mit einer Wohnnutzung in der Festhalle und dem Hallenneubau auf dem Bus bestechend". Doch es sollte anders kommen, denn der Gemeinderat favorisierte anschließend nicht den Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs. Mit großer Mehrheit stimmten die Räte für den zweitplatzierten Entwurf des Büros Dorner + Partner, für den auch die Haiterbacher Vereine wegen des größeren Anbaus plädiert hatten.

Mitte 2018 folgte schließlich der Baubeschluss im Gemeinderat, und mit dem Abbruch des Stuhllagers, dem Ausbau des Flüssiggastanks und der Pfeilergründung mit 30 Bohrpfählen wurden 2019 die vorbereitenden Arbeiten ausgeführt, bevor Anfang 2020 mit den Aushubarbeiten für den Erweiterungsarbeiten begonnen wurde.

Wie Bürgermeister Hölzlberger jetzt kurz vor der offiziellen Einweihung in einem Resümee unterstreicht, "wurde nach langen Diskussionen mit verhärteten Fronten jetzt ein Schmuckstück geschaffen". Klar sei mit Gesamtkosten von rund 4,2 Millionen Euro eine stattliche Summe investiert worden, doch könne sich das Ergebnis auch sehen lassen. Neben den Veranstaltungen der Haiterbacher Vereine kann die Festhalle künftig ebenfalls für private Feiern angemietet werden.

Die Sanierung

Nach dem Umbau und der Sanierung präsentiert sich die denkmalgeschützte Haiterbacher Festhalle in einem hellen und freundlichen Ambiente. Doch auch der schmucke Anbau mit moderner Küche und großem Foyer bietet künftig ganz neue Möglichkeiten für Veranstaltungen.

Kein Wunder, dass Bauamtsleiter Werner Braun bei einem Rundgang die gelungene Kombination von Alt und Neu hervorhebt, die sich hier am Haiterbacher Stadteingang erhebt. Ebenso betont er: "Für solche Projekte hat Architekt Fritz Kempf einfach das richtige Händchen". Insgesamt waren bei der Maßnahme neun Planungsbüros und 40 Firmen im Einsatz – die meisten aus der Region und 14 aus Haiterbach selbst. "Die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten war gut", kann Werner Braun in seiner Rückschau auf die gut zweijährige Bauphase berichten.

Gesamtkosten von 4,2 Millionen Euro

Ursprünglich waren 3,5 Millionen Euro veranschlagt, mittlerweile liegt man bei Gesamtkosten in Höhe von 4,2 Millionen Euro, die mit Ausnahme der Kosten für die Außenanlagen mit 70 Prozent aus den Sanierungstöpfen des Landes bezuschusst werden. Vor diesem Hintergrund ist der Bauamtschef überzeugt, dass man in Haiterbach gerade noch den richtigen Zeitpunkt für das Großprojekt erwischt hatte. Zumal die Kosten heute irgendwo zwischen fünf und sechs Millionen Euro liegen würden. Die Preissteigerungen am Markt sind zudem nur die eine Seite der Medaille. So sind beim Umbau und der Sanierung der fast 100 Jahre alten Festhalle zusätzliche Kosten entstanden. Beispielsweise weil die Bühne ein starkes Gefälle aufwies und die Unterkonstruktion ziemlich marode war. Während der Umbauarbeiten wurde außerdem nach dem Öffnen von Wänden und Böden im Eingangsbereich schadhafte Bausubstanz festgestellt – und an Teilen der Hölzer im Dachgeschoss war eine Schädlingsbekämpfung erforderlich.

Die Festhalle hat durch die Sanierung auf jeden Fall gewonnen: So wurde die abgehängte Decke entfernt und die ursprüngliche Gestaltung wieder sichtbar gemacht. Oberhalb der Bühne wurde während der Sanierung ein altes Haiterbacher Wappen freigelegt und von Hermann Künert wieder eindrucksvoll in Szene gesetzt. Und weil der Denkmalschutz über allem schwebte, mussten auch die Schindeln an der Außenfassade komplett erneuert werden. "Da hat die Firma mehrere Wochen daran gearbeitet", erklärt Braun, dass ebenfalls die alten Türen und Bühnenaufgänge erhalten blieben.

Haus- und Elektrotechnik auf dem neuesten Stand

Hightech kommt jetzt dafür in Sachen Haus- und Elektrotechnik zum Einsatz. So ist die Festhalle mit modernster Medientechnik ausgestattet, während durch die neue Lüftungsanlage die Fenster nicht mehr geöffnet werden müssen – wodurch die Schallaustragung minimiert wird.

Die Festhalle bietet künftig 282 Sitzplätze bei Reihenbestuhlung und 224 Sitzplätze bei Veranstaltungen mit Tischen. Der neue Zugang erfolgt über barrierefreie Rampen, und bei der Erneuerung der Außenanlage wurden 44 Pkw- sowie 33 Fahrradstellplätze und eine E-Ladestation geschaffen. Die großzügige Festwiese bietet reichlich Platz für Veranstaltungen.

Zeitgemäß in moderner Holzbauweise präsentiert sich der Anbau, der einen Meter über dem Gelände liegt, um bei Hochwasser einen freien Durchfluss zu ermöglichen. Gefällig ebenso das Foyer mit Außenterrasse, die sogar als Bühne für Freiluft-Veranstaltungen genutzt werden kann. Von einem "Quantensprung im Vergleich zum früheren Zustand" spricht der Bauamtsleiter mit Blick auf die Küche, die optimale Bedingungen bietet – und die unlängst bei der Verabschiedung von Sparkassen-Filialdirektor Kurt Reichert schon ihre Feuertaufe bestanden hatte.

Am kommenden Freitag steht nun zunächst ein offizieller Einweihungs-Festakt mit geladenen Gästen auf dem Programm, der von der Haiterbacher Stadtkapelle umrahmt wird. Am Samstag kann dann die Bevölkerung die sanierte Festhalle und den neuen Anbau unter die Lupe nehmen. Die Einweihung der sanierten Festhalle wird von der Stadtkapelle genutzt, um ihre kulturelle Arbeit wieder zu intensivieren und ihr neues Festkonzept umzusetzen. Ab 20 Uhr steht die "Original Rebländer Blasmusik" auf der Bühne. Die Mitglieder der Formation kommen aus den Weinanbaugebieten der Ortenau und haben sich unter der musikalischen Leitung von Friedbert Seiler der volkstümlichen Blasmusik verschrieben. Beginn der bewirteten Veranstaltung ist aber bereits um 18 Uhr, so dass den Besuchern Zeit für eine Besichtigung bleibt. Wenn das Wetter mitspielt, wird die Stadtkapelle auch den Bereich um die Halle in die Veranstaltung einbeziehen.

Zur Geschichte der Festhalle

Knapp 100 Jahre alt ist die jetzt aufwendig sanierte und erweiterte Haiterbacher Festhalle an der Alten Nagolder Straße. Sie wurde seinerzeit als Turn- und Veranstaltungshalle in Fachwerkbauweise errichtet und später verputzt. Wann die Schindelfassade angebracht wurde, kann heute nicht mehr rekonstruiert werden, nachdem beim Rathausbrand 1945 viele Unterlagen verbrannt sind.

Und doch lohnt sich ein Blick in die Annalen: So berichtet die Haiterbacher Ortschronik, dass der damalige Turnverein Haiterbach vor dem Gauturnfest 1919 exakt 17 Mitglieder zählte, und während des Turnfestes kamen zehn weitere hinzu. Schon bald darauf trugen sich die Mitglieder des Turnvereins mit der Absicht, eigene Räumlichkeiten in Form einer Turnhalle zu schaffen. Weil die eigenen Mittel gering waren, bat man zum einen die Gemeinde um Unterstützung, zum anderen wurde mit Hilfe von Anteilscheinen Geld gesammelt - wobei bis zum Februar 1924 immerhin ein Betrag von 4185 Goldmark zusammenkam. Diese Summe reichte jedoch bei weitem nicht aus, um den Bau einer Turnhalle zu finanzieren. Der Gemeinderat, der die Sammelaktion durch einen Aufruf unterstützt hatte, entschloss sich daraufhin im März 1924, eine Hypothek zur Finanzierung aufzunehmen. Durch diesen Schritt wurde aber auch klar, dass die Turnhalle eine Halle für Gemeindezwecke und für Festveranstaltungen aller Art genutzt wird.

1928 wurde die Halle schließlich offiziell eingeweiht, obwohl sie nachweislich bereits 1926 in Benutzung stand und somit also zumindest teilweise fertiggestellt gewesen sein dürfte. So schrieb der "Gesellschafter" am 20. April 1926, dass nach der Eröffnung der Turnhalle ein Lehrgang für Turnwarte und Vorturner mit 60 Teilnehmern in Haiterbach durchgeführt worden sei. Und am 18. Oktober 1926 hieß es in der gleichen Zeitung: "Die Turnhalle ist mit dem heutigen Tag endgültig ihrer Zweckbestimmung übergeben worden. Der vom Gemeinderat bestellte Turnhallenverwalter hält heute seinen Einzug und es kann nunmehr der Betrieb voll aufgenommen werden". Dazu muss man wissen, dass die Empore über dem bisherigen Eingangsbereich in den 20er-Jahren als Hausmeister-Wohnung diente – und von der Hausmeisterfamilie auch die Hallenküche genutzt wurde.

Die Gemeinde Haiterbach erhielt 1926 und 1927 staatliche Unterstützung für den Bau. Doch war die Freude über die neue Halle nicht ungetrübt, denn Ende 1926 erschien eine vermutlich von einem örtlichen Geschäftsmann aufgegebene anonyme Anzeige im "Gesellschafter", in der dem Turnverein Profitgier vorgeworfen wurde, weil er in der Turnhalle verschiedene Waren angeboten hatte.

Wie auch immer. Jedenfalls hatten die Turner nun eine ständige Übungshalle zur Verfügung – und da ließen auch die sportlichen Erfolge nicht lange auf sich warten. Beim 14. Deutschen Turnfest in Köln errangen die Haiterbacher Turner 1928 mit 13 Männern und zwei Frauen den zweiten Preis. Ihre Rückkehr wurde in Haiterbach entsprechend gefeiert, unter anderem mit einem imposanten Fackelzug, "wie ihn Haiterbach noch nie gesehen hat", wie die Aufzeichnungen berichten.