Sie überschlagen sich gerade wieder – die immer härteren Maßnahmen, mit denen die explosionsartige Ausbreitung des Corona-Virus doch noch gestoppt, zumindest nachhaltig gebremst werden soll. Was bedeutet: Wir werden Weihnachten im Pandemie- Modus erleben. Der Nagolder Hausarzt Dr. Oliver Mayer erklärt uns, wie es trotzdem ein schönes und sicheres Weihnachtsfest werden kann.

Auch mir fehlt die besinnliche Vorweihnachtszeit“, erzählt der erfahrene Mediziner. Das Bummeln über Weihnachtsmärkte. Das Krippenspiel der Kinder. Auch die Weihnachtsfeier mit dem eigenen, tollen Praxisteam muss natürlich ausfallen. „Es war auch bei uns alles schon gebucht und bestellt“. Dann kam der Teil-Lockdown mit der Schließung der Gastronomie – jetzt der komplette Lockdown mit weitgehenden Ausgangsbeschränkungen. „Klar, müssen wir da durch – alle!“ Aber schmerzlich sei es trotzdem, auf diese gut gepflegten Rituale in diesem Jahr verzichten zu müssen.

Um so wichtiger sei es jetzt, nicht gänzlich dem Corona-Blues – und den sowieso immer nach den Feiertagen sehr heftig grassierenden Winter-Blues – zu verfallen. Dr. Mayers besorgniserregende Beobachtung dazu: „Die depressiven Leiden bei den Patienten nehmen zu“. Die Menschen würden – je länger dieser Ausnahmezustand durch die Pandemie andauere – „immer nervöser und angespannter“. Da spiele es auch eine Rolle, dass die Zahl der Single-Haushalte in unserer Gesellschaft kontinuierlich anwachse. Stichwort: Vereinsamung. Und Corona-bedingt die Ängste um den eigenen Arbeitsplatz, die persönliche wirtschaftliche Situation immer mehr zunehmen, je länger dieser Ausnahmezustand andauert.

Weshalb Dr. Mayer nicht nur seine Patienten zu verstärkter Achtsamkeit mit sich selbst aufruft: „So oft es geht – raus an die frische Luft!“, lautet dabei die wichtigste Empfehlung. Dabei gilt besonders: „Unbedingt immer bei Tageslicht raus – vor allem, wenn so richtig prall die Wintersonne scheint!“ Denn dann produziert unser Körper das so überlebenswichtige Vitamin D. Laut Dr. Mayer „das beste und wirkungsvollste Antidepressivum überhaupt“. Und die Bewegung draußen werde auch gerade zu solchen Schlemmer-Festtagen wie Weihnachten auch in Hinblick auf vielleicht ein paar – neue – Pfunde zuviel sicher eine „positive Wirkung“ entfalten können.

Wozu Dr. Mayer die Menschen auch gerne ermutigen möchte: „Die Möglichkeiten der neuen Medien auch im privaten Bereich konsequent zu nutzen“. Durch die Pandemie haben wir alle gelernt, wie gut Home-Office, Home-Schooling und Video-Konferenzen in so vielen Bereichen tatsächlich funktionieren. Wenn aber auch der persönliche Kontakt – wie ganz aktuell – auch zu Freunden und sogar der Familie eingeschränkt werde, könnte der Skype-Anruf bei Oma und Opa oder dem lieben Schulfreund helfen, trotz der geltenden Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen (gerade in Bezug auch auf die bekannten Risikogruppen) „echte Nähe“ mit den wichtigen Menschen im eigenen Leben herzustellen. „Als virtuelles Kaffeekränzchen“, das Distanzen überwinden hilft. Und mit gemeinschaftlichen Glücks-Erlebnissen den Pandemie-Frust in Schach hält.

Dr. Oliver Mayer erzählt, wie seine Familie auf diese Weise (vor Ansteckung sicheren!) Kontakt in der Pandemie zu den Großeltern seiner Kinder hält. Als ein neues Ritual. Mit dem man „gemeinsam etwas tun kann“, um diese so wichtigen Gemeinschaftserlebnisse unter diesen „neuen Lebensbedingungen“ möglich zu machen. „Wir können und sollten solche virtuellen Kontakte wirklich viel mehr zelebrieren lernen“, um aus den aktuellen Pandemie-Umständen „das beste für unser Leben und unser Gesundheit“ herauszuholen. Die verbliebenen Chance nutzen – neue entdecken. Denn – auch wenn wir alle es wohl nicht mehr hören können: Nur wenn wir, abseits von Arbeit, Einkaufen und Waldspaziergang, alle so oft wie möglich zuhause bleiben, können wir aktuell die Infektions-Zahlen wieder möglichst schnell in den Griff bekommen, so der Arzt.

Denn, auch das ist klar: Bis die nun langsam verfügbaren Impfungen gegen den Covid19-Erreger bei uns zugelassen und flächendeckend verfügbar sein werden, wird noch einige Zeit vergehen. „Alles deutet aber darauf hin – das Licht am Ende des Corona-Tunnels ist bereits sehr deutlich sichtbar.“Bis dahin gelte es, durchzuhalten. Die Regeln zu wahren: Abstand halten – Mund-Nasen-Schutz tragen, wo Abstände nicht möglich sind – Hände regelmäßig waschen / desinfizieren. Und vielleicht noch daran denken, mögliche krankheitsbedingte „Nebenkriegsschauplätze“ zu vermeiden – meint: „Die Empfehlung gilt nach wie vor, sich unbedingt gegen die Influenza / Grippe und Pneumokokken / Lungenentzündung impfen zu lassen!“ Um das eigene Immunsystem gerade jetzt maximal zu stärken. „Impfdosen in ausreichender Menge stehen aktuell nach wie vor bei uns in der Praxis zur Verfügung.“

Und noch ein Erfahrungsbericht aus der Hausarztpraxis von Dr. Oliver Mayer: „Wir hatten in den vergangenen Wochen verstärkt Patienten, die keine der typischen Corona-Symptome gezeigt haben“ also Fieber, Husten, Verlust des Riechvermögen – sondern eher „diffuse Erkältungs-Symtomatiken“ zeigten. Die aber trotzdem dann positiv auf Corona getestet worden seien. Was bedeutet: „Wer auch leichte Erkältungs-Beschwerden bei sich feststellt, sollte unbedingt zum Arzt gehen und das abklären lassen“. Um nicht Gefahr zu laufen, andere unbeabsichtigt anzustecken. „Wir sind dafür als Praxis immer da – und ansprechbar!“, so Dr. Mayer abschließend.

Autor: Axel H. Kunert Fotos: Thomas Fritsch